Wettlauf zum Mond – wieder mal
Erinnern Sie sich noch an die Mondlandung? Tja, tut mir leid, dann sind Sie mindestens schon so alt wie ich. Damals, im Juli 1969, waren wir gemeinsam „die Menschheit“. Wenn „wir“ es schaffen, Menschen auf den Mond zu schicken (auch wenn es Amerikaner sind), was können wir dann sonst noch alles erreichen?
So habe ich das damals als Kind natürlich nicht begriffen. Für mich war eher sensationell, dass ich mitten in der Nacht aufstehen durfte, nein: musste, um Zeuge dieses historischen Menschheitsereignisses zu werden. „Der Bub muss das doch live miterleben“, meinte mein Opa. Also saß ich – im notorischen 1960er-Frotteeschlafanzug – vorm Fernseher und sah mir in Schwarz-Weiß (den Buntfernseher bekamen wir erst 1970) verschwommene Bilder von zwei Typen an, die in zugegeben coolem Outfit in einer Wüstenlandschaft herumhopsten. Die Bildqualität war so miserabel wie zu der Zeit allenfalls Liveübertragungen von Fußballländerspielen aus Albanien. Ich wollte schon, in der Manier meines Opas, mit der Faust kräftig auf den Glotzkasten hauen – manchmal half das bei Bildstörungen –, merkte allerdings, dass meine Eltern und Großeltern von dem, was da auf dem Bildschirm passierte, dermaßen ergriffen waren, dass ich mich jeglicher Medienschelte zur Übertragungsqualität zurückhielt. Am nächsten Tag spielte ich dann mit meinem Cousin „auf dem Mond gehen“.
Knapp 57 Jahre später verkünden die Amerikaner eine Sensation: Wir fliegen wieder zum Mond. Hier kommt mein Kumpel, der Backes Herrmann, ins Spiel. Der behauptet: „Die Amerikaner waren nie auf dem Mond. Alles Fake.“ Als ich mich nicht auf eine Verschwörungstheorie-Diskussion einlasse, meint der Herrmann: „Und diesmal fliegen sie auch nicht wirklich hin.“ „Wie kommst du denn darauf?“, frage ich. „Na, welches Datum haben sie sich zum Start der Mission ausgesucht? Den 1. April.“
Oha, das stimmt. Handelt es sich beim Start zum bemannten Mondflug um einen Aprilscherz? Das glaube ich kaum. Aber warum ausgerechnet jetzt? Die Motivation ist heute wohl die gleiche wie damals. Die Sowjetunion tat Anfang der 60er so, als sei sie praktisch kurz davor, auf dem Mond zu landen. Aus purem Sportsgeist reagierten die Amis: „Wetten, dass wir schneller sind!“
Und so isses heute auch wieder. Jetzt behauptet China: In spätestens fünf Jahren landen wir auf dem Mond. Also behaupten die Amerikaner: „Wir machen’s in drei“, und schicken, um sämtliche Kontrahenten zu schockieren, Artemis II zur Mondumrundung.
Diesmal ist allerdings einiges anders als vor über 50 Jahren: 1. Gendergerechtigkeit: Damals war die Mission nach einem Gott benannt, jetzt nach einer Göttin, der Zwillingsschwester von Apollo, Artemis, der Göttin der Jagd. 2. Die Crew war jetzt zu viert unterwegs, und das neun Tage lang in einer Kapsel mit dem Raumvolumen eines Mini-Vans. Ein Crew-Mitglied war eine Frau, Christina Koch – woraus sich die Frage ergibt, ob man dann noch von einer bemannten Mondfahrt sprechen kann –, ein nicht-weißer Mann flog erstmalig mit, und ein weiterer war kein US-Amerikaner, sondern Kanadier. „Die Menschheit“ war diesmal also etwas repräsentativer abgebildet.
Gesteuert wurde die Orion-Kapsel diesmal übrigens vollautomatisch, zwischendurch durfte die Crew aber auch mal ans Lenkrad – zu Übungszwecken, falls was schiefgeht. Wie damals bei Apollo 13, wo es ein Glück war, dass ausgerechnet Tom Hanks mit an Bord war und selbst im Funkloch hinterm Mond genau wusste, was zu tun war … Oder verwechsle ich da jetzt was?
Apropos schiefgehen: Vier der insgesamt zwölf Männer, die bisher auf dem Mond waren, leben noch. Buzz Aldrin ist zwar inzwischen Mitte 90 und schmollt angeblich immer noch, weil er damals nach Neil Armstrong nur als zweiter Mensch den Mond betreten durfte. Aber falls es notwendig werden sollte, kann man sicher bei ihm anrufen und fragen: „Buzz, wie habt ihr das damals hingekriegt … äh, ihr wart doch aufm Mond, oder?“