Die HG Saarlouis spielt ihre beste Saison seit Langem. Noch vor der Aufstiegsrunde in die 2. Handball-Bundesliga hat ein Leistungsträger den Vertrag bei seinem Heimatverein verlängert.
Lars Weissgerber ist ein „Eigengewächs“ in der Mannschaft von Handball-Drittligist HG Saarlouis. Der 28-Jährige wurde in der Nachwuchsabteilung ausgebildet, schaffte hier als 16-Jähriger den Sprung in den damaligen Zweitliga-Kader und sammelte zwischenzeitlich in der 1. Bundesliga, der besten Handball-Liga der Welt, wertvolle Erfahrung. Vor Kurzem hat der Linkshänder seinen Vertrag mit der HG um drei Jahre verlängert. Als unumstrittener Leistungsträger hat er maßgeblichen Anteil daran, dass die Saarlouiser derzeit ihre beste Spielzeit seit Jahren abliefern und an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen werden.
„Das fühlt sich schon ganz gut an“, sagt Publikumsliebling Weissgerber zu der aktuellen Situation als Tabellenführer der 3. Liga Südwest. Er war im Sommer 2023 nach fünf Spielzeiten bei Erstligist HSG Wetzlar zu seinem Heimatverein zurückgekehrt. Nach seinen Handball-Anfängen in Überherrn war er 2007 zur HG gekommen, avancierte dort zum Jugend-Bundesliga- und Junioren-Nationalspieler und lief schließlich bis zum Abstieg im Jahr 2018 für die Zweitligamannschaft der HG Saarlouis auf. Nach seiner Rückkehr wurde er gleich in seiner ersten Drittliga-Saison mit 249 Toren Torschützenkönig aller vier Staffeln. „Er ist der beste Rechtsaußen der letzten Jahre im Saarland“, schwärmte HG-Sportdirektor Markus Baur im Rahmen der Vertragsverlängerung.
Niederlage zur rechten Zeit
Der so Gelobte bleibt bescheiden: „Die Mannschaft hat Selbstbewusstsein, wir spielen wirklich guten, souveränen Handball“, findet „Whity“ und macht nur eine Ausnahme: „Von dem Ausrutscher gegen Hanau mal abgesehen“, findet er. Was war passiert? Nach 14 Siegen in Folge (!) kassierte die HG Saarlouis als Spitzenreiter der 3. Liga Südwest Mitte März mal wieder eine Niederlage. Und was für eine: Bei der 28:37-Klatsche im Heimspiel gegen die HSG Hanau ließen die Gäste den Hausherren keine Chance. HG-Trainer Jörg Lützelberger sah die Ursachen für den schwachen Auftritt seiner Mannschaft einerseits in den Köpfen seiner Spieler, zum anderen in einem wirklich starken Gegner. Wenn man über Monate nur gewinnt und alle rundum nur noch von der Aufstiegsrunde und „dem überragenden Spitzenreiter“ redeten, dann mache das etwas mit den Spielern. Hanau sei deshalb auch präsenter, williger und physischer gewesen und habe sich die Anerkennung verdient. „Vielleicht kam diese Niederlage gerade zur rechten Zeit“, meint Lars Weissgerber und merkt an: „Auf jeden Fall hat es uns gezeigt, dass wir gegen jeden Gegner 100 Prozent geben müssen, um unsere Ziele zu erreichen. Dass wir das in diesem Spiel nicht getan haben, war uns danach allen bewusst. Das haben wir gleich im ersten Training danach auch angesprochen.“
Auch in den vergangenen Jahren fehlte nicht viel, aber Entscheidendes, statt um Platz drei wirklich um Platz eins mitzuspielen. „Vom Potenzial her hätten wir auch in den vergangenen Jahren an guten Tagen alle in der Liga schlagen können. Den Unterschied macht unsere Konstanz aus“, ist Weissgerber sicher. Er hat festgestellt, „dass wir auch im Training immer Vollgas geben. Dann fällt es uns auch in den Spielen leichter, das bis zum Schluss durchzuhalten und nicht wenige Minuten vor dem Ende einzubrechen.“ Der gestiegene Konkurrenzkampf im stark besetzten Kader tut sein Übriges, um die Motivation jedes Einzelnen, Topleistungen abzuliefern, hochzuhalten.
Nicht nur der Trainingsfleiß, auch andere Veränderungen im Umfeld, wie die Verpflichtung des 2007er Weltmeisters Markus Baur als Sportdirektor und des aufstiegserfahrenen Trainers Jörg Lützelberger, schärfen bei allen den Fokus auf die Ziele: „Die Strukturen werden immer besser, inzwischen haben wir unser eigenes Fitnessstudio, in dem wir noch gezielter und individueller trainieren können – auch mal morgens“, berichtet Ex-Profi Weissgerber: „Das trägt natürlich auch zum Selbstbewusstsein der Spieler bei und zeigt, wie konkret das Ziel 2. Bundesliga für alle ist. Das hat sicher auch geholfen.“ Genauso wie die handelnden Personen selbst. Zu denen gehört neben den Spielern natürlich auch Trainer Lützelberger. Weissgerber schätzt ihn als „akribischen Fachmann mit strukturierter, klarer Linie“. „Er geht wirklich sehr gerne ins Detail, hat immer eine ganz konkrete Vorstellung davon, wie er spielen lassen möchte. Das hat uns sehr geholfen, uns schnell in seine Spielweise reinzufinden“, beschreibt „Whity“ seinen nicht gerade ersten Trainer im (semi)professionellen Bereich und gibt zu: „Das habe ich so vorher noch bei keinem Trainer erlebt.“ Ein Markenzeichen der Akribie und Detailtreue: Die HG kann verschiedene Systeme spielen, ist sowohl im Angriff als auch in der Abwehr variabel und kann jederzeit wechseln, um jeden Gegner vor immer neue Aufgaben zu stellen.
Schwere Gegner in der Aufstiegsrunde
Das Ziel dabei war klar: das Erreichen der Aufstiegsrunde. So haben es die Vereinsverantwortlichen vor der Saison formuliert. „Ja klar, das war unser offizielles Ziel. Aber natürlich wollen wir, wenn wir schon dabei sind, auch das Ding gewinnen und aufsteigen“, stellt Lars Weissgerber klar. Wohlwissend, dass hier die besten Drittligisten aufeinandertreffen. Von insgesamt sechs Teams steigen am Ende nur die zwei Besten auf. Insbesondere die ebenfalls Zweitliga-erfahrenen TV Emsdetten (2015 bis 2022 in Liga zwei) und ASV Hamm (erst 2025 abgestiegen, spielte in der Saison 2022/23 noch in der Bundesliga) sind ambitioniert. „Die beiden sind in ihren Prozessen und Strukturen schon ein bisschen weiter als wir, aber letztlich sind es vier Spiele, zwei daheim, zwei auswärts – da wird auch die Tagesform entscheiden“, weiß der 28-Jährige und nimmt sich deshalb vor: „Wir wollen jeweils auf den Punkt topfit sein und so die Wahrscheinlichkeit erhöhen, das Ding zu gewinnen.“ Und das nicht nur für den Verein: „Für die Stadt, eigentlich für das ganze Handball-Saarland wäre das nach einer längeren Durststrecke mal wieder ein Hoch, das vielleicht sogar dafür sorgen könnte, dass wieder mehr Kinder Handball spielen wollen“, hofft das HG-Eigengewächs Lars Weissgerber.