Es geht doch! Mit einer kaum für möglich gehaltenen Leistungssteigerung entledigt sich der 1. FCS erstmal der größten Abstiegssorgen. Das 2:0 gegen Wehen Wiesbaden war die beste Saisonleistung.
Es war 20.57 Uhr im Saarbrücker Ludwigspark, als sich die Spieler des 1. FC Saarbrücken in Richtung Virage Est aufmachten. Es gab Beifall, aufmunternde Worte und einen Schulterschluss, aber keine Euphorie. Dafür bestand auch nach dem 2:0 des 1. FC Saarbrücken gegen den SV Wehen Wiesbaden kein Anlass. Offensivakteur Florian Pick machte es deutlich. Angesprochen auf den „Liebesentzug“ durch die eigenen Anhänger nach dem 2:2 beim FC Schweinfurt sagte er trocken: „Wir spielen in erster Linie nicht nur für die Fans. Wir spielen für den Verein, für die Stadt und natürlich auch für uns.“
Heißt: Die Mannschaft steht in der Pflicht. „Vollkommen verständlich“, fand Niko Bretschneider die Reaktion des Anhangs und ergänzte Picks Aussage: „Wir müssen liefern.“ Der Auftritt des 26-jährigen Linksverteidigers war exemplarisch für das Spiel gegen die zweitbeste Rückrundenmannschaft. „Es ist gut gelaufen, es war sicherlich eines meiner besseren Spiele. Aber wir haben noch Luft nach oben“, sagte Bretschneider. Seine Verpflichtung im Sommer wurde von großen Erwartungen begleitet. In der Vorsaison bei Energie Cottbus war er einer der Topspieler. Ligaweit gab es auf seiner Position kaum einen Besseren. Doch beim FCS blieb er zunächst blass, war dann in einen schweren Autounfall verwickelt. Anschließend kam er nicht richtig in Tritt. „Manche Dinge kann man nicht erklären. Der Sieg heute tut gut, man hat gemerkt, dass wir das Publikum mitnehmen konnten.“ Der Park explodierte zehn Minuten vor Schluss, als Bretschneider nach einem fulminanten 20-Meter-Schuss auf 2:0 stellte. „Ich war ehrlich gesagt platt und froh, dass das Ding aufs Tor geht“, sagte er lachend.
Der Empfang des Teams durch die 11.000 Zuschauer fiel kühl aus. Doch der FCS präsentierte sich von Beginn an griffig, war endlich laufstark und gut in den Zweikämpfen. Einer stach heraus: Kaan Caliskaner. Bisher ein Inbegriff einer verkorksten Saison, sprühte der 26-jährige Kreativspieler urplötzlich vor Ideen. „Das ist mein Spiel, das ist mein Anspruch. Vor einer Woche hat niemand damit gerechnet, dass ich von Beginn an spiele. Ich auch nicht. Ich glaube, das Publikum hat gemerkt, dass wir wollten“, sagte der gebürtige Kölner. Der FCS dominierte die Partie gegen Wiesbaden nach Belieben, tat sich aber schwer, große Chancen zu erarbeiten. Eher zufällig fiel das 1:0 nach einer halben Stunde. Picks eher verunglückte Ecke trudelte vor die Füße von Maurice Multhaup, der den Ball aus einem halben Meter über die Linie drückte. Ob der Rechtsaußen dabei, wie von den Wiesbadenern moniert, im Abseits stand, ließ sich nicht auflösen. Dem FCS spielte auch in die Karten, dass Zweitligaschiedsrichter Timo Gansloweit kurz vor der Pause die Rote Karte gegen den Wiesbadener Niklas May zog. Auch wenn Wehen-Coach Daniel Scherning die Entscheidung als „zu hart“ einstufte, lag der Schiedsrichter damit wohl richtig. Am Ende musste auch Scherning eingestehen, dass der FCS der verdiente Sieger war.
Mit 32 Punkten haben die Blau-Schwarzen die ärgsten Abstiegssorgen erst einmal vertrieben. Die Bilanz von Neu-Coach Argirios Giannikis ist positiv. Acht Zähler aus vier Spielen lassen sich sehen. „Als wir begonnen haben, hatten wir einen Punkt Vorsprung auf die rote Zone. Jetzt sind es acht.“ Am Sonntag geht es für den FCS zum MSV Duisburg. Die Zebras haben in dieser Saison noch kein Heimspiel verloren, der FCS auswärts seit Monaten nicht gewonnen. „Wir können gegen jede Mannschaft der Liga bestehen“, sagte Giannikis und formulierte die Hoffnung, dass personell nichts mehr passiert. „Ich bin ein Freund von Kontinuität. Es wäre schön, wenn sich niemand krank abmeldet. Auf der anderen Seite war es nun auch eine Chance für Spieler wie Multhaup oder Caliskaner.“ Dass Sebastian Vasiliadis und Kai Brünker nach Infekten zumindest in den Kader rücken, ist im Bereich des Möglichen. Für Manuel Zeitz und Patrick Schmidt wird die Partie zu früh kommen.
„Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Jetzt müssen wir sehen, dass es nicht ertrinkt“, sagte der neue Coach ziemlich drastisch nach dem Spiel in Schweinfurt. Daran könnte man mit dem Spruch anknüpfen: „Das Team hat sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen.“ Daran muss es sich nun messen lassen. Die Leistung vom Wiesbaden-Spiel muss Anspruch sein und darf nicht die Ausnahme bleiben.
FORUM-Einzelkritik:
Phillip Menzel: Nicht groß gefordert, hielt, was zu halten war. Note 3
Niko Bretschneider: Seine mit Abstand beste Leistung. Tolles Tor. Note 1
Robin Bormuth: Resolut und umsichtig. Note 2
Lasse Wilhelm: Richtig gute Partie ohne Fehler. Note 2
Calogero Rizzuto: Ausbaufähige Flanken bei hohem Invest. Note 2-
Patrick Sontheimer: Unermüdlich und giftig. Note 2
Tim Civeja: Arbeitete endlich defensiv. Nach vorne gut. Note 2
Kaan Caliskaner: Welch eine Leistungsexplosion. Hätte ein Tor verdient gehabt. Note 1
Florian Pick: Wie immer viel unterwegs, manchmal zu verspielt. Note 2-
Maurice Multhaup: Starke Partie, die mit einem Treffer veredelt wurde. Note 2
Dominic Baumann: Arbeitete ordentlich, aber nicht torgefährlich. Note 3