Ein wenig fremdeln Menschen meist mit dem AI Home. Das intelligente Zuhause ist unterwegs in Berlin, München und andernorts auf Messen. Wer sich ins zunächst „unheimliche“ Vorführ-Zuhause hineintraut, erfährt smarte Intensiv-Fürsorglichkeit durch Hausgeräte, Heim- und Unterhaltungselektronik.
Der Einstieg ins eigene „AI Home“ ist die sich automatisch öffnende Tür. Sie geht auf, weil sich ihr ein Mensch nähert. Exakt das Lebewesen, das zu seinem Zuhause gehört und das ein Smartphone mit Türöffner-App dabeihat. So gelangt der Mensch in seine smarte Welt, die voll maschinell erlernter Routinen steckt und ihre Bewohner sowie Haustiere umsorgt. Und dabei sogar Energie sparen soll. Das AI Home heißt ihn mit seiner Lieblingstemperatur, favorisierten Musik und perfekt inszeniertem Licht willkommen: weil es von seinen Gewohnheiten gelernt und aus vielerlei Erfahrungen seine Schlüsse gezogen hat.
Alle Kommunikation läuft über eine App
Wo Intelligenz im Vergleich zu reiner Smartness beginnt, ist eine fast schon philosophische Frage: Die Übergänge sind fließend. Festzuhalten wäre: Das AI Home ist bestens vernetzt, spricht scheinbar überlegt mit Geräten und Menschen und entwickelt aus Beobachtung zuvorkommende Routinen. Das befähigt es, sich maschinell intelligent und dienstleistungsorientiert um seine wohl-AI-behomten Küken zu kümmern.
Das klassische Smarthome fordert mit den Möglichkeiten seiner smarten Produkte die menschliche Intelligenz heraus und sehnt sich für seine nächste Stufe nach dem Erfahrungshorizont neuronaler Netzwerke. Um – wie das AI Home, das letztlich ein mit Künstlicher Intelligenz ausgestattetes Smarthome ist – zur rechten Zeit mit Komfort verheißendem Einsatz zu glänzen und auch noch Energie zu sparen. Das AI Home kreist auch ungefragt ständig um seine Menschen und deren Bedürfnisse. Sofern es nicht aktiv in seinem Wirkungskreis beschränkt wird. Das simple Smart Home indes hört ohne lernende Intelligenz noch jederzeit auf den Menschen. Lässt sich aber auch gern in Routinen unterweisen sowie „Wenn, dann“-Abläufe vorgeben.
Vordergründig soll im AI Home eine zentrale Anwendung an die Stelle von tausendundeiner App für einzelne Produkte und Services treten. Diese orchestrierende App für alles hat die Mission, die babylonische Verwirrung aufzulösen –
zwischen Geräten, die sich sonst nicht verstehen. Hintergründig ist hierfür ein offener Standard am Start, der Grenzen zwischen Technikwelten aufhebt. „Artificial Intelligence“, jenseits des AI Home auch als „Künstliche Intelligenz“ bezeichnet, kann helfen, dass sich trotz Gleichmacherei zu Hause jeder individuell gesehen und bedacht sieht.
So geschieht es in Samsungs AI Home, an dem sich Hunderte Partner beteiligen. Von der smarten Uhr am Handgelenk, über die Smartphone-App mit Unterabteilungen bis in den Herd hinein soll jetzt wirklich alles stimmig vereint, leicht überschaubar und intuitiv nutzbar sein. Die Kommunikation läuft hier locker-entspannt über die Zusammenführungs-App namens „SmartThings“, die auf der gleichnamigen Plattform von Samsung zu Hause ist. Diese soll „intelligente, herstellerübergreifende Nutzungserlebnisse im Alltag“ bescheren.
„SmartThings“ konkurriert etwa mit den Smarthome-Systemen von Apple, Google und Alexa von Amazon, die auf ihre Weise zentral die Steuerung und Automatisierung von Haushaltsgeräten ermöglichen. Um den Nutzern den Zugang in die smarte Welt von Samsung und Partnern zu erleichtern, sind kompatible Geräte mit den Kennzeichnungen „Works with SmartThings“ oder dem offenen Standard „Matter“ versehen. Sie sollen sich nahtlos in das „SmartThings“-Ökosystem integrieren lassen. Die Rede ist von einer Vielfalt technischer Begleiter, zu denen neben Samsung Hausgeräten, TVs und Soundbars auch Partner-Produkte wie Leuchten, Thermostate, Wärmepumpen, Solaranlagen, Kameras, Türschlösser und Sensoren gehören.
Wenn schon smart, dann aber richtig
Alles „Alltag“: Komfortabler, sicherer und ressourcenschonender soll er mithilfe smarter Technologien zu gestalten sein. Damit sich die Ressource „menschliche Geduld“ nicht zu schnell erschöpft, integriert die „SmartThings“-App mehr als 6.000 Geräte verschiedener Hersteller. Diese kommen miteinander zurecht, sind kompatibel. Und sie werden in einer Anwendung zusammengefasst, die sich AI-Home-Bewohner auf dem Smartphone, Tablet, Fernseher oder auch auf dem Kühlschranktür-Display ansehen und anhören. Einigermaßen übersichtlich. Noch von unterwegs kann Mensch sich die Einkaufsliste via App geben lassen. Etwa auf eine Galaxy-Smartwatch, die ständig seine Fitness im Blick hat und sich mit dem AI Home absprechen könnte, was Mensch zu essen favorisieren sollte. Die AI Vision3 im Family-Hub-Kühlschrank erkennt durch eine integrierte Kamera automatisch verschiedene gelagerte Lebensmittel. Auch, was gerade abläuft, weiß die „SmartThings“-App und kann die Ablaufdaten auflisten. Die Samsung Food+ App liefert passende Rezeptvorschläge und sagt, was möglicherweise zum Lieblingsgericht eines Hausbewohners aus dem Laden noch fehlt.
Eine logische Fortentwicklung: Das Smarthome pur entwickelte sich nicht zum großen Hit. Das alte Smarthome hatte auch das Geschmäckle von Fußböden aufreißen, Leitungen verlegen und komplexen Bedienstationen ausgeliefert sein. Eher unbehaglich. Der Mensch mag’s daheim gemütlicher. Und wenn schon smart, soll die Arbeit wirklich von der Technik erledigt werden. Und auch ein wenig sorgende Kontrolle spürbar sein. Das ist mittlerweile machbar: Denn alles soll im „artificial intelligent“-Zuhause aufgrund von Vernetzung und Lerneffekten noch komfortabler und verständiger funktionieren als im schlichter agierenden, alten Smarthome.
„Große Erleichterungen bestehen aus vielen einzelnen Teilen. Jede Kleinigkeit, die smarte Hausgeräte und ihre AI-Funktionen uns abnehmen, macht für sich selbst erst eine kleine Verbesserung aus, aber zusammengenommen wird der Effekt deutlich spürbar“, erklärt Diana Diefenbach, Senior Manager Technical Product Management and Communication bei Samsung Electronics.
Da fährt etwa der Staubsaugerroboter dem Hund hinterher und zeigt über seine Kamera Herrchen und Frauchen an deren Arbeitsstelle, dass Hund hungrig jault. Über „SmartThings“ setzt Hundes Mensch nunmehr den vernetzten Futterautomaten zu Hause in Aktion: wenn er es für richtig hält. Beispielsweise bei der „Bespoke AI Jet Bot Steam“-Serie gelangt der Live-Feed, also Echtzeitbilder und -Videos, von der Frontkamera auf das Mobilgerät der Nutzerinnen. Soll das so aus der Ferne zu sehende, bellende Tier abgelenkt oder beruhigt werden? Musik aus den Boxen des Saug- und Wischroboters kann hier für Frauchen einspringen. „Bespoke AI“-Geräte von Samsung sollen klassische Haushaltsgeräte um AI-gestützte Funktionen erweitern. Ihre Mission ist es, aktiv Aufgaben im Haushalt zu übernehmen. Plus wohl auch ein wenig (Hunde-)Care-Arbeit. Indem sie auf das von ihnen registrierte und eingeordnete Nutzungsverhalten passend reagieren.
Über die „SmartThings“-App lassen sich ansprechbare Bespoke-Geräte zudem aus der Ferne steuern. Etwa, wenn die Waschmaschine schon mal laufen soll, während der Mensch noch im Stau steht. Und sich gern helfen lässt. Denn Waschen ist für viele Menschen schwierig, da mit potenziell zerstörerischen Entscheidungen verbunden: Beispielsweise AI Wash+ in der „Bespoke AI“-Waschmaschine stellt intelligent einen Waschvorgang ein, der genau auf die verschmutzte Kleidung abgestimmt ist. Herd und Spülmaschine unterhalten sich, was gerade im Ofen überbacken wird, damit die Reinigungsmaschine weiß, ob sie später das Geschirr länger einweichen sollte, um die Energie einer höheren Spültemperatur zu sparen. Sollte dabei Wasser austreten, schicken Wassersensoren, die mit vernetzt sind, nicht nur eine Notfall-Nachricht aufs Handy. Sondern sie veranlassen das Ventil, die Hauptleitung der Wasserversorgung abzudrehen.
Doch es gibt auch komplett „unsmarte“, bereits vorhandene Geräte, die schon aus Gründen der Nachhaltigkeit im Haushalt verbleiben sollten. Für ihre Vernetzung lohnen sich kleine, zwischengeschaltete Stecker. In der „Smart-Things“-Energy-Ansicht ist zu sehen, wie viel Energie Mensch spart, wenn er keine Standby-Funktionen am Fernseher oder an anderen Stellen verwendet. Und was sich über die smarten Zwischenstecker alles abschalten lässt. Etwa, wenn er das Haus verlässt.
Im Notfall geht auch der klassische Schlüssel
Ist Mensch wieder zu Hause und will nur noch die Beine hochlegen, übernimmt beispielsweise eine mit „Fernsehabend“ betitelte Routine auf Zuruf Richtung Handy-App das Schließen der Jalousie, das Hochdrehen der Heizung, das wohltemperierte Umgebungslicht. Und die App schlägt aufgrund der individualisierten Routine natürlich auch einen Film nach dem ihr bekannten Geschmack des vorliegenden Menschen vor. Zusammengefasst unterstützen Künstliche Intelligenz und smarte Vernetzung im AI Home automatisiert die heimischen Lebensbereiche Lernen/Arbeiten, Entertainment, Wohlbefinden/Fitness, Energiemanagement, Sicherheit, Home Control sowie Anwendungen für Haustiere. Im Arbeitsbereich des mobilen Kennenlern-AI-Homes steht auch ein unscheinbarer Schreibtisch. An ihm sollen die Besucherinnen erleben, wie sie im eigenen AI Home konzentriert arbeiten können. Mithilfe individuell eingerichteter Fokusroutinen. Aktivieren sie die Routine, verströmt das Licht automatisch eine fokussierte Atmosphäre, Signaltöne und Leuchtanzeigen werden reduziert und das Raumklima über Temperatur- und Luftreinigungstechnologie reguliert. Sollte der Postbote ausgerechnet dann klingeln, wenn im Homeoffice schuhlos, aber hochkonzentriert gearbeitet wird oder gerade ein Zoomcall stattfindet, zeigt der Monitor oder die Galaxy Watch das Bild der Außenkamera an. Wer will, kann in so einer Situation über das ebenfalls vernetzte, smarte Türschloss von Nuki vom Schreibtisch aus die Tür öffnen.
Auf der IFA in Berlin und auf der Heim und Handwerk in München gab es auch manch andere (Teil-)Lösungen intelligenter Hausausstattungen zu sehen. Ausgereift ist vielleicht noch nicht alles. Sehr zurückhaltend wirkt bei manchen die Auskunftsbereitschaft der Firmen. Auf jeden Fall besitzt beispielsweise auch LG eine App und AI-schlaue Geräte. Da plaudert die Waschmaschine gegenüber dem mit ihr verbandelten Trockner aus, in welchem Zustand sich die Wäsche ihrer aktuellen Ladung befindet. Damit er sich schon mal für seine Last wappnen kann. „LG ThinQ“ soll bewirken, dass das Zuhause „zum digitalen Wohlfühlort wird, der sich an den Menschen anpasst – nicht umgekehrt“. Über die „LG ThinQ“-App sollen Nutzer ihr Zuhause beziehungsweise ihre vernetzten LG-Produkte stets im Blick behalten, Geräte einfach steuern und auch überwachen – vom Start des Waschgangs bis hin zum Energieverbrauch des Kühlschranks. Die App soll sogar Lösungen zu Störungen anbieten, bevor Störungen auftreten: Weil sie Unregelmäßigkeiten erkennt.
Ob es noch Traum ist oder schon Realität werden könnte, dass sich unter vielen Dächern das Wohnambiente dem aktuellen Befinden anpasst, sobald man sich beim Heimkommen in den sensorisch aufmerksamen Sessel fallen lässt?
Dennoch plagt die Autorin zum Schluss eine Eintritts-Frage. Wenn sich die Tür nur öffnet, weil sie Hausbewohner oder andere Berechtigte, denen ein digitaler Schlüssel zugewiesen wurde, identifiziert: Was passiert, wenn der Strom ausfällt? Muss Mensch dann frierend draußen vor der Tür verharren?
Die Antwort liegt auf der Hand, so wie im Notfall hoffentlich auch noch ein klassischer Schlüssel zum AI Home: Ein technisches Gerät kann keiner ohne Strom betreiben. Aber Sie können Ihr durch neuronale Verknüpfungen und maschinelles Lernen futuristisch ausgestattetes Haus weiterhin mit einem Schlüssel ganz herkömmlich aufschließen. Und anschließend ausprobieren, ob es sich für Sie mit oder ohne AI Home besser leben lässt.