Am ersten Juli-Wochenende findet in Geislautern die Vegan Fantasy Fair statt – ein gemütliches Fantasy-Festival mit Markt, Musik, Spielen und veganem Angebot. Veranstalterin Jenny Thelen hat mit FORUM über Konzept und Programm gesprochen.
Jenny, wann und wie entstand die Idee zur Vegan Fantasy Fair?
Die Grundidee für die Vegan Fantasy Fair entstand beim Besuch eines Mittelaltermarktes 2021. Ich war schon einige Jahre Vegetarierin und lebte zu diesem Zeitpunkt vielleicht erst ein paar Monate vegan. Da man zu der Zeit ja auch eher weniger auf Veranstaltungen unterwegs war, fiel es mir umso mehr auf, wie schwierig es als vegan lebende Person ist, auf vielen Veranstaltungen dieser Art vegane Produkte zu finden. Sei es beim Essen, aber auch an Verkaufsständen, wo das Armband dann vielleicht aus Leder ist, das Tuch aus Wolle oder der in der Szene beliebte Honigwein, der dann zusätzlich wegfällt.
Ich dachte mir, ich kann nicht die Einzige sein, der es so geht. Sicher gibt es einige Menschen, die auch gern eine Mittelalter- oder Fantasy-Veranstaltung besuchen würden, wo man sich einfach alles kaufen kann und man eine große Auswahl an den Essensständen hat. Und gerade im Saarland gibt es zudem generell keine rein veganen Veranstaltungen, wie zum Beispiel Straßenfeste oder Messen, wie es sie in anderen Städten gibt.
Also war die Grundidee zunächst ein veganes Fantasy-Festival. Nach und nach hat sich dann das Konzept, wie es heute ist, zusammengesetzt, und ich freue mich sehr, dass es so gut angenommen wird.
Warum habt Ihr Euch für Geislautern als Veranstaltungsort entschieden?
Als gemeinschaftliches Event-Projekt „Next Heroes“ arbeiten wir auch für andere Veranstaltungen aus unserem Portfolio mit der Stadt Völklingen zusammen, und das sehr gern. Der Schlosspark Geislautern selbst ist mit den vielen Grünflächen, Bäumen und Wegen für die Vegan Fantasy Fair der ideale Veranstaltungsort. Toll ist auch, dass wir zusätzlich das Gemeinschaftshaus nutzen können und dadurch auch Räume für ein Indoor-Angebot und Backstage zur Verfügung haben.
Nach welchen Kriterien wählt Ihr Aussteller und Künstler aus?
Bei der Auswahl der Ausstellenden und Mitwirkenden ist uns besonders wichtig, dass sie zu uns und der Fair passen. Die Vegan Fantasy Fair ist eine sehr kreative Veranstaltung mit einer herzlichen Community, die für alle Teilnehmenden und Besuchenden ein Wohlfühlort sein soll. Mit diesem Gedanken wählen wir aus, wen wir uns als Ausstellende wünschen und wem wir eine Bühne geben möchten.
Neben dem Kriterium, dass Produkte keine tierischen Bestandteile enthalten sollen, ist uns generell Produktvielfalt im Bereich Fantasy- und Hobbybedarf wichtig, sowie ein Angebot an veganen Alternativprodukten im Bereich Lebensmittel und Kosmetik. Wir bevorzugen zudem alles, was hand- und selfmade ist – sei es bei Handwerk und Kunst, Literatur und Spiele oder Start-ups.
Auswählen bedeutet für uns auch, auszuschließen. Wir haben zum Beispiel strikte Regeln zur Nutzung von KI, schließen Produkte mit diskriminierendem Inhalt oder aus dem Schaffen diskriminierender Personen aus und prüfen unsere Gästinnen und Gäste wie zum Beispiel Musikerinnen und Musiker oder Content-Creatorinnen und -Creator sowie deren Communitys.
Was ist Euch besonders wichtig bei der Messe?
Am wichtigsten ist es uns immer, dass alle, die an der Veranstaltung beteiligt sind oder sie besuchen, eine schöne Zeit haben und sich wohlfühlen.
Unterscheidet sich Eure Messe von anderen in diesem Bereich?
Neben dem offensichtlichen veganen Thema möchten wir mit der Vegan Fantasy Fair mehr den verspielten Aspekt in den Vordergrund stellen. Einerseits dadurch, dass tatsächlich viel gespielt wird mit entsprechendem Programm von gemütlichen Spielrunden bis zu aktiven Mitmachaktionen für Groß und Klein. Aber auch dadurch, dass die Atmosphäre eher verspielt und märchenhaft ist, statt gruselig oder episch. Es gibt zum Beispiel keine Horrorelemente oder Schlachten, stattdessen Tänze, Blumen und Elfen, die Trinkets verteilen. Wir nennen das: Whimsical, cozy, wholesome Fantasy-Renfaire.
Sind auch Leute willkommen, die nicht vegan sind?
Willkommen sind alle, die Lust haben, ein cozy Fantasy-Festival zu besuchen, denn man besucht vor allem ein Fantasy-Festival mit Markt, Musik, Spielen, fantastischem Ambiente und tollen Besucherinnen und Besuchern, nur dass das gesamte Angebot eben vegan ist.
Wie viele Leute sind in Eurem Team und wie sind die Aufgaben verteilt?
Wir arbeiten im Vorfeld zu viert an allem, was an Organisatorischem zu tun ist, und auf dem Event selbst besteht das Team aus circa 50 Personen, die sich an den beiden Tagen mit der Betreuung der verschiedenen Bereiche wie zum Beispiel Einlass, Bühnen, Backstage oder Info abwechseln.
Als Orga beginnen wir schon über ein Jahr im Voraus mit der Planung der nächsten Veranstaltung, denn der Termin muss früh festgelegt werden und die entsprechenden Verträge und Genehmigungen rechtzeitig eingeholt werden. Als Veranstalterin sind das, neben der allgemeinen Konzeption und allem, was mit Dienstleistungen zu tun hat, meine Aufgaben. Klingt erst mal langweilig, ist aber die wichtige Basis. Zum Ausgleich freue ich mich, dass ich auch im Bereich Deko und Atmosphäre einiges machen kann. Für alles rund um Ausstellende und Mitwirkende ist Dan zuständig, um Technik und Bühnen kümmert sich Daniel und das Event-Team wird von Nicole betreut.
Mit welchen Herausforderungen habt Ihr zu kämpfen, zum Beispiel auch bei der Planung?
Wir dachten anfangs, es wird eine Herausforderung, neben der Schnittmenge „vegan lebende Fantasy-Fans“ auch die beiden einzelnen Gruppen, nämlich Fantasy-Fans sowie Personen, die sich für die Themen Veganismus, Tierschutz und soziale Gerechtigkeit interessieren, anzusprechen, damit auch genug Besuchende kommen, um die Kosten zu decken. Es hat sich aber herausgestellt, dass es tatsächlich viel mehr Personen gibt, die gerade die Kombination lieben, als wir erwartet haben. Wir haben hier also wirklich einen Nerv getroffen, kann man sagen. Und zudem haben wir bei den letzten beiden Ausgaben die Erfahrung gemacht, dass selbst Besuchende, die zunächst nur kommen, weil sie ein veganes Streetfood-Festival besuchen möchten, oder sich die Live-Rollenspielrunde ansehen möchten, einfach die Atmosphäre schätzen und gern wiederkommen.
Die eigentlichen Herausforderungen sind solche, die wir selbst nicht gut beeinflussen können, wie zum Beispiel das Wetter, das gerade im Juli von starker Hitze bis hin zum stürmischen Unwetter alles sein kann. Oder leider auch ein kleiner Ort im Saarland als Veranstaltungsort, denn so schön der Schlosspark auch ist, gibt die Infrastruktur nicht das her, was man zum Aufbau eines größeren Festivals benötigt, wie zum Beispiel ausreichend Parkplätze und Übernachtungsmöglichkeiten wie Campingplätze oder Herbergen, die fußläufig erreichbar sind.
Welche verschiedenen Fantasy-Charaktere und -welten trifft man auf der Fantasy Fair?
Das werden alleine dadurch, dass der Großteil unserer Besucherinnen und Besucher gewandet oder im Cosplay sein wird, sehr viele sein. Von Cosplays zu beliebten Franchises und Animes, über mittelalterliche Gewandungen bis zu kreativen Interpretationen von Fantasy-Charakteren ist da wirklich alles dabei. Da wir ein entsprechendes Programm haben, erwarten wir dieses Mal viel zu The Witcher, Herr der Ringe, Winx Club, Dungeons & Dragons, Critical Role und generell passend zur Fair viele Flügelwesen, wie Elfen, Feen oder Pixies, von Natur und Wald inspirierte Wesen wie Faune, wandelnde Pilze oder von Waldtieren inspirierte Charaktere sowie zaubereibegabte Charaktere wie Druiden, Hexen oder Magier.
Was fasziniert Dich am Thema Fantasy, was macht den besonderen Reiz für Dich aus?
Ich bin schon seit der Kindheit ein absoluter Fantasy- und Märchenfan und liebe dieses klassische Konzept, dass man mit der eigenen innewohnenden Kraft für das Gute kämpft. Klar geht das viel einfacher, wenn man tatsächlich magiebegabt ist, aber ich denke, dadurch hat sich auch meine Vorstellung, die ich von einer schönen realen Welt habe, geformt und die Fantasyheldinnen und -helden haben ein Stück weit meinen Charakter geprägt.
Was macht für Dich eine gute Fantasy-Veranstaltung aus?
Für mich persönlich ist es eine gute Fantasy-Veranstaltung, wenn ich ein wenig das Gefühl habe, eine andere Welt zu betreten, also wenn die Immersion stimmt. Ich liebe es, wenn es ein stimmiges Konzept gibt, das sich in vielen Elementen und Bereichen der Veranstaltung widerspiegelt. Dabei ist die Größe oder Art der Veranstaltung egal. Das kann eine kleine, spezialisierte Convention sein oder ein großes Festival. Wichtig für mich ist das Gefühl, hier haben Menschen Leidenschaft reingesteckt und mit Sorgfalt ausgewählt, was und wer Teil der Veranstaltung sein soll.
Dieses Jahr findet die Veranstaltung erstmals zwei Tage statt. Wie kam es dazu?
Es stand von Anfang an fest, dass die Vegan Fantasy Fair ein Zwei-Tages-Festival sein soll. Da das Konzept aber komplett neu war und auch eine Outdoor-Veranstaltung bisher nicht zu unserem Portfolio gehörte, haben wir vorsichtig mit einem Tag angefangen. Man kann also sagen, die ersten beiden Ausgaben waren Testversionen und die Vegan Fantasy Fair 2026 ist die Vollversion.