Die US-Hollywoodstars Alison Brie und Dave Franco standen kürzlich wieder gemeinsam vor der Kamera: im Horrorfilm „Together – Unzertrennlich“. Im Interview erzählen sie, wie anstrengend der Dreh war, was sie an Horrorfilmen mögen und wovon sie Albträume bekommen.
Sie leben seit vielen Jahren in einer monogamen Beziehung. Was ist denn das Beste, das Sie aus dieser Zweisamkeit für Ihr Leben gewonnen haben? Und wo mussten Sie zurückstecken oder vielleicht sogar etwas von Ihrer Persönlichkeit aufgeben?
Alison Brie: Eigentlich profitieren wir in unserer Beziehung nur voneinander. Ich wüsste jetzt nichts, was ich hätte aufgeben müssen. Mein Leben ist viel reicher und schöner, seit ich mit Dave zusammen bin. Wir beflügeln uns gegenseitig – privat wie beruflich. Was ich besonders erfüllend finde, ist, dass wir tatsächlich auch sehr gut miteinander arbeiten können. Der Film „Together – Unzertrennlich“ ist ja schon unsere fünfte Zusammenarbeit, aber wir konnten immer noch etwas Neues voneinander lernen. Für mich ist es wunderschön zu sehen, wie sich Daves Persönlichkeit entwickelt und wächst und dass wir das miteinander teilen können. Wenn man so eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet, kann man ja auch viel mehr riskieren. Ich weiß, dass Dave auch dann immer für mich da ist. Und natürlich haben wir auch immer sehr viel Spaß bei der Arbeit.
Dave Franco: Das kann ich nur bestätigen. Wir helfen und inspirieren uns gegenseitig, und das ist wirklich eine tolle Sache. Wenn wir ein neues Projekt anfangen, können wir uns hundertprozentig aufeinander verlassen, und das macht die ganze Sache sehr viel weniger stressig.
Es scheint, dass Sie ein Faible für Horrorfilme haben. Ist das Ihr Lieblingsgenre?
Franco: Ich mag Horrorfilme wirklich sehr, weil man sich da oft auf sehr riskante Weise ausprobieren darf. (lacht) Aber ich liebe auch richtig schlimme Beziehungsdramen. Ich kann mir eigentlich gar nicht erklären, warum. Denn meine Ehe mit Brie ist wirklich sehr gesund und ausgesprochen aufregend – im positiven Sinn. Wenn wir keine so stabile Liebesbeziehung führen würden, dann hätten wir, glaube ich, diesen Horrorfilm „Together – Unzertrennlich“ sicher nicht machen können. Der hat uns nämlich wirklich sehr viel abverlangt, sowohl physisch als auch vor allem emotional. Ich mag „character driven“-Movies, also Filme, in denen die Protagonisten die Geschichte vorantreiben. Ich finde es faszinierend zu sehen, wie Figuren miteinander kommunizieren und aufeinander reagieren. Genau das passiert ja auch in unserem Film. Das besondere Plus bei Horrorfilmen ist dann noch, dass der Zuschauer total abgefahrene, schreckliche Sachen erwartet. Und genau das konnten wir mit einem Regisseur wie Michael Shanks machen. Er hat uns sogar dazu angespornt, die verrücktesten Dinge vor der Kamera auszuprobieren.
Brie: Ich mag vor allem Horrorfilme, in denen echte, authentische Menschen – und keine Abziehbilder – in diesen Mahlstrom aus Horror geraten. So wie wir es bei diesem Film gemacht haben. Das gibt dem Ganzen noch einen Extra-Kick.
Welche Reaktionen wünschen Sie sich vonseiten der Zuschauer auf Ihren Film?
Brie: Wir haben die unterschiedlichsten Reaktionen erhalten, was meist von dem ganz persönlichen Beziehungsstatus der jeweiligen Menschen abhängt, die sich dazu geäußert haben. Bei manchen Zuschauern wurden durch den Film sogar verborgene Ängste aufgedeckt; sie hinterfragten, ob Monogamie wirklich das Richtige für sie ist. Manche stellten tatsächlich ihre gegenseitige Abhängigkeit infrage. Aber mir ist wichtig, dass jeder den Film so interpretieren kann, wie er mag. Gerade das finde ich persönlich ja an Filmen so interessant: dass sie offen sind für persönliche Bewertungen, und dass die Figuren vielschichtig dargestellt werden und man nicht von vornherein gesagt bekommt, was man von ihnen zu halten hat.
Franco: Ganz genau. Wir haben aber auch Reaktionen von Singles bekommen, die meinten, der Film sei ein Argument dafür, dass man lieber Single bleiben sollte. Und von einem Ehepaar, das sich immer viel gestritten hat, haben wir erfahren, dass ihnen der Film geholfen hat, sich wieder zu vertragen. Das spiegelt ja auch unsere Rollen wider. Ich spiele jemanden, der große Angst davor hat, seine Identität zu verlieren, wenn er sich zu sehr auf eine Zweierbeziehung einlässt.
Brie: … und meine Figur fürchtet sich davor, dass sie, wenn sie aus der Beziehung ausbricht, alles verliert, was ihr im Leben etwas bedeutet. Genau das macht ja gerade das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Protagonisten aus. Sie haben zwar sehr eigene Bedürfnisse, wissen aber nicht, ob sie ohne den anderen wirklich leben können – oder wollen. Solche Ängste sind doch universell.
Monogamie als Persönlichkeitskiller versus Angst vor Einsamkeit. Deshalb noch einmal die Frage: Ihnen geht es gut?
Brie und Franco: (lachen) Ja, wirklich, machen Sie sich um uns mal keine Sorgen.
In diesem Film geht es auch körperlich richtig zur Sache. Hatten Sie eigentlich Stunt-Doubles?
Brie: So gut wie keine. Eigentlich haben Dave und ich alles selbst gemacht. Und ich kann Ihnen versichern, es war die bei Weitem intensivste Zusammenarbeit, die wir je hatten! Dave war bald übersät von Blutergüssen und Schrammen. Und seine Hände bluteten, weil er im Film ja an einem sehr dünnen Seil hochklettern musste.
Wenn man einen ganzen Tag diese extremen Body-Horror-Szenen dreht – hatten Sie danach nachts nicht auch mal Albträume?
Franco: Nein, nach einem so anstrengenden Drehtag fielen wir beide wie tot ins Bett. Wir haben jeden Tag vor der Kamera alles gegeben und waren am Abend hundemüde. Man darf nicht vergessen, dass bei einem Horrorfilm wie diesem die einzelnen Figuren extreme Gefühle zeigen müssen: Angst, Furcht, Hass, Sehnsucht und so weiter. Das ist für jeden Schauspieler sehr anstrengend. Vom physischen Aspekt mal ganz abgesehen.
Brie: Sobald mein Kopf auf dem Kissen lag, bin ich eingeschlafen, und zwar traumlos bis zum Weckerklingeln am nächsten Morgen. Das Aufregende daran, wenn man Horrormovies macht, ist ja, dass man die Entstehung der einzelnen Abläufe sehr genau mitbekommt. Das ist alles sehr technisch und oft wahnsinnig kompliziert. Da entsteht garantiert kein Gefühl für Horror (lacht). Es ist ein bisschen so, als ob einem ein Zauberer seine Tricks erklärt. Allerdings muss ich gestehen, wenn ich mir Horrorfilme im Kino anschaue oder bei uns zu Hause auf dem Sofa, dann gruselt es mich oft, und ich fürchte mich dann auch immer sehr schnell. Da bin ich ein echter Schisshase. Nach einem guten Horrorfilm habe ich schon oft Albträume bekommen.
Franco: Wir haben wirklich großen Respekt vor Schauspielern in Horrorfilmen, weil da die Ansprüche so hoch sind.
Brie: Ja, da geht es um Leben und Tod. Und dieses intensive Spiel hat auch, ob Sie es glauben oder nicht, Auswirkungen auf das Unterbewusstsein. Wenn man diese extremen Furchtzustände spielt, beginnt das Gehirn zu denken, man hätte wirklich Todesangst. Und das zehrt dann ziemlich an den Nerven.
Hand aufs Herz: Hätten Sie den Film auch mit jemandem machen können, mit dem Sie nicht verheiratet wären?
Brie: Ich bin mir sicher, dass Dave und ich diesen Film nicht mit anderen Schauspielern hätten machen können. Das war doch wirklich alles sehr intim. Hinzu kam, dass Dave und ich eine blinde Verständigung miteinander haben, die uns beim Drehen viel Zeit erspart hat. Da mussten wir uns nicht erst lange erklären, wie wir dieses oder jenes spielen wollten. Wir konnten das alles auch noch beim Abendessen besprechen, die Dialoge auf dem Heimweg zu unserer Airbnb-Wohnung proben und uns sagen, wie wir am nächsten Tag die emotionalen Schwerpunkte setzen würden. Wir haben das alles immer sehr locker geklärt und kamen wirklich sehr gut vorbereitet ans Set. Ganz abgesehen davon: Wir waren mitunter zehn Stunden lang regelrecht aneinandergeklebt. Daher mussten wir sogar zusammen aufs Klo gehen. Das hätte ich mit jemand anderem niemals gekonnt. Ich bin mir auch sicher: Wenn die Zuschauer wissen, dass wir auch im richtigen Leben ein Paar sind, hat das noch einen zusätzlichen Input für den Film.