In Tholey entsteht das erste Projekt seiner Art im Saarland: das Landhaus Quartier Schaumberg. Damit verbinden die zur Victor’s Group gehörenden Landhaus Seniorenwohngemeinschaften und die exsos GmbH Pflege, Nachhaltigkeit und Verantwortung.
Simone Haßdenteufel rückt ihre Handtasche zurecht und nimmt in der vierten Reihe Platz. Vor ihr das Banner mit dem Versprechen eines neuen Anfangs: Landhaus Quartier Schaumberg. Das ist auch der Grund, warum sie an diesem Tag zur Bürgerinformationsveranstaltung ins Pfarrheim im benachbarten Theley gekommen ist. „Ich suche schon länger eine Wohnung, vielleicht auch etwas fürs Alter – barrierefrei, mit Betreuung, aber nicht anonym“, sagt sie.
An diesem Dienstagabend im November ist der Saal in Theley sehr gut gefüllt. Nur wenige Stunden zuvor hatte draußen, auf dem Gelände oberhalb des Erlebnisparks in Tholey, der symbolische Spatenstich stattgefunden. Zwischen Baumaschinen, rotem Sand und Sonnenlicht wurde sichtbar, was die nächsten Jahre prägen wird: der Bau des Landhaus Quartiers Schaumberg, des ersten seiner Art im Saarland.
Pflege und Betreutes Wohnen
Das Vorhaben trägt bereits im ersten Bauabschnitt große Ambitionen in sich. Zwei Landhäuser, einmal mit 55 Pflegeplätzen (47 Einzel- und vier Partnerzimmer) und einmal mit einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft mit 52 Plätzen. In einem weiteren charmanten Nebengebäude entstehen 16 barrierefreie Apartments zwischen 36 und 66 Quadratmetern, alle mit Balkon oder Terrasse. Gemeinschaftsräume, Therapiebereich, Café, Bibliothek, Wellnessbad, Friseur und Gartenflächen mit Spazierwegen. Das ist kein abgeschottetes Heim, sondern ein lebendiges Ensemble, das sich zur Gemeinde hin öffnet.
Im Mittelpunkt steht die Idee, Wohnen, Pflege und Alltag in einem ganzheitlichen Umfeld zu vereinen. Nachhaltigkeit ist hier kein Zusatz, sondern Grundlage. Die Gebäude entstehen vollständig aus Holz, ausgestattet mit Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen und E-Ladestationen. Wenn man ein solches Landhaus betritt, riecht man das Holz, spürt Wärme und Geborgenheit.
Eine Frau, die genau für diese Verbindung von Innovation und Beständigkeit steht, ist Chantal Ostermann, Mitglied der Geschäftsleitung der Victor’s Group und Geschäftsleitung der Landhaus Seniorenwohngemeinschaften. Mit spürbarer Begeisterung sprach sie über das Projekt und machte deutlich, dass es für sie weit mehr ist, als ein weiterer Standort. Es ist ein Stück Familiengeschichte, das in die Zukunft verlängert wird.
Damals, vor fast fünf Jahrzehnten, eröffnete der Firmengründer Hartmut Ostermann die erste Seniorenresidenz, mit dem Ziel, älteren Menschen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu ermöglichen. Heute führt auch seine jüngste Tochter Chantal Ostermann diese Idee weiter und verbindet sie mit modernen Konzepten. „Die Pflege verändert sich“, sagt sie. „Der Bedarf wächst, vor allem im ländlichen Raum. Wir wollen den Menschen ermöglichen, dort zu bleiben, wo sie sich zuhause fühlen, in ihrem Umfeld, mit ihren Freunden, ihren Vereinen.“
So entstand die Idee der Landhaus Seniorenwohngemeinschaften – kleine, familiäre Häuser mit starker regionaler Verankerung. Sie sollen Pflege neu denken, ohne das Menschliche aus den Augen zu verlieren. Dass aus dieser Idee ein konkretes Modell wurde, verdankt sich der Begegnung mit der exsos GmbH aus Thüringen. Das Unternehmen entwickelt seit Jahren nachhaltige Pflegeimmobilien in Holzbauweise. „Wir haben sofort gemerkt, dass wir dieselbe Haltung teilen“, sagt Ostermann. „Wir beide glauben an Qualität, Verlässlichkeit und Verantwortung.“
Mit exsos entstand ein Konzept, das die Erfahrung aus zwei Welten vereint: pflegerische Kompetenz und bauliche Innovation. 2022 öffnete in Berlstedt bei Erfurt das erste Landhaus, elf weitere folgten in kurzer Zeit. Nun kommt das Modell nach Tholey. Exsos-Geschäftsführer Thoralf Bäring beschreibt die Architektur als „eine Symbiose aus Technik und Atmosphäre“. Jedes Landhaus verbraucht rund 1.000 Kubikmeter Holz, arbeitet mit regenerativen Energien und schafft so ein Raumklima, das Gesundheit und Wohlbefinden fördert. Die Erschließungsarbeiten in Tholey beginnen in Kürze, die Eröffnung ist für Sommer 2027 vorgesehen. Das Landhauskonzept vereint fortschrittliche Technik mit persönlicher Zuwendung. Die Pflegekräfte arbeiten mit digitaler Dokumentation und KI-gestützten Assistenzsystemen, die Routineaufgaben erleichtern. Telemedizin soll ärztliche Betreuung auch ohne Anfahrt ermöglichen, Smart-TVs und W-Lan bringen Information und Unterhaltung ins Zimmer.
Doch trotz aller Technik bleibt der Mensch im Mittelpunkt. Die geringe Platzzahl pro Haus schafft Überschaubarkeit und Nähe. Die Häuser öffnen sich zur Gemeinde, laden Kindergärten, Schulen und Vereine zu gemeinsamen Aktivitäten ein. Regionale Küche, Feste und Brauchtum sollen das Quartier mit Leben füllen – im Saarland, sagt Ostermann lächelnd, natürlich immer mit gutem Essen.
Nachhaltigkeit bedeutet hier nicht nur Energieeffizienz, sondern auch soziale Verantwortung. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden unter anderem in der eigenen Pflegefachschule in Quierschied ausgebildet, stets gefördert und früh in Entscheidungen eingebunden. Das Unternehmen arbeitet mit regionalen Dienstleistern und Handwerksbetrieben zusammen und schafft auf diese Weise lokale Wertschöpfung.
Die Eröffnung ist für Sommer 2027 geplant
„Das Landhausquartier ist kein Fremdkörper“, betont Ostermann. „Es wird Teil der Gemeinde – ein Ort, der Menschen verbindet.“ Dass die Gemeinde hinter diesem Projekt steht, zeigt sich bereits beim Spatenstich. Zwischen Bauzaun und Kameraobjektiven greift Bürgermeister Andreas Maldener zum Mikrofon. Er spricht von einem „wichtigen Tag für Tholey“ und einer „Zusammenarbeit, die Vertrauen verdient“. Für ihn sei das Landhaus Quartier Schaumberg weit mehr als ein Bauprojekt, „es ist ein Beispiel dafür, wie moderne Pflege und kommunale Entwicklung Hand in Hand gehen.“
„Wir haben in Tholey eine alternde Bevölkerung und den Wunsch, hier alt werden zu können“, sagt er bei der abendlichen Bürgerinformationsveranstaltung. „Dieses Quartier bringt neue Perspektiven, schafft Arbeitsplätze und gibt der Region ein Stück Zukunft zurück.“ Seine Worte sind keine Floskel, sondern Anerkennung für einen Prozess, der über Monate mit Verwaltung, Investoren und Bürgern abgestimmt wurde.
Im Publikum lauscht Edeltrud Schneider, 75, mit verschränkten Händen. Ihr Mann ist schwer krank, das gemeinsame Haus zu groß geworden. „Man überlegt, was man macht“, sagt sie. „Aber man hat auch schlechte Erfahrungen gemacht, ein Heim hier musste vor Jahren schließen. Ich bin vorsichtig.“
Gerade diese Skepsis soll das neue Konzept überwinden. Es steht für Transparenz und Stabilität, für Betreuung nach Maß und faire Preise. „Ein Platz bei uns soll kein Privileg sein, sondern eine erreichbare Option“, betont Ostermann später im Gespräch. Das Landhaus Quartier Schaumberg ist mehr als eine Pflegeeinrichtung. Es ist ein Wirtschaftsfaktor, ein Standortprojekt, ein sozialer Katalysator. Viele Arbeitsplätze werden entstehen, hinzu kommen Aufträge für Bauunternehmen, Handwerksbetriebe und Zulieferer. Tourismus und Pflege, Wohnen und Freizeit greifen hier ineinander. Bürgermeister Maldener nennt es ein „Zukunftsversprechen“. Es ist eines, das in Holz und Herz geschrieben steht. Als die Veranstaltung zu Ende geht, stehen noch kleine Gruppen im Foyer, sprechen mit Planern, mit Mitarbeitern, mit Nachbarn. Draußen liegt das Baufeld im Licht der Baustrahler, der Wind zieht über den Hang des Schaumbergs. „Wir schaffen hier etwas, das bleibt“, sagt Chantal Ostermann zum Abschied. „Einen Ort, an dem Menschen alt werden können, ohne entwurzelt zu sein. Mit Gemeinschaft, Lebensfreude und Würde.“