Die Debatte um die Technologieoffenheit im heimischen Heizungskeller bleibt: Bei grünem Gas konkurrieren zahlreiche Nachfrager aus Industrie, Verkehr und dem Gebäudesektor miteinander. Der deutsche Biogasverband aber sieht Potenzial.
Die von der CDU geforderte und im Gebäudeenergiegesetz festgezurrte Technologieoffenheit soll Wirklichkeit werden. Aber sie lässt nicht nur Hausbesitzer ratlos zurück. Auch Industrieverbände und Unternehmen positionieren sich gegen ein „Zurück zur Gas- und Ölheizung“.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sieht im geplanten neuen Heizgesetz eine Chance für einen Neustart bei der Wärmewende. Die CDU-Politikerin sagte im Bundestag: „Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz ziehen wir einen Schlussstrich unter eine Politik des Misstrauens.“ Die Bundesregierung ersetze Heizungszwänge durch Technologieoffenheit. „Wir geben den Menschen die Freiheit zurück, selbst zu entscheiden, mit welchen Systemen sie ihr Haus beheizen und wie sie ihr Haus modernisieren wollen.“ Die Heizung werde wieder zur Privatsache. Freiheit zu welchem Preis, das ist jedoch die zentrale Frage, zumal der Gebäudesektor als schwierig zu dekarbonisieren gilt; zu alt und zu diversifiziert ist der Bestand von Wohn- und Industriegebäuden in Deutschland. Damit es nicht zu teuer wird, will das Bundesjustizministerium nun entsprechende Regelungen in das Gesetz einbauen. Der Deutsche Mieterbund begrüßt dies ausdrücklich. Steigende CO2-Preise, höhere Netzentgelte sowie teure Beimischungen wie Biogas oder Wasserstoff treiben die Heizkosten in die Höhe – Kosten, die bislang vollständig von den Mieterinnen und Mietern getragen werden, obwohl sie keinen Einfluss auf die Investitionsentscheidungen der Vermietenden haben, also ob diese nun eine neue Gasheizung oder doch eine mit Strom betriebene Wärmepumpe einbauen. Künftig müssen Vermieterinnen und Vermieter – unabhängig vom energetischen Zustand des Gebäudes – die Hälfte der Kosten des steigenden CO2-Preises, der steigenden Gasnetzentgelte und der Biogasanteile übernehmen. Allerdings nur bis zu einem Biogasanteil von 30 Prozent, höhere Anteile lassen Mieterinnen und Mieter mit den Kosten alleine, so der Mieterbund.
Schwierig zu dekarbonisieren
Woher diese Biogasanteile jedoch kommen sollen, ist noch unklar. Vor dem Hintergrund der beginnenden Diskussion rund um die von der CDU geforderte Technologieoffenheit haben das Institut der deutschen Wirtschaft Köln und das Wuppertal Institut bereits 2025 eine Studie veröffentlicht.
Die Grüngasquote soll die Gasversorgung langfristig dekarbonisieren und Investitionen in klimaneutrale Gase anstoßen, doch beide Institute bewerten sie kritisch. Sie kommen in ihrer Bewertung zu dem Ergebnis, dass das Instrument mehr Probleme schafft als löst: Für den deutschen Gebäudesektor, der derzeit neben dem Verkehr den höchsten Anteil an klimaschädlichem CO2 produziert, ist das besonders relevant, weil eine solche Quote die Kosten für Gas erhöhen würde. Dadurch könnten auch künftige Gasheizungen indirekt teurer werden, ohne dass damit automatisch ein echter Umstieg auf klimaneutrale Wärme erreicht wird. Nach Einschätzung der Autoren besteht sogar die Gefahr, dass die Quote den Eindruck erwecke, Gas bleibe langfristig eine sichere Option, obwohl die verfügbaren Mengen an Biomethan und klimafreundlichem Wasserstoff begrenzt sind. Dass es noch keinerlei Anzeichen gibt, woher das viele Biogas oder -öl kommen soll, gibt auch das Bundeswirtschaftsministerium in seinem Gesetzentwurf zu.
Kritisch sehen die Autoren der Studie außerdem, dass die Quote keine verlässlichen Investitionssignale setze. Statt gezielt den Umbau des Energiesystems zu beschleunigen, drohten eher Mitnahmeeffekte, zusätzliche Bürokratie und ein hoher Aufwand bei unklarer Klimawirkung. Vor allem Wasserstoff wird nach dieser Logik dort gebraucht, wo er industriell schwer zu ersetzen ist, nicht in großem Umfang im Wärmemarkt. Für die politische Debatte über die erneute Freigabe von neuen Gasheizungen ist das ein durchaus wichtiger Gesichtspunkt. Eine Grüngasquote wäre somit kein Freifahrtschein für den weiteren Einbau fossiler Heiztechnik. Vielmehr würde sie die Wärmewende komplizierter machen und könnte am Ende Haushalte belasten, ohne die Transformation im nötigen Tempo voranzubringen.
Auch Unternehmen und Verbände stellen sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Grüngasquote. Grünes Gas, insbesondere Biomethan, sei knapp, so ein Papier, das unter anderem der Bund für Umwelt- und Naturschutz, der Naturschutzring, die Deutsche Umwelthilfe, aber auch die Energiekonzerne Eon, EWE und die Energieanbieter Enercity, Octopus und der Zentralverband der Elektroindustrie unterzeichnet haben. Der Gebäudebereich ließe sich flächendeckend verhältnismäßig einfach elektrifizieren, heißt es, demnach sei es nicht plausibel, warum knappes Grüngas dorthin umgeleitet werden sollte.
Mehrkosten für Haushalte gering
Entscheidend sei die Systemperspektive: „Klimaschutz ist dann am günstigsten, wenn knappe Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie den größten Nutzen stiften“, so das Papier wörtlich. Die Unterzeichnenden gehen derzeit davon aus, dass das inländische Potenzial von Biomethan den erwartbaren Bedarf nicht decken kann, also brauche es erneut Exporte von umkämpften europäischen Märkten. Biomasse sollte daher priorisiert dort eingesetzt werden, wo sie dringend notwendig sei: in der Chemieindustrie beispielsweise. Dort ist eine Dekarbonisierung wegen eines hohen Anteils fossiler Grundstoffe ohnehin bereits schwierig, Biogase könnten dort Abhilfe schaffen.
Problematisch sieht das Papier auch die Weiternutzung von Gasnetzen: Deren Fixkosten verteilen sich über die Netzentgelte auf die Kunden. Mehr Biogas als Einspeiseanteil im Haushalt erfordere einen Ausbau des Netzes, das derzeit vor allem für die Verstromung von Biogas vor Ort ausgelegt sei; diese Milliardenkosten würden ebenfalls auf die Verbraucher umgelegt.
Die Empfehlungen der Gruppe: Die Klimaschutzziele im Gebäudesektor sollten vor allem über Elektrifizierung erreicht werden, Biomasse sollte in schwer dekarbonisierbaren Sektoren priorisiert, die Infrastrukturkosten für Verbraucher begrenzt werden.
Der deutsche Fachverband Biogas sieht im Gegensatz dazu Potenzial, und zwar von bis zu 150 Terawattstunden Biogas, so ein Verbandssprecher. Einer Studie des Klima-Thinktanks Epico zufolge, die deutlich weniger pessimistisch als die des IW Köln ausfällt, geht man dort von einem Bedarf von 48 Terawattstunden Grüngas aus. So viel werde benötigt, wenn die Biotreppe 2040 mit einem Anteil von 60 Prozent Grüngas endet, wie bisher geplant. Gebäude, Industrie und Verkehr jedoch benötigten bis 2045 mehr Biogas, hier geht man beim Verband von mehr als 200 Terawattstunden pro Jahr aus, man müsste also im Ausland zukaufen und setzt gleichzeitig die Hoffnung auf einen schnellen Hochlauf von Wasserstofftechnologien.
Die Kosten für die Haushalte seien überschaubar, Epico geht von acht bis 24 Euro im Mittel pro Haushalt je nach Biogasanteil bis 2035 aus. Beide Studien sehen die Verfügbarkeit klimaneutraler Gase jedoch als begrenzt an und warnen davor, den Gebäudesektor als alleinigen Zielmarkt zu behandeln. Auch Epico betont, dass Biomethan und Wasserstoff knappe Güter sind und mit Industrie, Verkehr und Energiesystem um dieselben Mengen konkurrieren. Die Quote könne jedoch wirken, wenn sie Teil eines Mixes sei: aus Emissionshandel, insbesondere dem geplanten ETS 2, der auch den Gebäudesektor miteinbezieht, einer voranschreitenden Elektrifizierung und einer Förderpolitik mit klaren Leitplanken. Dazu könnten beispielsweise auch weitere Fördergelder für den Umbau der eigenen Heizung gehören.
Fazit: Die Grüngasquote bremst Deutschland auf dem Weg zu klimafreundlicheren Heizungen, sagen die einen; sie steuert vielmehr Angebot und Nachfrage, die anderen. Die verfügbare Menge könnte die Nachfrage zumindest im Gebäudesektor abdecken, so der Biogasverband. Bedingungen aber auch hier: Planungs- und Investitionssicherheit seien dringend erforderlich. Und hier sei noch einiges zu tun.