Das Schloss Altenstein im Thüringer Wald aus dem 18. Jahrhundert wurde von Herzog Georg II. Ende des 19. Jahrhunderts zur Sommerresidenz umgebaut. Nicht nur das imposante Gebäude ist sehenswert, sondern vor allem auch der umliegende Park.
Im Zentrum des Altensteiner Parks steht das Schloss, das Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen Ende des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz für die Herzöge im Stil englischer Landschlösser umbauen ließ. Geschwungene Giebel, halbrunde Erker, zahlreiche Schornsteine und das moosgrüne Ziegeldach lassen einen erahnen, wie es früher ausgesehen hat. Ein Brand im Jahr 1982 zerstörte das Innere. Jetzt wird das Gebäude Schritt für Schritt wieder aufgebaut. Gut, dass der Herzog, später dann auch Hermann Fürst von Pückler-Muskau, Carl Eduard Petzold und Peter Joseph Lenné, die Crème de la Crème der Gartenarchitekten, eine Vorliebe für einen prächtigen und durchdachten Garten hatten. Sie entwickelten die Idee der Landschaftsgartenkunst weiter. Mit weit geschwungenen Wegen, kunstvoll gesetzten Sichtachsen und dem Zusammenspiel von offenen Wiesen sollte die Natur nicht gezähmt, sondern wie eine komponierte Landschaft erscheinen.
Ein lebendiges Ornament aus Pflanzen
Auf dem Bassin-Rasen wachsen Linden, Zypressen und Walnussbäume und mittendrin erhebt sich ein stiller Riese – ein über 200 Jahre alter Mammutbaum. Mit seinem Stammumfang von 3,70 Metern und einer Höhe von 28 Metern ragt er kraftvoll in den Himmel, seine Krone weit gespannt. Nur wenige Schritte entfernt, nahe Schloss und Wiese, liegt die „Wolkenhecke“. Dicht geschnittene Eiben, fest im Boden verankert, wölben sich in weichen Formen wie grüne Wolken. Ein leises Rascheln geht durch das Geäst, eine Grasmücke huscht hinein, ein Rotkehlchen sucht Schutz zwischen den Zweigen. Vor dem Schloss leuchtet ein großes Teppichbeet. Blattpflanzen wachsen in geschwungenen Linien, Kreisen oder Sternen. Muster, die wie ein gewebter Teppich wirken, werden nach Vorlagen aus Herzogszeiten nachgepflanzt. Die Gärtnermeisterinnen stecken jährlich zuerst die Konturen ab, dann setzen sie in exakten Abständen und abgestimmten Farben Pflanze für Pflanze in die Erde und fügen sie so zu einem lebendigen Ornament mit Tiefe und Struktur. „Diese Pflanzenteppiche waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode“, erklärt Parkverwalter Toni Kepper. Im Frühjahr leuchten die Blüten, doch im Sommer verändert sich das Bild. Dann übernehmen die Blätter die Hauptrolle. Mit feinen Abstufungen und Kontrasten halten sie den Teppich bis in den Herbst hinein lebendig.
Rund um das Schloss spannt sich ein feines Netz aus Wanderwegen. 23 Kilometer lang, mal schmal, mal steil und steinig, doch stets gut begehbar, führen sie durch waldreiche Hügel. Sichtachsen verbinden markante Punkte miteinander. Zu den eindrucksvollsten Inszenierungen zählt eine rund zwölf Meter hohe Felsnadel, gekrönt von einem sechs Tonnen schweren, mit Blumen bepflanzten Steinkorb. Auf dem Hohlen Stein, einem schmalen Plateau in luftiger Höhe, setzt das chinesische Teehäuschen einen exotischen Akzent in der Thüringer Landschaft. Der Parkverwalter führt zu seinem Lieblingsort, der Teufelsbrücke. Zwischen schroffen Felsen und dichtem Wald spannt sie sich über eine Schlucht. Wer die schmalen, leicht schwingenden Bohlen überquert, gelangt auf ein Felsplateau. Ein Hauch von Nervenkitzel liegt in der Luft, wenn man in die Tiefe blickt und das Grün im Werratal bis hin zur Rhön bewundert. Wer den Blick vom satten Grün löst, entdeckt steile, zerklüftete Felswände, in deren Spalten sich Moose und Farne festklammern. Auf vorspringenden Kanten wachsen Birken, deren Blätter im Wind flirren. Dazwischen stehen Kiefern, ihre Kronen schräg in Windrichtung, und Fichten, die dunkel und dicht in die Höhe ragen. Niedrige Sträucher ziehen sich durch die Felsen und nehmen der Landschaft etwas von ihrer Schroffheit. Und irgendwo dazwischen flattert die seltene kleine Mopsfledermaus. Für Toni Kepper ist das nicht nur eine schöne Kulisse. Sein wacher Blick geht ins Tal. Momente wie dieser zeigen ihm, warum sich die Arbeit lohnt. Das Zusammenspiel von Fels, Wald und Klima ist so sensibel und diese Landschaft möchte er langfristig erhalten. „Die klimatischen Veränderungen sind deutlich spürbar“, sagt der studierte Forstwirt. Er ist Herr über die rund 160 Hektar große Anlage, ist täglich vor Ort und kennt ihre Entwicklungen bis ins Detail. Gemeinsam mit seinem Team bringt er Erfahrung und fundiertes Wissen über Pflanzen und Bäume mit. „So ein Park wächst nicht in Jahren. Er entsteht über Generationen“, sagt er. Doch die Bedingungen verändern sich. Längere Trockenphasen setzen den Böden zu, Regenfälle treten oft plötzlich und heftig auf und auch der Wind gewinnt an Schärfe. „Manchmal hat er wenig Respekt vor dem, was hier gewachsen ist“, sagt der 35-jährige Fachmann.
Der Pflegeaufwand ist hoch
Die Arbeit im Park bleibt ein ständiges Abwägen: Was ist notwendig und was ist möglich? Mit verschiedenen Maßnahmen versucht das Team gegenzusteuern. Regenwasserzisternen, automatische Bewässerungssysteme und technische Lösungen wie eine windabhängig gesteuerte Fontäne helfen, Wasser gezielter einzusetzen. Auch bei den Gehölzen wird langfristig gedacht. „Die Gehölze und Pflanzen, die wir hier im Park selbst heranziehen, kommen mit den Bedingungen einfach besser zurecht“, sagt Kepper. Man glaubt dem energischen Mann aufs Wort, wenn er sagt: „Ich lasse der Natur gern ihren wilden, freien Lauf. Doch wir stoßen an Grenzen.“ Der Pflegeaufwand ist hoch, das Team ist klein. Die stark schwankenden Wetterlagen lassen sich nicht steuern, nur ihre Folgen abmildern. Nicht jede klimatisch sinnvolle Anpassung ist möglich, wenn sie das historische Erscheinungsbild des Landschaftsparks verändern würde. Altenstein ist kein statisches Denkmal, sondern ein lebendiger Ort, der sich ständig neu austariert. Hier wird sichtbar, wie eng Natur und Gestaltung, Vergangenheit und Zukunft miteinander verwoben sind. „Es geht darum, die Schönheit zu bewahren und sie weiterzugeben“, sagt Toni Kepper. Denn der wichtigste Gestalter bleibt die Natur.