Ein Ruck muss durch Deutschland gehen – noch einer!
Durch Deutschland müsse ein Ruck gehen. Und „wir müssen Abschied nehmen von liebgewordenen Besitzständen“. Sinngemäß kam dieses Thema in allen Weihnachts- und Neujahrsansprachen der führenden staatlichen Funktionsträger der Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck – im Bund wie im Land. Gesagt wurden diese Sätze aber bereits im April 1997 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog. In Berlin bei der Wiedereröffnung des Hotels Adlon –
Herzogs berühmte Ruck-Rede. Heute erleben wir die sinngemäße Wiederholung auf allen politischen Kanälen. Hat Deutschland damals nicht richtig hingehört und in der Zwischenzeit etwas verpasst?
Nein, in den knapp 30 Jahren seit Herzogs Ruck-Rede ist in Deutschland viel passiert. Es hat seither kein Stillstand geherrscht und die Bevölkerung auch nicht chillend auf der Insel der Seligen gelebt! Im Gegenteil: Die marode DDR, Heimat von 17 Millionen Neu-Bundesbürgern, wurde erfolgreich aufgebaut und – soweit möglich – auf West-Niveau gebracht; die Bevölkerung in Deutschland Ost und Deutschland West unter größten materiellen wie immateriellen Anstrengungen aller Beteiligten zu einem Ganzen vereinigt.
Daneben hat Deutschland als Exportweltmeister die Welt-Verschuldungskrise erfolgreich „abgewettert“, und 15 Jahre später aus humanitären Gründen mehr als zwei Millionen Flüchtlinge – teils mit völlig konträrem kulturellem Hintergrund – aufgenommen, versorgt und versucht, diese so weit wie möglich zu integrieren.
Viele Reformen im Inneren blieben dabei allerdings auf der Strecke. Denn all diesen bestandenen Herausforderungen in Politik und Gesellschaft zum Trotz stehen Wirtschaft und Gesellschaft zu Jahresbeginn 2026 wieder an einem Wendepunkt. So wie bisher geht es nicht weiter. Veränderungen und Anpassungen in der deutschen Wirtschaft und im Inneren des Gemeinwesens – sprich Reformen –
müssen her. Diese Botschaft lässt sich aus allen politischen Ansprachen zum Jahreswechsel und aus jedem dem Ganzen wohlwollend zugeneigten medialen Kommentar heraushören und -lesen.
Doch was macht Reformen und mutige politische Entscheidungen, die der Bevölkerung auch Opfer abverlangen werden, so dringend und drängend? Am Anfang steht die Wirtschaft, denn „an der Wirtschaft hängt’s, zur Wirtschaft drängt’s!“ Die Wirtschaft, Jahrzehnte Wohlstandsgenerator, sieht sich plötzlich und unerwartet vor bisher nie gekannte Probleme gestellt; sie ist strukturell angeschlagen. Und auch in der Gesellschaft tauchen Herausforderungen auf, vor denen Experten schon lange gewarnt haben, die aber von der Politik immer wieder verdrängt und finanziell zugekleistert wurden.
Das funktioniert nicht mehr, die Kassen sind leer, die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Früher war es immer eine „rote“ Regierung, die den Karren wieder flottmachen musste, diesmal ist es eine schwarze. Seit Corona und Ukraine-Krieg wächst die deutsche Wirtschaft nicht mehr, andere Volkswirtschaften konnten in der Zwischenzeit bis zu zehn Prozent zulegen. Der Haupt-Wachstumsträger Export, tragende Säulen der Industrie wie Automobil-Industrie, Maschinenbau und Chemie, sind unter der Last der chinesischen Konkurrenz und der heimischen „grünen“ Transformationspolitik ins Wanken geraten. Landauf, landab schreiben die Unternehmen quer durch alle Größen Verluste und bauen Beschäftigte ab.
Die Welt ist im Wandel, Deutschland ist stehen geblieben. China wird Haupt-Konkurrent, erobert den Weltmarkt und fällt als Absatzmarkt aus. Die USA schotten sich durch hohe Zölle ab. Hinzu kommen hausgemachte Fehlentwicklungen wie die grüne Hochkosten-Energiepolitik, die überbordende Sozialpolitik und eine lähmende Bürokratie. Gleichzeitig stoßen die Systeme der sozialen Sicherung aufgrund der demografischen wie wirtschaftlichen Entwicklung an Grenzen der Finanzierbarkeit und müssen neu aufgesetzt werden.
Aber wie sag ich’s meinem Kinde? Ein Zeitalter geht zu Ende. Das Motto: „Von der Wiege bis zur Bahre bringt der Staat Dich durch die Jahre!“ trägt nicht mehr. Höchste Zeit, dass ein Ruck durch Deutschland geht. Diesmal ein echter!