Im mittleren und höheren Alter haben Männer in Sachen Schnarchen noch klar die Nase vorn. Aber danach holen die Frauen kräftig auf, wodurch das Klischee, dass das Sägen ein typisches Phänomen der Herren der Schöpfung ist, klar in Frage gestellt wird.
Das Klischee, dass Schnarchen ein typisch männliches Phänomen darstellt und auch von den Herren der Schöpfung selbst bislang kaum infrage gestellt wird, scheint in Stein gemeißelt zu sein. Schließlich gibt es diverse wissenschaftliche Studien meist älteren Datums, aus denen abgeleitet werden konnte, dass etwa doppelt so viele Männer wie Frauen Bettgeräusche verursachen, die den geruhsamen Schlaf des Partners erheblich beeinträchtigen können. Wobei der erhebliche Schwachpunkt dieser Studien darin bestanden hatte, dass ihre Erkenntnisse sich hauptsächlich auf durch Umfragen erhobene, rein subjektive Selbsteinschätzungen der Teilnehmer gestützt hatten. Von denen viele, vor allem Frauen, entweder gar nicht gewusst hatten, dass sie selbst auch zu den Schnarchern gehörten, oder ganz bewusst die unangenehme Wahrheit verschwiegen hatten. In populären Veröffentlichungen wird häufig ohne Quellenangaben bekundet, dass 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen schnarchen, wobei immerhin zuweilen der Hinweis zu finden ist, dass sich diese statistischen Zahlen auf das fortgeschrittene Alter beziehen und die Frauen ihren anteilmäßigen Rückstand in Sachen Schnarchen nach der Menopause deutlich zu reduzieren pflegen. „Das Auftreten des Schnarchens ist alters- und geschlechtsabhängig“, so nachzulesen im „Patientenratgeber“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM), der bedeutendsten schlafmedizinischen Fachgesellschaft Europas. „Die höchste Verbreitung des Schnarchens“, heißt es weiter, „findet sich bei Männern im mittleren bis höheren Lebensalter. Die Angaben zur Häufigkeit des Schnarchens schwanken in dieser Gruppe zwischen 20 Prozent und 50 Prozent. Entgegen der allgemeinen Annahme ist die Häufigkeit bei den Frauen im entsprechenden Alter mit bis zu 25 Prozent nicht unerheblich, wenn auch, zumindest vor den Wechseljahren, deutlich geringer als bei den Männern.“ Aber generell sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Schnarchen ein noch relativ unerforschtes Gebiet, dem erst in den letzten Jahren verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Schnarch-Lautstärken-Rekord
Lange hielt der seinerzeit 44-jährige Schwede Kåre Walkert den am 24. Mai 1993 in einem Krankenhaus von Örebro gemessenen Rekord mit einer Lautstärke von 93 Dezibel. Was in etwa dem Lärm eines Presslufthammers entspricht. Und damit gleichsam außerirdisch weit von dem säuselnd-leisen, dem Ticken einer Uhr vergleichbaren und damit leicht von einem Partner tolerierbaren Schnarchpegel von 20 Dezibel entfernt war.
Anatomische Besonderheiten
Männer haben in der Regel größere Atemwege, mehr Weichgewebe im Hals und einen dickeren Gaumen als Frauen, was die Wahrscheinlichkeit einer Vibration durch die durchfließende Atemluft während des Schlafs erhöht. Zusätzlich neigen Männer zur Fettansammlung im Halsbereich, was einen zusätzlichen Druck auf die Atemwege und damit eine Förderung der Schnarchentwicklung zur Folge haben kann.
Schnarchen und Hormone
Das primäre männliche Hormon Testosteron scheint eine wichtige Rolle beim Schnarchen zu spielen, weil es zu einer erhöhten Entspannung der Muskeln im Hals beiträgt. Und damit speziell die Fähigkeit der oberen Atemwegsmuskeln reduziert, während des Schlafs fest zu bleiben, was zu einer teilweisen Obstruktion der Atemwege und daraus resultierend zum Schnarchen führen kann. „Je mehr Testosteron im Körper, desto häufiger wird man zum Schnarcher“, so das ARD-Wissensmagazin quarks.de.
Schnarchen-fördernde Faktoren
Durch den mit fortschreitendem Alter verbundenen Verlust des Muskeltonus gelingt es den rund um den Hals ansässigen Muskeln immer seltener, die Atemwege während des Schlafs gänzlich offenzuhalten. Wodurch eine Atemwegsobstruktion und damit eine Erhöhung der Schnarchintensität wahrscheinlicher wird. Auch die mit dem Alterungsprozess häufig verbundene Gewichtszunahme, insbesondere um Hals und Brust, kann wegen der daraus resultierenden Komprimierung der Atemwege das Schnarchen fördern. Wobei Übergewicht einer der wesentlichen Risikofaktoren für Schnarchen ist, der sich gezielt und auch erfolgreich durch Abnehmen beheben lässt. Ein massiger Körper hat es ohnehin schon schwer, genug Luft zu bewegen. Aber dazu kommt, dass sich Fett auch verstärkt im Rachenraum anlagern und damit die Atemwege verengen kann. Sogar schon eine vergleichsweise geringe Gewichtsreduktion kann die Menge an Fettgewebe verringern, die gegen die Atemwege drückt, und eine leichtere Atmung während des Schlafs ermöglichen. Auch das Schlafmuster verändert sich im Laufe des Lebens. Tiefere und längere Schlafphasen können bei älteren Männern dazu führen, dass sich die Muskeln rund um Hals und Atemwege noch mehr als üblich entspannen, was eine verstärkte Obstruktion der Atemwege und ein lauteres Schnarchen zur Folge haben kann. Auch eine Reduzierung des bei Männern häufig anzutreffenden vermehrten Alkoholkonsums kann zu einer Milderung der Schnarchgeräusche beitragen. Weil Alkohol, vor allem wenn er unmittelbar vor dem Zubettgehen konsumiert wird, ähnlich wie Beruhigungs- oder Schlafmedikamente, zur Entspannung der Muskeln rund um den Hals beiträgt und so dem Schnarchen Vorschub leistet. Auch die Einlagerung von Wasser im Gewebe als Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird als Risikofaktor für das Schnarchen angesehen. Das Rauchen nicht zu vergessen, weil dieses durch Entzündungen und Verengungen der Atemwege das Schnarchen befördern kann. Auch eine Erkältung oder Allergien wie Heuschnupfen können wegen der damit verbundenen Verstopfung der Nase das Schnarchen kurzfristig verstärken. Bei dauerhaft verstopfter Nase, beispielsweise beim Vorliegen einer chronischen Nebenhöhlenentzündung oder einer Schiefstellung der Nasenscheidewand, kann sich das Schnarchen dann aber zu einem Dauerzustand entwickeln.
Schnarchen und Alter
Obwohl die Muskeln und das Bindegewebe im Laufe des menschlichen Lebens an Elastizität verlieren, was das schnarchende Konzert im Rachen befördern kann, gibt es laut dem ARD-Wissensmagazin quarks.de keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Schnarchen und Alter im Sinne von: Je älter wir werden, desto mehr schnarchen wir. „Viele schnarchen aber auch schon in jungen Jahren, Studien zufolge bis zu 30 Prozent. Und ganz linear ist der Zusammenhang zwischen Schnarchen und dem Alter nicht. Zwar steigt die Anzahl der Schnarcher bis zu einem Alter von 50 bis 59 Jahren an, danach nimmt sie aber wieder ab“, so quarks.de.