In Deutschland herrscht Pflegenotstand: Es gibt nicht genügend Pflegeeinrichtungen, insbesondere auf dem Land. Welche Lösungsansätze dazu ausgerechnet aus der privaten Wirtschaft kommen und was das mit privaten Anlegern zu tun hat.
Während Deutschlands Gesellschaft immer weiter altert, wächst der Druck auf das Pflegesystem von Jahr zu Jahr. Schon heute geraten viele Regionen an ihre Kapazitätsgrenzen, Wartelisten werden länger, und bereits bestehende Pflegeeinrichtungen in Ballungsgebieten können den steigenden Bedarf kaum noch auffangen. Studien zeigen deutlich: Bis 2040 werden bundesweit mindestens 3.000 neue Pflegeeinrichtungen benötigt. Das bedeutet, dass jährlich rund 20.000 neue Pflegeplätze entstehen müssten, um alle pflegebedürftigen Menschen angemessen versorgen zu können.
Doch der Ausbau stockt, während der Pflegenotstand weiter voranschreitet – und damit die soziale Infrastruktur vor eine der größten Herausforderungen unserer Zeit stellt.
Umso bedeutender ist, dass starke Akteure der Pflegebranche bereits heute Verantwortung übernehmen.
Den Pflegenotstand auf dem Land bekämpfen
Der Projektentwickler exsos aus dem thüringischen Erfurt hat bereits vor über 38 Jahren die Herausforderung angenommen, den Pflegenotstand auf dem Land zu bekämpfen. So wurde ein Gebäudetyp entwickelt, der in standardisierter Holzbauweise besonders geeignet ist, älteren pflegebedürftigen Menschen auf dem Land ein Zuhause zu bieten. Dazu Geschäftsführer Thoralf Bäring: „Es ist uns gelungen, mit dem Gebäudetyp ‚exsos 55‘ ein nachhaltiges Gebäude zu entwerfen, das 55 Bewohnern den Rahmen für einen angenehmen Lebensabend in der Heimat schafft – und Mitarbeitern den perfekten Arbeitsplatz.“
Besonders in Thüringen ist das Gebäude regional stark etabliert: Elf Häuser sind dort bereits entstanden und erfolgreich in Betrieb, weitere befinden sich im Bau und in Planung – ein wichtiger Beitrag zur wohnortnahen Pflege im ländlichen Raum.
Doch kein Haus dieser Welt kann ein gutes Zuhause für pflegebedürftige Menschen sein, wenn es nicht jemanden gibt, der als Betreiber für professionelle Pflege und Belegung sorgt: Die Victor’s Group zählt mit etwa 18.500 Pflegeplätzen in rund 140 Seniorenresidenzen zu einem der größten deutschen Betreiber von Pflegeeinrichtungen und bietet darüber hinaus auch über 4.000 Seniorinnen und Senioren im Betreuten Wohnen ein Leben in Selbstständigkeit und Sicherheit.
Die jüngste Marke, „Landhaus Seniorenwohngemeinschaften“, entstand 2022 aus den gemeinsamen Interessen, die exsos und Victor’s verbinden: der Blick auf pflegebedürftige Menschen auf dem Land. „Wir möchten, dass Menschen, auch wenn sie pflegebedürftig werden, in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können und nicht in ein Pflegeheim in der nächsten Großstadt umziehen müssen“, sagt Chantal Ostermann, Geschäftsleitung der Victor’s Group. „Wir sind sehr froh, dass wir mit exsos einen Partner gefunden haben, der die gleichen Ziele wie wir verfolgt. Gemeinsam können wir viel erreichen.“
So wurde im selben Jahr im Thüringer Ort Berlstedt die erste Landhaus Seniorenwohngemeinschaft eröffnet. Von hier folgten weitere Standorte und der Ausbau von Pflegeplätzen auf dem Land. Daran wird konsequent weitergearbeitet: „Mein persönliches Ziel ist es, dass wir in etwa zehn Jahren die Eröffnung unseres hundertsten Landhauses feiern können“, betont Ostermann – ein klares Bekenntnis zu regionaler Versorgung und moderner Pflegearchitektur.
Ohne Mitarbeiter geht es nicht
Es geht nicht nur um die Gebäude, es geht auch um den Garanten für den Betrieb: die passenden Mitarbeiter. Wie soll es auch in Zukunft gelingen, Fachkräfte für die steigende Zahl Pflegebedürftiger zu gewinnen? Hier scheinen diejenigen Pflegeheimbetreiber Vorteile zu haben, die selbst ausbilden, die Arbeitsplätze vorhalten, die sich angenehm von denen der Mitbewerber absetzen. In den kleinen, familiären Einrichtungen mit modernster Pflegesoftware und -ausstattung und in Wohnortnähe mag die Arbeit für den ein oder anderen angenehmer sein als in den großen Altenheimen der Ballungsgebiete.
Nach eigenen Angaben ist es der Victor’s Group bisher an allen Landhaus-Standorten gelungen, genügend Mitarbeiter zu finden. Diese kämen aus einem Umkreis von maximal 15 Kilometern, teilt Ostermann mit.
Expansion, auch ins Saarland
Weitere Landhaus-Standorte sind in den kommenden Jahren im Saarland, Baden-Württemberg und in Rheinland-Pfalz geplant. Im nordsaarländischen Tholey hat jüngst der Spatenstich für das „Landhaus Quartier Schaumberg“ stattgefunden.
Am Fuße des Schaumbergs entsteht ein weiterer Ort gelebter Gemeinschaft – mitten im Herzen des Saarlands, geprägt von reizvoller Landschaft, der traditionsreichen Benediktinerabtei St. Mauritius, einer für Senioren geeigneten Infrastruktur und einem lebendigen Gemeindeleben. Ein Umfeld, das den Projektentwicklern und Betreibern wie geschaffen schien für das Landhaus-Konzept.
Die Expansion umfasst nicht nur neue Standorte, sondern auch eine Weiterentwicklung der Gebäude und Konzepte. So entstehen seit Neustem an einigen Standorten separate Gebäude mit Betreutem Wohnen. Auch in Tholey wird es neben der stationären Pflege ergänzend Apartments für Betreutes Wohnen geben.
Sehr viele ländliche Standorte sind wie gemacht für die Idee der kleinen, nachhaltigen Seniorenwohneinrichtungen. Es gibt also noch viel zu tun für die Beteiligten in den nächsten Jahren.
Investieren in die Pflege
„Den Pflegenotstand auf dem Land zu bekämpfen, gelingt besser, wenn viele mitmachen“, sagt exsos-Geschäftsführer Thoralf Bäring. „Uns ist wichtig, dass neben dem Bauträger und dem Betreiber auch Investoren gefunden werden, die an einer verantwortungsvollen und zur Vorsorge geeigneten Anlage interessiert sind.“
Es sei an verschiedenen Standorten möglich, zu investieren. So auch am Standort in Tholey. Für private Investoren bedeute dies, dass in ihrer Region ein Vorsorge-Investment in Pflegewohneigentum möglich werde. Das Investment beinhalte auch ein bevorzugtes Belegungsrecht für Familienangehörige an über 140 Standorten der Victor’s Group in Deutschland. In allen Finanzierungsfragen stehe die PSD Bank beratend zur Seite, erklärt Bäring.
Zuhause in der Pflege können demnach nicht nur Bauträger, Betreiber und Bewohner sein, sondern bald auch Investoren.