Die 2. Fußball-Bundesliga wurde in dieser Hinrunde kräftig durcheinandergewirbelt. Aktuell schielen sieben Clubs auf den Aufstieg, der Rest muss sich absichern.
Der letztjährige Abstiegskandidat FC Schalke 04 ist Herbstmeister, die im Vorjahr knapp am Aufstieg gescheiterten Clubs aus Düsseldorf und Magdeburg stecken tief im Tabellenkeller. Derweil stehen Elversberg und Paderborn trotz Umbrüchen und des Verlusts der langjährigen Erfolgstrainer wieder oben. Setzt sich dieser Trend fort oder relativiert sich das alles in der Rückrunde der 2. Fußball-Bundesliga? Wir wagen eine Prognose:
FC Schalke 04
Vor der Saison stellten sich alle auf Abstiegskampf ein. Doch Manager Frank Baumann und Trainer Miron Muslic formten eine superstabile Truppe. Die zwar weniger Treffer erzielt hat als die Teams aus den Abstiegsplätzen, aber zehn Gegentore in 17 Spielen stehen für ein echtes Bollwerk.
Prognose: Der Aufstieg wird alles andere als ein Selbstläufer. Aber bleibt Schalke so stabil, kann es mit der Euphorie im Umfeld klappen.
SV Elversberg
Mit Asllani, Damar, Baum, Sahin, Fellhauer oder Neubauer verlor die SVE eine komplette Achse, dazu in Horst Steffen den Coach, der die Saarländer von der 4. Liga fast in die 1. Liga führte. Doch Manager Ole Book hatte wieder den richtigen Riecher und Trainer Vincent Wagner schlug großartig ein. Der Verkauf von Younes Ebnoutalib bringt viel Geld, doch die Frage ist: Hat die SVE damit ihre Aufstiegschance verkauft?
Prognose: Elversberg bleibt ganz oben dabei. Weiter als Außenseiter. Doch in dieser Rolle fühlt sich die SVE ja seit Jahren wohl.
SV Darmstadt 98
Die Lilien hatte vor der Saison kaum jemand auf der Aufstiegsrechnung. Doch Trainer Florian Kohfeldt rehabilitiert sich bei den Südhessen nachhaltig, die Offensive ist gut, und nur zwei Niederlagen zeigen, wie stabil Darmstadt ist. Zudem sind die Lilien das beste Heimteam.
Prognose: Darmstadt bleibt bis zum Schluss ganz oben dran.
SC Paderborn
Der Trainer ging in die Bundesliga, der Sportchef und zwei Spieler auch. Der ganze Club folgt vielleicht bald. Coach Ralf Kettemann liefert, der neue Geschäftsführer Sebastian Lange hat schon wieder die besten Spieler der 3. Liga an der Angel. Drei Niederlagen gegen drei Top-Teams in Folge zeigten aber auch die Grenzen der Ostwestfalen auf.
Prognose: Das beste Auswärtsteam der Liga wird sich nicht abschütteln lassen, ist aber kein Favorit auf den Aufstieg.
Hannover 96
39 Transfer-Bewegungen und ein Trainer-Wechsel im Sommer deuteten auf einen langen Findungsprozess hin. Dann gewann 96 plötzlich die ersten vier Spiele. In einer Tabelle ab dem fünften Spieltag ist Hannover aber nur Neunter, verlor allein dreimal zu Hause, verschenkte oft Punkte in der Nachspielzeit. Und dann ging mit Marcus Mann auch noch der Baumeister nach Salzburg. Mit Jörg Schmadtke wurde aber direkt ein namhafter Nachfolger gefunden.
Prognose: Findet sich Hannover endgültig und wird stabil, sind die Niedersachsen einer der ganz großen Favoriten.
Hertha BSC
Die Berliner galten vor der Saison als der große Favorit, legten aber mit zwei Punkten aus den ersten vier Spielen einen Fehlstart hin. Dann kamen sie ins Rollen, gewannen fünfmal hintereinander ohne Gegentor. Drei Spiele ohne Sieg zum Jahresende zeigten, dass das Gebilde immer noch fragil ist. Die heftigste Bilanz: In neun Heimspielen schoss Berlin nur sieben Tore.
Prognose: Die Hertha hat die beste Mannschaft. Aber sechs Punkte müssen erst mal aufgeholt werden. Dass der Traum vom Pokalfinale lebt wie ewig nicht, kann ablenken oder beflügeln.
1. FC Kaiserslautern
Eine Entwicklung am Betzenberg ist weiter zu sehen, doch manchen geht sie nicht schnell genug. Weshalb latent Unruhe herrscht. Doch auf dem Betze ist der FCK schon wieder eine Macht, auch Schalke und Darmstadt verloren hier. Vier Auswärtsniederlagen trüben die Bilanz.
Prognose: Lautern beginnt 2026 gegen Hannover, Schalke, Elversberg und Darmstadt. Ist der Aufstieg danach noch eine realistische Option, bleibt das so bis zum Saisonende.
1. FC Nürnberg
Wie in seiner ersten Saison geriet WM-Rekordschütze Miroslav Klose auch in seiner zweiten Spielzeit in die Kritik. Nach fünf Spielen war der Club mit einem Punkt Letzter. Wie im letzten Jahr bekam Klose mit sechs Siegen in den zwölf Spielen danach die Kurve.
Prognose: Der Club spielt normal immer ganz oben oder unten mit. In diesem Jahr wird der klassische Mittelfeld-Club zwischen Platz sieben und zehn landen.
Karlsruher SC
Viele denken immer noch, dass der KSC mit Budu Zivzivadse im vergangenen Winter den Aufstieg verkaufte. Christian Eichner, mit fast sechs Jahren Amtszeit der dienstälteste Coach der Liga, legte aber wieder einen Blitzstart hin, war nach fünf Spielen Zweiter. Dann kam im Umfeld Unruhe auf, die in fünf Niederlagen in Folge gipfelte.
Prognose: Eigentlich ist der KSC zu stark, um noch in den Abstiegskampf zu geraten. Das Pulverfass im Umfeld ist aber hochgefährlich.
VfL Bochum
Der direkte Wiederaufstieg war das nicht ausgesprochene, aber doch erkennbare Ziel des VfL. Doch Trainer Dieter Hecking musste nach vier Niederlagen in fünf Spielen schnell gehen. Nachfolger Uwe Rösler lieferte schnell, in der „Rösler-Tabelle“ ist der VfL Zweiter.
Prognose: Der VfL wird noch den ein oder anderen Platz gutmachen. Der Rückstand von 13 Punkten auf einen direkten Aufstiegsplatz ist aber wohl eine zu große Hypothek.
Holstein Kiel
Es schien, als seien die Störche erhobenen Hauptes aus ihrem ersten Bundesliga-Jahr in die Zweitklassigkeit zurückgekehrt. Doch die Akklimatisierung fiel schwer. Mit nur drei Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 geht Kiel in die Winterpause. Drei Spiele ohne Niederlage zum Abschluss gegen drei dahinterstehende Teams verhinderten Schlimmeres. Das Erreichen des Pokal-Viertelfinals ist ein Trost.
Prognose: Kiel muss sich schnell in Sicherheit bringen, um den Pokal genießen zu können. Ein Abstieg wäre aber eine Überraschung.
Preußen Münster
Die Preußen hatten die größte Verletzungs-Seuche der Liga. Zwischenzeitlich fehlten bis zu elf Spieler gleichzeitig. Doch unter Trainer Alex Ende spielt Münster ansehnlichen Fußball. Und ist stabil, wie die späten Punkt-Gewinne gegen die Spitzen-Teams Hannover und Elversberg in den letzten beiden Heimspielen zeigen.
Prognose: Mit entspannter Personal-Situation sollten sich die Westfalen sicher retten können.
Eintracht Braunschweig
Die Niedersachsen begannen und endeten mit zwei Siegen. Dazwischen war die Situation aber hochbrisant. Trainer Heiner Backhaus, zu Saisonbeginn gefeiert, wurde vielerorts schon angezählt. Der starke Schlussspurt stärkte ihn und die Mannschaft erst mal.
Prognose: Die Chance, mit Duellen gegen vier Konkurrenten zu beginnen, sollte Braunschweig nutzen, um sich weiter Luft nach unten zu schaffen. Ansonsten wird es mit dem Klassenerhalt ganz eng werden.
Arminia Bielefeld
Im ersten Halbjahr 2025 schwebte die Arminia mit Aufstieg und Pokalsieg auf einer Wolke. Diese Euphorie nahmen die Ostwestfalen zunächst mit. Doch dann kam der Alltag. Fünf Spiele ohne Sieg zum Abschluss lassen die Alarmglocken läuten. Der späte Ausgleich im letzten Spiel in Berlin gab aber doch noch ein gutes Gefühl.
Prognose: Nur wenn die Arminia die Offensivstärke behält und die Auswärtsschwäche behebt, wird sie die Klasse halten können.
1. FC Magdeburg
Nach viereinhalb Jahren unter Christian Titz sollte der neue Coach Markus Fiedler den FCM neu für die Zukunft aufstellen. Nach unglaublich viel Pech und sechs Niederlagen aus sieben Spielen folgte aber schon Routinier Petrik Sander. Und holte mit Konzentration auf alte, einfache Muster zumindest Punkte.
Prognose: Eigentlich ist Magdeburg zu gut für den Abstieg, hätte jetzt schon viel mehr Zähler haben müssen. Aber genau dieses Bewusstsein ist trügerisch und gefährlich.
Fortuna Düsseldorf
Unter Daniel Thioune belegte Düsseldorf zuletzt die Plätze sechs, drei und vier. Gut, aber nicht gut genug für den Aufstieg. Auf Rang 13 musste Thioune nun nach acht Spielen gehen. Unter Markus Anfang wurde es aber zunächst noch viel schlimmer. Auch Sportvorstand Klaus Allofs und Sportdirektor Christian Weber wurden abberufen, die Fortuna überwintert auf dem Relegationsplatz.
Prognose: Von allen Teams im Keller hat die Fortuna das größte Potenzial. Doch die Entscheidung, mit Anfang weiterzumachen, ist umstritten.
SpVgg Greuther Fürth
70 Tore in nur 17 Spielen – wenn Fürth auf dem Platz stand, war immer was los. Die 44 Gegentore sind jedoch desaströs. So wurde Trainer Thomas Kleine durch Heiko Vogel ersetzt. Doch auch der ist nach drei Spielen noch ohne Sieg.
Prognose: Fürth ist trotz der guten Offensive Abstiegs-Kandidat Nummer eins.
Dynamo Dresden
Der Transfersommer nach dem Aufstieg verlief unbefriedigend, Sportchef Thomas Brendel musste deshalb gehen. Nachfolger Sören Gonther und Trainer Thomas Stamm versuchen nun zu retten, was zu retten ist. Schwierig auch: Zu Hause hat Dresden schwere Beine, trotz der tollen Stimmung hat Dynamo die schlechteste Heimbilanz.
Prognose: Sitzen die Winter-Transfers und wird das Heim-Trauma beendet, kann sich Dynamo irgendwie retten.