Auch wenn es den meisten Paaren nicht leichtfallen dürfte, wird der nächtliche Verzicht auf die gewohnte Zweisamkeit im gemeinsamen Ehebett meist die einzige sinnvolle Maßnahme hin zur Wiederherstellung eines geruhsamen Schlafs ohne Schnarchstörungen darstellen.
Es zählt nicht unbedingt zu den gesellschaftlichen Tabuthemen. Aber an die große Glocke wird es auch nicht gehängt. Weil getrennte Schlafzimmer fälschlicherweise häufig mit Problemen in einer Paar-Beziehung assoziiert werden. Dabei kann es für die Entscheidung zum bewussten und meist auch seelisch schmerzhaft getroffenen Verzicht auf den anschmiegsamen Körperkontakt im gemeinsamen Bett auch einen gänzlich anderen, völlig einleuchtenden Grund geben. Das allnächtliche Schnarch-Konzert kann eine enorme Belastung oder auch eine schwierige Bewährungsprobe für eine Beziehung darstellen, die nicht zu unterschätzen ist. Und darum ist der Umzug von einem der beiden Partner in ein separates Schlafgemach häufig die einzige sinnvolle Lösung aus diesem zwischenmenschlichen Dilemma.
Leicht fällt dieser Schritt vermutlich den wenigsten. Weil das gemeinsame Einschlafen und morgendliche Erwachen mit dem Partner an der Seite einfach zu den schönen Dingen des Lebens gehört. Die Ausschüttung des sogenannten Kuschelhormons namens Oxytocin vollzieht sich vor allem während der mit Träumen verbundenen REM-Schlafphase und kann durch den vertrauten Körperkontakt enorm befördert werden. Der im Hypothalamus produzierte Botenstoff kann nicht nur das persönliche Wohlgefühl steigern, sondern Oxytocin wird sogar als Bindungs- oder auch als Treuehormon bezeichnet. „Das ist wahrscheinlich der Grund, warum Frauen, obwohl sie objektiv schlechter schlafen, dennoch das Schnarchen aushalten und gemeinsam im Bett schlafen wollen“, so die international renommierte Schlafexpertin Prof. Kneginja Richter, Chefärztin der CuraMed-Tagesklinik in Nürnberg, Dozentin an der Technischen Hochschule Nürnberg und Sprecherin des wissenschaftlichen Komitees der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM).
Schlafqualität im Fokus
Generell scheint das Thema der getrennten Schlafzimmer hierzulande beiläufig in Gesprächen im engeren Verwandten- oder Freundeskreis zur Sprache zu kommen. Beispielsweise bei der plötzlichen Anschaffung eines neuen Bettes, dessen Format für zwei Personen deutlich zu klein ist. So hat auch der Autor dieses Beitrages rein zufällig erfahren, dass seine beiden verschwägerten Familien die Nächte ebenfalls wegen der Sägegeräusche langst in separaten Zimmern verbringen. Daraus wiederum hat sich eine gewisse Beruhigung oder Besänftigung des eigentlich grundlos schlechten Gewissens ergeben. Der Prozess rund um den Abschied von der gemeinsamen Schlafstätte kann psychologisch schon etwas an einem nagen. Zur weiteren Besänftigung des eigenen Seelenzustandes können fraglos diverse Studien beitragen, aus denen abgeleitet werden kann, dass man mit dem Problemfeld getrennter Schlafzimmer beileibe nicht alleine dasteht. Auch wenn die aktuellen Zahlen bezüglich der Häufigkeit des unliebsamen Phänomens in deutschen Landen mit Vorsicht zu genießen sind, nicht nur weil sie teils drastisch weit auseinander liegen, sondern weil die Basis für ihre Erhebung meist auf Selbstauskünften der Befragten und nur selten auf (kostspielig-aufwendigen) wissenschaftlich fundierten Werten von Schlaflaboren beruhen.
Vor allem die im Auftrag der Krankenkasse Pronova BKK erstellte „Schlafstudie 2024“ wird in den hiesigen Medien immer wieder zitiert. In den Monaten September und Oktober 2024 wurden 2.000 Männer und Frauen ab 18 Jahren online befragt. Demnach schliefen 28 Prozent der Befragten in getrennten Zimmern, zusätzliche 22 Prozent der Befragten hatten angegeben, dass sie nächtens häufig die Flucht von der gemeinsamen Matratze antreten, weil sie sich von ihrem Partner im Schlaf gestört fühlten. 34 Prozent der Befragten gaben an, dass sie ohne Partner im Bett besser schlafen könnten. Vor allem Frauen waren dieser Meinung, 39 Prozent stuften die Solo-Schlafqualität als höher ein, während dies nur 29 Prozent der Männer so empfunden hatten. Selbst unter den Paaren, die sich noch das Bett geteilt hatten, gaben 19 Prozent der Befragten an, dass sie lieber getrennt schlafen würden, sich aber nicht trauten, dieses heikle Thema dem Partner gegenüber anzusprechen. „Manche Paare entscheiden sich für getrennte Schlafzimmer, um die Schlafqualität zu verbessern. Wichtig ist, eine Lösung zu finden, mit der beide zufrieden sind“, so die Pronova BKK. Das Schnarchen stellt laut der Studie den mit Abstand größten Störfaktor dar. In fast jeder zweiten Partnerschaft, genauer gesagt bei 46 Prozent, schnarcht einer der beiden Protagonisten, wobei 30 Prozent der befragten Frauen dies als eine sehr große Belastung für ihre Beziehung bezeichnen, während nur 18 Prozent der Männer dies genauso dramatisch einstufen.
Vernunft siegt über Scham
Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag des kieferorthopädischen Fachlabors Orthos unter deutschen Bürgern im Alter zwischen 16 und 76 Jahren im Juli 2021 hatte noch deutlich höhere Zahlen bezüglich der Nachtruhestörer ergeben. Demnach geht es in den meisten deutschen Schlafzimmern wenig geruhsam zu: weil angeblich 66 Prozent der Menschen in Deutschland schnarchen oder zumindest Partner haben, die die Säge anschmeißen. Und für stolze 69 Prozent aller in Partnerschaft lebenden Bundesbürger ist das Schnarchen der ausschlaggebende Grund für getrennte Betten. Die Verbreitung des Schnarchens nimmt laut dem Orthos-Schlafreport mit steigendem Alter zu. Aber wohlgemerkt, dabei handelt es sich um wenig verlässliche Selbstauskünfte, deren Wahrheitsgehalt durch die noch vergleichsweise wenigen Studien auf Basis von Messungen im Schlaflaboren infrage gestellt werden konnten. Was auch für das scheinbar unausrottbare Klischee gilt, dass Männer deutlich häufiger und lauter schnarchen als Frauen.
Im Labor konnte dieses Geschlechterverhältnis der Schnarchenden schon öfter widerlegt werden. Demnach schnarchen laut neuester Forschungsergebnisse „Frauen fast genauso häufig und auch genauso laut wie Männer“, so das ARD-Wissenschaftsmagazin quarks.de.
Allerdings dürfte hierzulande kaum jemand diese Tatsache zur Kenntnis genommen haben. Und als bloße Erkenntnis dürfte sie auch kaum dazu beitragen, das allnächtliche partnerschaftliche Schnarchproblem in vielen deutschen Schlafzimmern zu lösen.
Denn nach wie vor hält sich die gesellschaftlich weit verbreitete Ansicht, dass grundsätzlich Männer für die schlafraubende Lärmbelästigung verantwortlich seien. Während sich die Mehrzahl der Frauen gar nicht oder nur ungern eingestehen möchte, dass sie womöglich selbst schnarchen könnten.
Oft siegt dabei die Scham über die Vernunft. Deshalb wollen sich nur wenige Frauen zu dem mit dem weiblichen Geschlecht nicht gerade positiv assoziierten Symptom bekennen und deklarieren es weiterhin als typisch männliches Phänomen. Was bislang auch die meisten Männer, die sich in der Regel relativ locker und offen zu ihrem ziemlich unerfreulichen „Sägewerk“ bekennen, weitgehend akzeptiert haben. Schließlich gibt es im partnerschaftlichen Bett meist nur einen Zeugen für die nächtlichen Vorgänge. Und wenn die aus der Nachtruhe gerissene Frau ihren Mann des Schnarchens bezichtigt, wird er das in den meisten Fällen zähneknirschend schlucken.
Weil Männern das Einschlafen normalerweise leichter fällt als ihren Partnerinnen und sie häufig auch tiefere Schlafphasen erreichen, bekommen sie vom etwaigen „Schlafkonzert“ um sie herum oft kaum etwas mit. Von daher dürfte es kaum verwundern, dass sich laut der Pronova-Schlafstudie nur acht Prozent der Männer über das Schnarchen ihrer Partnerinnen beklagen, während 19 Prozent der Frauen ihre schnarchenden Bettgesellen an den Pranger stellen.
Das lässt sich auch dadurch erklären, dass die Weckschwelle von Frauen deutlich niedriger liegt. Sie reagieren daher wesentlich empfindlicher auf Geräusche im Schlafzimmer und bemerken schneller, wenn der Partner neben ihnen schnarcht. In jüngeren Jahren, wenn das (beidseitige?) Schnarchen noch nicht so ausgeprägt ist, werden sich viele Paare meist noch arrangieren können. Oft reicht dann ein leichtes Anstupsen oder Knuffen, um die Nachtruhe wiederherzustellen.
Mit fortschreitendem, häufig auch mit Übergewicht verbundenem Alter – und wenn aufgrund hormoneller Umstellungen nach den Wechseljahren auch Frauen kräftiger mit einstimmen – können die gegenseitigen Vorwürfe jedoch nach und nach in ein nächtliches Gezeter ausarten. Der Einsatz von Ohrstöpseln oder speziellen Nasenpflastern, das Errichten einer Kissenmauer oder das Vermeiden der schnarchfördernden Rückenlage zugunsten der Seitenposition wird auf Dauer meist keine Abhilfe schaffen.
Spätestens dann wird die finale Lösung getrennter Schlafzimmer in Erwägung gezogen werden müssen. Denn letztlich gibt es kaum wirklich zufriedenstellende therapeutische Hilfsmöglichkeiten zur Behebung des Schnarchproblems. Für die bislang auf dem Markt angepriesenen Medikamente konnte keine Wirksamkeit nachgewiesen werden. Operative Maßnahmen im HNO-Bereich gelten bislang meist nur als kurzfristig hilfreich und insgesamt als begrenzt effektiv – einer meiner Verwandten hat es seiner Ehefrau zuliebe ergebnislos versucht.
Eine positive Ausnahme stellt allerdings das im Volksmund als Anti-Schnarchschiene bekannte Hilfsmittel dar. Seine offizielle Bezeichnung lautet Unterkieferprotrusionsschiene (UKPS). Sie wird auch zur Behandlung der ernsthaften schlafbezogenen Atmungsstörung Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) eingesetzt – neben der Überdrucktherapie (CPAP).