Der BFC Dynamo will mittelfristig in die 3. Liga. Der Weg dahin ist aber nach wie vor steinig. Denn für das ganz große Ziel müssen noch einige Themen angepackt werden – allen voran die ungewisse Stadionzukunft.
Beinahe hätte der kräftige Wind, der – von dicken Regentropfen begleitet – durch das Sportforum blies, den BFC Dynamo noch den wichtigen Sieg gekostet. Ein Eckball des FC Eilenburg war in der letzten Minute der regulären Spielzeit beim Stand von 2:1 für die Heimelf in eigentümlicher Flugkurve wieder in Richtung des Tors von BFC-Keeper Nicolas Ortegel geflogen – klatschte jedoch nur an die Querlatte.
Total-Umbruch vor Saisonstart
So konnten die Berliner wieder einen Dreier feiern, nachdem eine 1:2-Niederlage beim Schlusslicht Hertha 03 eine Woche zuvor den zarten Aufwärtstrend, aber vor allem auch die Stimmung im Umfeld mal wieder arg getrübt hatte. So jedoch konnte man mit elf Punkten aus den letzten sieben Partien weiter Anschluss an das Tabellenmittelfeld halten.
Von einer Verletzungsmisere gebeutelt, war die vor der Saison fast komplett neu zusammengestellte Mannschaft zunächst schlecht in die Spielzeit gekommen – nach sechs Begegnungen waren lediglich vier Punkte und der drittletzte Platz zu verzeichnen. Dass aktuell längst noch nicht alles gut ist, verdeutlicht aber der „Aufwärtstrend“ mit der erwähnten, eigentlich bescheidenen Punktausbeute.
Bezeichnend dazu, dass die beiden Niederlagen in dieser verbesserten Phase ausgerechnet bei Kellerkindern zustande kamen: Sowohl Chemie Leipzig (2:0) als auch Hertha 03 feierten dabei ihren jeweils ersten Saisonsieg überhaupt. Auch der Neuling FC Eilenburg, der mit zwei Zählern und drei erzielten Toren aus den vorangegangenen sieben Partien nach Hohenschönhausen gekommen war, ging bereits nach fünf Minuten beim BFC in Führung.
Und als die Nordsachsen kurz darauf gleich die nächste gute Chance hatten, musste Torwart Ortegel seine Vorderleute mit einem verbalen Wutausbruch wachrütteln. Dazu half, dass der Gegner nach einem Einwurf nicht aufmerksam war und Dynamo nach einer Kopfballverlängerung zum 1:1-Ausgleich durch Leander Fritzsche kam.
Immerhin von da an lief das Spiel in Richtung der Weinrot-Weißen, auch wenn sie sich mit dem Führungstor trotz einiger Gelegenheiten reichlich Zeit ließen. Am 2:1 war der Gegner dann sogar unmittelbar beteiligt, denn ein FCE-Verteidiger lenkte eine Viertelstunde vor Spielende einen Schuss von Willi Reincke mit dem Fuß noch unhaltbar ab.
Damit war der Dreier letztlich unter Dach und Fach – besonders wichtig auch vor den Spielen am vergangenen Sonntag bei Ligaprimus Lok Leipzig (Ergebnis siehe „Kurz & Knapp“ in dieser Ausgabe) sowie dessen Verfolger FC Carl Zeiss Jena (7. November).
Im Anschluss steht mit dem Achtelfinale des Berliner Landespokals bei Eintracht Mahlsdorf (NOFV-Oberliga Nord) – einer Neuauflage des letzten Endspiels – ebenfalls eine bedeutungsvolle Partie auf dem Programm. Denn wie letzte Saison dürfte dem Wettbewerb deshalb eine besondere Rolle in den Planungen der BFC-Verantwortlichen zukommen, weil in der Liga der Zug nach vorne schon wieder abgefahren ist.
Der Unterschied zu 2024/25 aber ist, dass man diesmal angesichts des erwähnten, radikalen Kaderumbaus mit einer bescheideneren Rolle in der Regionalliga Nordost rechnen musste. Das weiterhin recht anspruchsvolle Umfeld des DDR-Rekordmeisters erweist sich allerdings auch trotz der Umstände nicht als das geduldigste – so musste etwa Enis Alushi, der neue Geschäftsführer Sport in Hohenschönhausen, Trainer Dennis Kutrieb bereits nach der 0:4-Heimpleite gegen Babelsberg 03 am sechsten Spieltag öffentlich den Rücken stärken. Auch nach der Niederlage bei Hertha 03 waren vereinzelt „Kutrieb raus“-Rufe aus dem Dynamo-Block zu vernehmen.
Die Stimmung rund um den BFC ist also längst noch nicht als harmonisch zu bezeichnen – dazu kommen weitere offene Fragen. Zum Beispiel: Besitzt der renovierte Kader nächste Saison – dann ist der direkte Aufstieg ohne Qualifikation möglich – vielleicht das Potenzial beziehungsweise die nötige Qualität für den Aufstieg?
Kategorische Absage fürs Stadion?
Kann der BFC für den Fall finanziell zur Verstärkung nachlegen, um das perspektivisch eindeutige Ziel zu erreichen? Aktuell liegt man nur im Mittelfeld der Nordost-Staffel, was den Gesamtmarktwert der Spieler betrifft. Doch perspektivisch soll es irgendwann in die 3. Liga gehen – obendrein hat sich aber auch die Stadionfrage jüngst zum Unguten für Dynamo und seine Anhänger entwickelt.
Anfang des Jahres jedenfalls hatte es noch so ausgesehen, als sollte die Politik grünes Licht geben für die Drittligatauglichkeit im Sportforum: Pläne für einen Abriss der sanierungsbedürftigen Arena und einen Neubau an selber Stelle waren dabei gutgeheißen und die Finanzierung des etwa 90 Millionen Euro teuren Projekts in Aussicht gestellt worden. Eine Machbarkeitsstudie dazu war dem Senat laut „nd-aktuell.de“ sogar 240.000 Euro wert.
Der Verein, aber auch Vertreter der lokalen CDU befürworteten parallel zwar eine deutlich günstigere Ertüchtigung (für etwa zehn Millionen Euro) der aktuell bestehenden Bebauung des Areals am Weißenseer Weg – eine Lösung in der sportlichen Heimat der Weinrot-Weißen schien aber allemal möglich.
Doch Anfang Oktober wurde nun aus einem Bericht der Senatsverwaltung für Sport publik, dass es die Drittligatauglichkeit auf keinem der beiden Wege geben wird. „Das Fußballstadion im Sportforum Berlin erfüllt weitestgehend die Anforderungen der 4. Liga. Eine weiterführende Ertüchtigung bis hin zu einem drittligatauglichen Fußballstadion in den Haushaltsjahren 2026/2027 ist nicht Bestandteil der Haushaltsplanung.“
Überhaupt gebe es aktuell keine weiteren Pläne, ein Stadion in der Hauptstadt bis zu diesem Level aufzuwerten – so die weitere Aussage, die einer kategorischen Absage an den BFC gleichkommt. Die Politik hat somit offenbar wieder den momentanen Umbau des zentral gelegenen Jahn-Sportparks perspektivisch als ausreichende Ausstattung Berlins mit drittligatauglichen Arenen beurteilt.
So hat man sich zumindest auf verantwortlicher Ebene beim BFC Dynamo angesichts der scheinbaren Aussichtslosigkeit von Protesten schnell mit der neuen Situation abgefunden und öffentlich die Zukunft des Vereins im Jahn-Sportpark postuliert.
Das Stadion dort wird allerdings auch erst frühestens 2028 fertig sein: Nach dem Erkenntnisstand über die aktuelle sportliche Qualität bliebe dann immerhin Zeit genug, um sich bereit für die 3. Liga zu machen – wenn da nur nicht die notorische Ungeduld im Umfeld der Hohenschönhauser wäre.