Der 1. FC Saarbrücken liefert beim Zweitliga-Absteiger Preußen Münster ein spektakuläres Auswärtsspiel ab, muss sich nach zweimaliger Zwei-Tore-Führung aber mit einem 3:3 begnügen. Während die Offensive bereits erstaunlich gut funktioniert, bleibt in der Defensive noch einiges zu tun.
Der Applaus von den Rängen wirkte wie ein Kompliment an den Gegner. Als Schiedsrichter Simon Schreiner nach einem wilden Fußballabend abpfiff, feierten die Anhänger von Zweitliga-Absteiger Preußen Münster ihre Mannschaft für das 3:3 gegen den 1. FC Saarbrücken. Beim FCS überwog dagegen der Ärger. Denn die Saarländer hatten nicht nur 3:1 geführt, sondern über weite Strecken gezeigt, dass der große Umbau im Sommer vielversprechend ist – aber auch noch Zeit benötigen wird.
Vor allem die erste Halbzeit war beeindruckend. Bereits nach vier Minuten staubte Alexander Staff ab, nachdem Münsters Torwart Morten Behrens einen Distanzschuss von Calogero Rizzuto nicht festhalten konnte. Dann folgte der große Auftritt von Kelsey Owusu. Der 22-Jährige startete noch in der eigenen Hälfte zu einem sensationellen Sololauf, ließ auf seinem Weg Richtung Strafraum sieben Gegenspieler stehen und jagte den Ball über den Innenpfosten zum 2:0 ins Netz (19.). Ein Treffer der Kategorie Traumtor. Nur 93 Sekunden später verkürzte Charalambos Makridis per Kopf, doch Florian Pick stellte nach glänzender Vorarbeit von Owusu bereits in der 29. Minute den alten Abstand wieder her.
„Wir haben ein richtig gutes Auswärtsspiel gemacht“, sagte Christian Kühlwetter später. Zufrieden war er trotzdem nicht. „Wir haben drei Punkte verschenkt.“ Vor allem die Art und Weise der Gegentore ärgerte ihn. Wieder brachte ein Standard den Gegner zurück ins Spiel. „Das müssen wir schleunigst in den Griff bekommen.“
Genau das wurde nach der Pause zum Problem. Saarbrücken verlor für eine Viertelstunde die Ballsicherheit und ließ sich auf das Münsteraner Spiel mit langen und zweiten Bällen ein. Lucas Zeller köpfte nach einem Freistoß zum 2:3 ein (57.). Fünf Minuten später traf der gerade eingewechselte Montell Ndikom mit einem Sonntagsschuss in den Winkel zum Ausgleich.
„Wir müssen reifen. Wir müssen hier gewinnen“, sagte Innenverteidiger Siemen Voet. Die Qualität und Mentalität seien vorhanden, doch der FCS werde für die wenigen Chancen, die er zulasse, derzeit noch zu häufig bestraft. Gerade bei ruhenden Bällen fehle manchmal die letzte Konsequenz.
Trainer Argirios Giannikis sah ebenfalls zwei Seiten. Er sprach von einer „herausragenden ersten Halbzeit“, ärgerte sich über das Standardgegentor und den anschließenden Sonntagsschuss, wertete den Auftritt insgesamt aber als Bestätigung für den eingeschlagenen Weg. Seine Mannschaft habe einen starken Gegner über weite Strecken kontrolliert und selbst nach dem 3:3 noch die Kraft gehabt, auf den Sieg zu spielen. Tatsächlich hätte Saarbrücken das wilde Spiel am Ende noch gewinnen können. Kai Brünker scheiterte mit einem wuchtigen Flugkopfball an Behrens, in der Nachspielzeit boten sich Pick und Maurice Multhaup weitere gute Gelegenheiten.
„Ich bin stolz auf meine Mannschaft, wie wir die Auswärtsspiele angehen“, sagte Kapitän Pick. Das erklärte Ziel sei, „eine Topmannschaft in der Liga zu werden“. Dafür müsse der FCS lernen, mit der Körperlichkeit, langen Bällen und Standards der Gegner noch besser umzugehen.
Offensiv ist die Mannschaft schon erstaunlich weit. Nach sechs Toren in Meppen folgten drei beim ambitionierten Zweitliga-Absteiger. Defensiv wartet der FCS dagegen weiter auf das zweite Zu-null-Spiel. Das 3:3 in Münster war deshalb fast eine Momentaufnahme des bisherigen Umbaus: viel Qualität, viel Tempo, viel Spektakel – aber noch nicht genügend Kontrolle. Schon am Samstag gegen die SG Sonnenhof Großaspach gibt es die nächste Gelegenheit, den nächsten Schritt zu machen.
FORUM-Einzelkritik:
Matteo Bignetti: An den Toren schuldlos. Ansonsten mit kleineren Problemen. Note 3
Calogero Rizzuto: Vor allem in der Offensive ein gutes Spiel. Note 2
Mladen Cvjetinovic: Robust, aber nicht fehlerfrei. Note 3
Siemen Voet: Ähnlich wie sein Nebenmann. Note 3
Niko Bretschneider: Offensiv okay, defensiv mit Schwächen. Note 3-
Daniel Gleiber: Sehr viel unterwegs. Note 2-
Patrick Sontheimer: Extrem engagiert, aber auch mit Fehlern. Note 3
Florian Pick: Nach vorne top, defensive zu unkonzentriert. Note 3
Kelsey Owusu: Bis zur Verletzung richtig gut. Note 2
Kai Brünker: Warf sich in jeden Ball. Kein Glück im Abschluss. Note 3
Alexander Staff: Belohnte sich endlich für viel Aufwand. Note 2
Maurice Multhaup: Brauchte ein wenig. Am Ende torgefährlich. Note 3
Christian Kühlwetter: Zunächst fehlerhaft, dann stärker