Erziehung von Kindern und Jugendlichen ist prägend – das wissen wir wohl alle. Eine aktuelle Studie der Krankenkasse Pronova BKK geht nun der Frage nach, wie sie sich bei der Generation Z im Vergleich zur eigenen Kindheit verändert hat.
Jede Generation hat ihre eigene Krankheit – das wusste schon die Rockband Fury in the Slaughterhouse. Der Generation X sagte man ein gewisses Verlorenheitsgefühl nach, der Generation Y oftmals gebrochene Lebensläufe. Als größte Probleme der Gen Z, die im Groben zwischen 1995 und 2010 geboren ist, gelten die Klimakrise und bezahlbarer Wohnraum. Unabhängig davon, dass Mieten schon immer einen gehörigen Anteil des Einkommens gefressen haben und auch der von Menschen verursachte Klimawandel nicht erst seit gestern bekannt ist, gehen Studien immer wieder solchen Generationen-Fragen nach. Eine Befragung mit Auswertung aus dem Frühjahr der Krankenkasse Pronova BKK stellt nun die psychische Belastung junger Eltern aus der Generation Z in den Fokus.
Junge Mütter haben Leistungsanspruch
Es handelte sich um eine bundesweite Online-Befragung mit 2.000 Müttern und Vätern ab 18 Jahren mit mindestens einem eigenen Kind unter 16 Jahren im Haushalt, wie es im Vorwort dazu heißt. Die Befragung „Familie und Erziehung 2025“ möchte auch einen Einblick dazu geben, wie Mütter und Väter ihre Rolle in der Familie wahrnehmen. Mit aufgenommen wurde zudem, welche Erziehungsstile und -ziele die Elternteile haben und wie es um ihre psychische Gesundheit bestellt ist. Unter anderem heißt es zu letzterem Punkt, dass gerade junge Eltern mit kleinen Kindern sowie Mütter sich mehrheitlich einem zumindest mittleren Burn-out-Risiko ausgesetzt sehen.
In einem begleitenden Interview mit Nina Grimm, Familienpsychologin und Verhaltenstherapeutin der Pronova BKK, sagt diese dazu: „Ein zentraler Auslöser für Burn-out bei jungen Eltern – insbesondere bei Müttern – ist die starke Identifikation mit der Elternrolle. Der Leistungsanspruch, der früher im Beruf oder Studium galt, wird nun auf die Familie übertragen.“ Doch ein perfekter Elternteil zu sein, sei eine Illusion. Wer diesem Anspruch ständig hinterherlaufe, könne früher oder später in einen Zustand chronischer Erschöpfung geraten.
Eine Wahrheit der letzten Jahrhunderte zeigte sich erneut: Eltern haben es nicht leicht. Dementsprechend wünschen sich rund 60 Prozent der befragten Eltern oft (17 Prozent) oder zumindest manchmal (42) eine Pause vom Alltag mit den Kindern. Wenn Eltern merkten, dass sie nur noch funktionieren, sei es höchste Zeit, innezuhalten. Nina Grimm erklärt: „Auch Ängste in der Elternschaft haben nachvollziehbare psychologische Wurzeln. Die intensive Liebe zum Kind – gepaart mit der plötzlich empfundenen Verantwortung für ein ganzes Leben – erzeuge ein starkes Druckgefühl. Wer ohnehin dazu neigt, sich selbst unter Druck zu setzen oder vom Schlimmsten auszugehen, ist besonders anfällig.“
Dass das Elternsein häufig eine große Herausforderung für die seelische Verfassung der Eltern ist, könne sich in anhaltender Gereiztheit, Rückzugsbedürfnis, Freudlosigkeit, Schlafproblemen oder einem Gefühl innerer Leere zeigen. Hier zeigt die Umfrage: Mehr als jeder zehnte Elternteil ist oft schon durch scheinbare Kleinigkeiten des Kindes, wie das Verschütten eines Glases Wasser, gereizt, 37 Prozent immerhin noch manchmal.
Regeln demokratisch aushandeln
Der Anspruch an sich selbst spiele eine enorme Rolle dabei, eine Überforderung zu empfinden. Doch was macht diesen Anspruch jeweils aus? Aus Sicht der männlichen Erziehungsberechtigten sollten sowohl der ideale Vater als auch die ideale Mutter viel Zeit mit den Kindern verbringen (55 Prozent), Freund und Beschützer des Kindes sein (51), Aufgaben im Haushalt übernehmen (50) und bei Erziehungsfragen mitentscheiden (49). Gleichzeitig geben jedoch nur 45 Prozent an, dass die aktive Freizeitgestaltung der Kinder in die Expertise der Väter falle. Ein „männliches Rollenbild“ zu vermitteln, sehen nur 32 Prozent der Befragten als wichtig an, die uneingeschränkte Respektsperson zu sein, sogar nur 17 Prozent.
Die ideale Mutter verbringe aus Sicht der befragten Mütter viel Zeit mit den Kindern (70 Prozent) und bleibe auch zu Hause, wenn das Kind krank ist (68; bei den Männern nur 41). Eine hohe emotionale Bindung zum Kind respektive den Kindern zu haben sowie Aufgaben im Haushalt zu übernehmen und Erziehungsfragen mitzuentscheiden, sehen 67, 65 und 62 Prozent der Mütter als wichtig an. Für die Mütter sei es der Studie zufolge weniger wichtig, beruflich erfolgreich zu sein und Karriere zu machen (22) oder Vollzeit zu arbeiten (16).
Aus der Studie „Familie und Erziehung 2025“ ist ebenfalls herauszulesen, dass Eltern ihre Kinder heutzutage vorrangig zu verantwortungsbewussten (48 Prozent), hilfsbereiten und höflichen Menschen (jeweils 47 Prozent) erziehen möchten. Gehorsam sein sehen lediglich 11 Prozent als wichtig an, auch die Achtung vor der Tradition steht mit 11 Prozent eher mau da. Auf Abwechslung und Abenteuer im Leben zu achten, steht mit nur acht Prozent im krassen Gegensatz zur Aussage, dass 29 Prozent Neugierde und allgemein Neues zu entdecken als wichtig einschätzen.
Auch ein Gefälle innerhalb der Generationen X bis Z wird thematisiert: Während bei 46 Prozent der 46- bis 60-Jährigen der Gen X das Vermitteln von Spaß haben und das Leben genießen im Vordergrund stehen, sind es bei den 31- bis 45-Jährigen (Gen Y) 56 Prozent und bei der Gen Z ganze 65 Prozent. Beim Gemeinsinn rangiert das Gefälle von 63 Prozent (Gen Z) bis zu 74 Prozent (Gen X). Bei hohem sozialen Status sind es bei der Gen Z 23 Prozent, bei der Gen Y 18 und bei der Gen X 21 Prozent.
Der Erziehungsstil und die vermittelten Werte scheinen einem Wandel der Zeit zu unterliegen. Während viele der befragten Eltern selbst früher überwiegend eher autoritär erzogen wurden, sei heutzutage häufiger ein demokratisches Aushandeln von Regeln und Grenzen festzustellen. Statt Bestrafungen werde eher auf eine gemeinsame Aussprache bei Regelverstößen gesetzt – ohne Konsequenzen. Allerdings würde dennoch rund die Hälfte der Befragten die Missachtung von Regeln ahnden.
Die Familienpsychologin Nina Grimm gibt aber auch Tipps, um mit dem emotionalen Stress besser umzugehen: „Auf tieferer Ebene lohnt sich der Blick auf die eigenen Persönlichkeitsstrukturen. Wer etwa zu Perfektionismus, ständiger Selbstkritik oder pessimistischen Erwartungen neigt, ist oft durch solche inneren Fahrpläne geprägt, die auf frühen Beziehungserfahrungen beruhen. Wer in der Elternschaft ständig angespannt, ängstlich oder getrieben ist, sollte auch auf der emotionalen Ebene ansetzen. Der innere Druck lässt sich meist nur dann lösen, wenn die emotionalen Altlasten gesehen und aufgearbeitet werden.“