Schadinsekten sind oft nur wenige Millimeter groß, doch ihre Zerstörungskraft im Wald ist immens. Jedes Frühjahr beginnt für Förster und Wissenschaftler ein Wettlauf gegen die Zeit.
Die toten Fichten stehen dicht an dicht. Ihre Nadeln sind längst zu Boden gefallen. Wo einst lebendiges Grün war, ragen heute abgestorbene Stämme wie mahnende Finger gen Himmel. Sie sind von unzähligen Borkenkäfergängen durchzogen, wie Narben einer langen, erbitterten Schlacht. Die knorrigen Silhouetten der Bäume prägen ganze Landschaften. Im Harz sind rund 80 Prozent der Fichten in den vergangenen Jahren abgestorben. Auch im Sauerland, im Thüringer Wald, in Teilen des Erzgebirges und dem Bayerischen Wald hat der Borkenkäfer unzählige Hänge und Waldabschnitte mit kahlen, toten Bäumen zurückgelassen.
Wie konnte es so weit kommen? Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es Borkenkäferplagen auch früher schon gab. Doch der menschengemachte Klimawandel wirkt wie ein Katalysator, der die Probleme im Wald verschärft. Das verheerende Baumsterben, das wir heute erleben, nahm in den 1990er-Jahren seinen Anfang, als schwere Stürme große Mengen an Schadholz erzeugten – ein Paradies für den Borkenkäfer. Ein neuer Höhepunkt setzte ein, nachdem Orkantief Friederike im Januar 2018 mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern von den Niederlanden kommend nach Südosten über Deutschland hinweg zog und in vielen Waldgebieten eine Schneise der Verwüstung hinterließ.
Klimaextreme häufen sich
„Dieser Sturm, der Bäume samt Wurzelballen aus dem Boden gerissen hat, schuf ein ideales Brutraumangebot für den Borkenkäfer“, sagt Markus Kautz, 46, Fachgebietsleiter für Borkenkäfer an der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg. Die anschließende Dürre und Hitze im Sommer verschärften die Situation enorm. „Wärme wirkt auf Insekten vielfach positiv“, erklärt Kautz – auch auf den Borkenkäfer, der in trockenwarmen Jahren statt zwei gleich drei Generationen hervorbringt. Es gab auch vorher schon Jahre mit heißen, trockenen Sommern und milden Wintern. „Aber 2018 war extrem und hat alles getoppt“, sagt Kautz. Seitdem würden diese Klimaextreme mit beunruhigender Regelmäßigkeit auftreten.
„Der Wald in Deutschland ist in einem schlechten Zustand. Von den verbreitetsten Arten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche sind vier von fünf Bäumen krank“, schreibt das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung auf seiner Homepage. Rund ein Drittel der Landesfläche Deutschlands und damit gut elf Millionen Hektar sind von Wald bedeckt. Doch diese Fläche schrumpft zusehends. „Die Waldverluste in Deutschland sind immens“, so das Bundesministerium. Nur noch 20 Prozent der Bäume gelten in ihrem Belaubungszustand als gesund.
Oft sind Schadinsekten die Ursache. Große Sturmereignisse im Winter mit schweren Schäden in den Wäldern und extreme Dürre im darauffolgenden Sommer schufen für sie in den vergangenen Jahren eine ideale Ausgangslage. Einer der Hauptschuldigen: der Borkenkäfer. Seine Spuren sind unübersehbar – tote Stämme, kahle Hänge, verschwundene Wälder.
Doch was macht dieses winzige Insekt so gefährlich für die Wälder? Wie gelingt es ihm, massenhaft Bäume zu befallen? Diese Fragen führen zu einer überraschend einfachen Antwort: die unglaubliche Vermehrungsrate des Borkenkäfers. Aus einem winzigen Paar wird in kürzester Zeit eine Armee von Hunderttausenden, die wie eine Naturgewalt über den Wald hereinbricht. Doch warum können sich die Käfer so ungehindert ausbreiten und ganze Landschaften verändern? Und warum war er gerade in den vergangenen Jahren so erfolgreich?
Bäume sind anfällig wenn gestresst
Die Erfolgsgeschichte des Borkenkäfers wäre ohne einen entscheidenden Verbündeten nicht möglich: den vom Klimawandel gestressten Wald. Ein Baum, der fit und gut wasserversorgt ist, produziert ausreichend Harz über die gesamte Stammlänge, um den Käfer abzuwehren, erklärt Wissenschaftler Kautz. „Wenn Borkenkäfer versuchen, sich einzubohren, bleiben sie im Harz stecken und sterben. Den Bäumen passiert nichts.“ Doch sobald dem Baum Wasser fehlt oder die Käferpopulation zu groß wird, kommt der Baum mit der Harzproduktion nicht mehr hinterher. Die schwarmaktiven Käfer dringen problemlos in den Stamm ein. „Treffen fitte Insekten in einer hohen Population auf durch Trockenstress geschwächte Bäume, führt das zu großen Schäden“, resümiert Kautz. Bleibt der Befall von den Förstern unentdeckt, können sich die Käfer ausbreiten.
Nicht nur in Teilen Deutschlands, sondern in vielen Wäldern Mitteleuropas sterben die Bäume. „Große Schadgebiete gab es beispielsweise auch in Tschechien, Polen und Österreich.“ Mit dem Klimawandel werden die Perioden, in denen es keine Massenvermehrung des Borkenkäfers gibt, immer weniger. Eine Borkenkäferart gilt für die sturmgebeutelten Wälder als besonders gefährlich: der Buchdrucker. Er hat in vielen europäischen Waldregionen erhebliche Schäden verursacht.
Der Buchdrucker ist etwa so groß wie ein Reiskorn. Mit seinem glänzenden braunschwarzen Panzer sieht er aus wie ein kleiner Edelstein. Seine kräftigen Mundwerkzeuge schaben Stück für Stück die harte Rinde und das darunterliegende Holz weg. So gelangt er ins Bauminnere. Dort legt er ein komplexes Gangsystem an, in dem er seine Eier ablegt.
Das liebste Opfer des Buchdruckers: die Fichte. „Der Buchdrucker reagiert auf die Duftstoffe des Baumes“, sagt Borkenkäfer-Experte Kautz. Während des Fressens stößt er Lockstoffe aus und sendet so ein Signal an Artgenossen: Hier ist ein guter Baum, den habe ich schon befallen, ihr könnt hinterherkommen.
Und er ist nicht der Einzige, der sein Unwesen in den Wäldern treibt. Auch andere Insekten schädigen den Wald. Blatt- und Nadelfresser, wie der Kiefernspinner, Schwammspinner oder der Eichenprozessionsspinner, können ganze Baumkronen kahlfressen. Mit ihrem unersättlichen Appetit schwächen die Schmetterlingsraupen die Bäume erheblich. Haben sich diese Feinde erst mal in den Baumkronen eingenistet, verlieren die Bäume ihre Blätter und Nadeln und damit auch ihre Fähigkeit zur Photosynthese. „Wenn sie die Krone nur teilweise abfressen, kann sich der Baum vielleicht wieder erholen“, sagt Kautz. Doch wenn das öfter passiert oder die Krone komplett kahl gefressen wird, stirbt der Baum ab oder ist so geschwächt, dass er zur leichten Beute für andere Schädlinge wie den Eichenprachtkäfer wird.
Und auch unter der Erde lauert Gefahr für den Wald. Wurzelfresser wie die Larven des Maikäfers, die sogenannten Engerlinge, nagen an den Wurzeln der Bäume. Die Folge: Der Baum kann Wasser und Nährstoffe nur noch eingeschränkt aufnehmen. Wählerisch seien sie nicht, sagt Kautz: „Sie fressen alle Baumwurzeln, die ihnen vor die Nase kommen, auch wenn sie manche Laubhölzer bevorzugen.“
Überwachung und Regulierung
Doch die Insekten allein sind nicht das Problem – sie gehören zum natürlichen Kreislauf des Waldes. Das eigentliche Problem ist der Klimawandel, der sie zu einer Bedrohung werden lässt. Hitzewellen, Dürren und große Sturm-ereignisse setzen den Bäumen massiv zu, schwächen ihre Abwehrkräfte und machen sie so zum gefundenen Fressen für Schädlinge. Schadinsekten hingegen profitieren vom Klimawandel: „Je wärmer es ist, desto schneller entwickeln sie sich vom Ei zum fertigen Insekt.“ Milde Winter, die keine natürlichen Grenzen setzen, und heiße, trockene Sommer schaffen perfekte Bedingungen für explosionsartiges Wachstum der Schädlingspopulationen. So werden aus nützlichen Insekten zerstörerische Plagen.
Nur wenn die ungebetenen Gäste frühzeitig entdeckt und Gegenmaßnahmen rasch ergriffen werden, lassen sich Schäden im Wald begrenzen. Wissenschaftler und Waldbesitzer wollen die Wälder daher durch vielfältige Maßnahmen der Überwachung und Regulierung schützen. Oft beginnt die Überwachung mit regelmäßigen Befallskontrollen im Frühjahr, wenn die Käfer ihre Winterquartiere verlassen und die Raupen aus ihren Eiern schlüpfen.
Auch Pheromonfallen können vor einem Befall durch Schädlinge warnen. Sie locken Insekten gezielt an und geben Aufschluss über die lokale Populationsgröße und -aktivität. So lässt sich ein drohendes Massenauftreten frühzeitig erkennen. Auch Vorhersagemodelle helfen dabei, den Insekten einen Schritt voraus zu sein. Sie arbeiten unter anderem mit Wetterdaten und zeigen, wo Schädlinge in Zukunft zum Problem werden könnten. „So können wir zeitkritische Maßnahmen besser steuern und gleichzeitig auch langfristige Präventionsstrategien entwickeln, statt nur auf akute Krisen zu reagieren.“
Mancherorts sind auch Drohnen im Einsatz. Sie können Wälder großflächig überwachen und auffällige Verfärbungen und kahle Kronenbereiche schnell identifizieren. „Aber wenn sich Nadeln verfärben oder Kronen lichten, ist es zum Beispiel bei Borkenkäferbefall an Fichten oft schon zu spät für ein rechtzeitiges Eingreifen“, sagt Kautz. Deshalb wird auch in Freiburg an einem Erkennungssystem per Satellit oder Drohne geforscht: „Dafür brauchen wir einen Algorithmus, der befallene Bäume frühzeitig erkennt. Das wäre ein echter Gamechanger.“ Doch noch ist das Zukunftsmusik.
„Noch immer bleibt der Mensch das wichtigste Element bei der Schaderkennung“, sagt Kautz. Die Fachleute sprechen von visueller Inspektion: Abbröckelnde Rinde, tote Äste oder kahl gefressene Kronen verraten den Experten, wo etwas nicht stimmt. „Im Fall des Borkenkäfers sind es winzige Spuren von Bohrmehl an der Rinde oder am Stammfuß, die den Befall anzeigen.“
Sobald ein Befall erkannt wird, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit. Die Forstexperten müssen abwägen: Entnehmen sie die betroffenen Bäume, um die Ausbreitung der Schädlinge zu stoppen, oder lassen sie die absterbenden Bäume stehen? Das Zeitfenster ist ohnehin eng. „Die Brut des Buchdruckers braucht beispielsweise oft nur sechs bis acht Wochen, bis sie ausfliegt und sich weitere Wirtsbäume sucht“, sagt Kautz.
Schmetterlingslarven wiederum fressen hoch oben in den Baumkronen und sind manchmal an dichten Gespinsten, die im Geäst hängen, gut zu erkennen. Schwieriger ist es bei Wurzelfressern, die unter der Erde ihr Unwesen treiben. Um ihnen auf die Spur zu kommen, graben Wissenschaftler tief: Bodenproben enthüllen, was sich an den Baumwurzeln abspielt. „Wir zählen beispielsweise, wie viele Maikäferlarven in der Probe sind und ob eine kritische Schwelle bereits überschritten wurde.“
Ungewollte Kollateralschäden
Die Entscheidung muss schnell getroffen werden: Fällt man die befallenen Bäume in der Hoffnung, die Schädlinge einzudämmen, ohne eine Garantie auf Erfolg? Oder lässt man sie stehen, riskiert jedoch, dass sich der Befall ausweitet und am Ende der gesamte Bestand verloren geht?
In Ausnahmefällen werden auch chemische Stoffe zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. „Insektizide sind stark reglementiert im Wald. Im Borkenkäfer-Management ist deren Anwendung zumeist nur auf an der Waldstraße gelagertes Holz beschränkt“, erklärt Kautz. Beim Auftragen der Flüssigkeit auf die Baumrinde sterben nicht nur Borkenkäfer, die damit in Kontakt kommen, sondern auch andere damit zufällig in Berührung kommende Insekten. „Daher werden sie nur im absoluten Notfall eingesetzt, wenn alle anderen Optionen wegfallen, also kein Schlepper und LKW zur Abfuhr verfügbar ist, die Sägewerke voll sind und es auch keine Freiflächen zum Lagern des Holzes gibt.“
Um solche Notlagen zu vermeiden, ist es umso wichtiger, präventive Schutzmaßnahmen frühzeitig zu ergreifen. Ein Blick in die Natur zeigt, dass die Lösung oft näher liegt, als man denkt: Sie selbst bietet ein wirksames Gegenmittel gegen Waldschädlinge. Vögel, Käfer und andere Nützlinge spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen Schadinsekten. Sie können das Zünglein an der Waage sein, das entscheidet, ob ein Wald seinen Schädlingen trotzt oder nicht.
In betroffenen Wäldern werden daher gezielt Nistkästen für Meisen und Spechte aufgehängt. Diese Vögel sind wahre Vielfraße, wenn es um Schädlinge wie den Borkenkäfer oder andere holzbohrende Insekten geht. Eine einzige Meise kann in der Brutsaison mehrere Tausend Raupen und Larven fressen. Auch Ameisen sind hilfreiche Verbündete. Sie jagen Raupen und andere Schädlinge und können ganze Baumgruppen vor deren Befall bewahren. Um ihre Population zu stärken, schützen Förster Ameisenhaufen oder siedeln sie bei Bedarf in gefährdete Waldgebiete um.
Wenn der Bestand trotz aller Rettungsversuche den Schadinsekten zum Opfer gefallen ist, müssen die Experten erneut entscheiden: Abholzen oder stehen lassen? „Abgestorbene Bestände bleiben nur selten als Totholz zurück. Lediglich in Schutzgebieten wie Nationalparks lässt man der Natur großflächig ihren Lauf“, sagt Kautz.
Waldbesitzende hätten ihre Gründe, warum sie den befallenen toten Bestand räumen wollen. „Einige wollen den finanziellen Wert des Holzes beispielsweise als Startkapital für Wiederaufforstungen nutzen“, sagt Kautz. Auch wird die Begehbarkeit und Arbeitssicherheit durch belassenes Totholz eingeschränkt. „Große Schadflächen führen durch das Räumen oft zu großen Freiflächen, mit sehr ungünstigen Folgen für Mikroklima, Bodenerosion und auch die Biodiversität.“ Ziel im Borkenkäfermanagement sollte es laut Kautz sein, die Schadflächen durch frühzeitiges Eingreifen möglichst klein zu halten. Nicht nur, um die wirtschaftlichen Einbußen der Waldbesitzenden zu minimieren, sondern auch um damit ein Mosaik an Waldstrukturen zu schaffen. Kleinräumig belassenes Totholz kann dann sogar die Biodiversität fördern, da sich totholzzersetzende Käfer, Pilze oder auch Spechte dort erst mal richtig wohlfühlen.
Die heute vielfach noch sichtbaren, historisch entstandenen strukturarmen Waldbilder gelten längst als überholt, da sie dem Klimawandel und seinen Auswirkungen oft schutzlos gegenüberstehen. „Gleichaltrige Fichtenbestände, die dicht an dicht stehen, sind besonders anfällig für Borkenkäfer“, betont der Experte. Sie liefern dem Buchdrucker das ideale Jagdrevier: Der nächste Brutplatz liegt direkt nebenan. Vor allem ältere Fichtenhaine seien gefährdet. „Der Buchdrucker bevorzugt Fichten mit dicken Stämmen, die seit 60 Jahren oder länger wachsen.“
Klimawandel beim Waldbau bedenken
Die Waldwirtschaft müsse daher waldbaulich gegensteuern und künftig robustere, widerstandsfähigere und vor allem dem jeweiligen Standort angepasste Wälder schaffen. „Das ist langfristig gesehen ein wichtiger Hebel gegen den Buchdrucker“, betont der Experte. Für die Zukunft des Waldes sei eine gute Mischung entscheidend. „Wir müssen unterschiedliche Baumarten fördern und die Altersstruktur der Bestände variieren.“ In Fichtenwäldern seien beispielsweise Laubbäume gefragt. Ihre Duftstoffe können Schadinsekten, wie die Borkenkäfer, verwirren und ihr Ausschwärmen hemmen – ein natürlicher Schutzschild, der den Wald stabiler macht. Auch die sogenannte Umtriebszeit, also den Zeitraum bis zur Ernte eines Baums, könne man verkürzen. „Das würde das Risiko eines Befalls deutlich minimieren“, sagt Kautz. Die Standortwahl sei in Zeiten des Klimawandels ebenfalls entscheidend. „Der Waldbau muss sich fragen: Welcher Standort ist für welche Baumart zukunftsfähig?“ Dabei müsse er mindestens die kommenden 100 bis 200 Jahre im Blick haben. Früher seien Fichtenhaine oft bis in tiefere Lagen gepflanzt worden. „Da haben sie aber keine Zukunft, weil sie dort nicht hinpassen.“ Zu warm und zu trocken sei es dort heute schon. Schadinsekten haben mit den gestressten Bäumen leichtes Spiel. Gleiches gelte beispielsweise auch für die Kiefer in der Oberrheinebene. „Die Bäume sind dort von Trockenheit und Wärme so geschädigt, dass sie an diesem Standort keine Zukunft mehr haben.“
„Die Waldwirtschaft steht vor großen Herausforderungen“, blickt Kautz in die Zukunft. „Vor dem Jahr 2018 war die Entwicklung noch nicht wirklich greifbar, nun haben wir sie direkt vor Augen.“ Hätte das ungeheure Schadausmaß durch Borkenkäfer in den letzten Jahren begrenzt werden können? Kautz denkt an das Jahr 2018 zurück, als alles begann – ein Wintersturm, der unzählige Bäume entwurzelte und den Käfern den perfekten Brutraum bot. „Am Anfang hätte man noch konsequenter aufarbeiten müssen, aber rückblickend sagt sich das leicht.“
Die Schäden waren gewaltig und die Mittel begrenzt. Umgestürzte Stämme hätten in Rekordzeit aus dem Wald gebracht werden müssen. Es fehlte an Gerätschaften, die Sägewerke waren überlastet. „Wir waren offensichtlich organisatorisch nicht ausreichend vorbereitet und einer in diesem Ausmaß noch nie dagewesenen Situation dann vielfach schlicht nicht gewachsen.“
Aus der Erfahrung habe man viel gelernt, sagt Kautz. Die Sensibilität ist nun höher, die Palette an Maßnahmen wurde wesentlich erweitert, das Krisenmanagement verbessert. Auch die Logistik wurde ausgebaut, neue Holzmärkte, etwa in China, wurden erschlossen. Dennoch bleibt ein mulmiges Gefühl. Was, wenn das Jahr 2025 erneut ein Extremjahr für den Wald wird? „Wir sind heute zumindest besser gerüstet als damals“, sagt Kautz. Wie stabil diese Rüstung ist, wird die Zukunft zeigen.