Ferrari und cruisen – das scheint sich zu widersprechen, tut es aber nicht. Für viele Ferraristi ist der Spider – die Cabriolet-Version des Ferrari Roma – der aktuell eleganteste und schönste Ferrari. Wir haben ihn getestet – aus der Sicht des Beifahrers.
Schon der Ferrari Roma als Coupé ist ein Traum von einem Auto, und es macht unfassbar viel Spaß, ihn zu fahren (siehe FORUM-Ausgabe 33/2022). Das Cabriolet, der Ferrari Roma Spider, ist nochmals eine Steigerung. Unser Testwagen ist in der Farbe Celeste Trevi, also ,himmlischer Trevi-Brunnen‘, lackiert. Eine Farbe, die speziell für dieses Auto kreiert wurde und einfach perfekt passt. Sie verbindet die Eleganz dieses Autos mit einem frischen, elegant zurückhaltenden Farbton, der seinesgleichen sucht. Der Anblick dieses wunderschönen Autos fasziniert immer wieder aufs Neue.
Ein- und Ausstieg in und aus dem Ferrari Roma Spider sind ausgesprochen unproblematisch, obwohl der Wagen nur 130 Zentimeter hoch ist. Die lang gestreckte Motorhaube, die gerade wegen ihrer Farbe an einen lächelnden Delphin erinnert, geht seitlich in sanften Schwüngen in ein breites Heck über. Hier wölben sich geschwungene Radhäuser über die 21-Zoll-Räder. Ein kleines Kunstwerk ist das Stoffverdeck des Roma Spider, denn die Designer und Konstrukteure haben es geschafft, die Linien des Coupés nachzuzeichnen. Nicht selten passiert es, dass die offene Version eines Autos etwas unbeholfen aussieht. Nicht bei diesem Cabrio. Das Heck ist wohlgerundet und nicht zu flache Heckleuchten in einer Zwei-und-zwei-Aufteilung bilden einen schönen Abschluss.
Dezenter Heckspoiler
Auf jeder Seite befinden sich zwei Leuchtelemente, deren Komponenten wie geschichtet in schmalen Streifen übereinanderliegen. Das stellt eine Verbindung klassischer Formen mit modernem Design dar. Zwischen den Heckleuchten sorgt eine Spoilerkante für ausreichend Abtrieb, damit der Wagen noch besser auf der Straße liegen kann. Bei höheren Geschwindigkeiten fährt unterhalb des gläsernen Heckfensters ein Spoiler aus. Dieser ist in Schwarz lackiert, was die Rückansicht auf interessante Art unterteilt. Schön ist auch der Blick auf die vier Auspuffrohre am Heck. Sie sind „echt“ und keine aufgesteckten „Zusatzröhren“, die auf Einzelrohre montiert sind, um einen martialischen Eindruck zu erzeugen.
Wer sich fragt, wozu Spoiler zum Cruisen notwendig sind, sollte bedenken, dass der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 320 km/h erreichen kann. Und das bei einer Beschleunigung von 3,4 Sekunden von 0 auf Tempo 100 km/h.
Das sind echte Rennwagen-Werte, aber dieses Auto hat die Souveränität, damit gemütlich cruisen zu können. Wir jedenfalls haben es genossen, durch die Landschaft zu gleiten – sowohl bei offenem als auch mit geschlossenem Verdeck –, auf der Autobahn jederzeit problemlos überholen und gleichzeitig jedem Versuch widerstehen zu können, wenn sich jemand mit uns messen wollte. Wir wissen, was unser Testwagen kann, und müssen weder uns noch anderen beweisen, dass wir sehr schnell sein können. Der Wagen gibt einem die Gelassenheit und das Selbstbewusstsein, genau das zu machen, was man möchte – innerhalb der vorgegebenen Verkehrsregeln, versteht sich.
Klassischer Zweisitzer
Wenn wir offen fahren, streichelt der Fahrtwind unsere Köpfe. Meinem Lockenkopf kann das nichts anhaben. Wer glatte Haare wie mein Fahrer Franks hat, dem sei eine Mütze oder ein Basecap angeraten, sonst sieht die Frisur schnell ein wenig plüschig aus. Die Windgeräusche selbst sind auch bei offenem Verdeck so gering, dass eine Unterhaltung auch bei höheren Geschwindigkeiten kein Problem ist. Das Verdeck unseres Testwagens lässt sich sogar während der Fahrt öffnen und schließen – zumindest bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. So können wir auch innerhalb des Stadtverkehrs, ohne anzuhalten, zwischen Frischluft und Regendach wechseln.
Für einen Motor mit 620 PS verbraucht der Ferrari Roma Spider mit 10,8 Litern pro 100 Kilometer (kombiniert) einen recht moderaten Wert an Benzin. Natürlich sind knapp elf Liter nicht gerade wenig, aber in Relation zur Leistung passt das. Das alte „Normalo-Auto“ des Autors dieser Zeilen hat zum Schluss seines Dienstes mehr als elf Liter Benzin verbraucht – bei gerade einmal 147 PS.
Im Innenraum finden wir ausgesprochen bequeme Schalensitze, die dafür sorgen, dass der Rücken auch bei längerer Fahrt nicht strapaziert wird. Auch nach stundenlangem Sitzen spüre ich meinen Rücken nicht. Auch die Beinfreiheit ist für mich mit meinen 182 Zentimetern Größe ausgesprochen angenehm. Unser Gepäck haben wir allerdings auf den Rücksitzen verstaut, da der Kofferraum doch recht knapp bemessen ist. Die Rücksitze sind auch allenfalls für Kleinkinder geeignet. Erwachsene sollten hier nicht versuchen, Platz zu nehmen.
Die Instrumente im Cockpit sind übersichtlich und ergonomisch auf den Fahrer ausgerichtet. Alle wesentlichen Bedienfunktionen findet er im Lenkrad. Einige Dinge, die auch für mich als Beifahrer interessant sind, finden sich in der Mittelkonsole.
Schalter statt Sensortasten
Hier sitzt auch ein qualitativ hochwertiges, senkrechtes Display, das groß genug ist, um alle Informationen gut ablesen zu können, aber ohne gleich an den Bildschirm eines Autokinos zu erinnern. Das ganze Armaturenbrett ist sportlich gezeichnet, hat schöne Schwünge und wirkt aufgeräumt.
Mit dem Ferrari Roma auf der Autobahn schnell zu fahren, hat durchaus seinen Charme, ist aber nicht das, was uns wirklich an diesem Auto reizt. Ein echtes Vergnügen dagegen ist es, auf kurvigen Straßen durch Wälder und an Hängen entlangzufahren. Sportlich, zügig und ausgesprochen dynamisch bahnt sich der Roma Spider seinen Weg. Da bedarf es keiner Höchstgeschwindigkeiten, um das Fahren als Genuss zu empfinden. Der Roma Spider ist ohnehin ein Auto mit voller Alltagstauglichkeit. Er ist für die Fahrt zum Einkaufen ebenso geeignet wie für den Ausflug zum Golfen. Auf den Rücksitzen ist ausreichend Stauraum, um ein bestimmtes Maß an Gepäck oder Einkäufen aufnehmen zu können. Wenn das Baguette mal zu lang ist, dann macht man eben das Verdeck auf.
Ein wenig Bedauern verspüren wir dennoch, denn der Wagen wird nicht mehr neu gebaut. Er ist nur noch im Rahmen des sogenannten „Ferrari Approved“-Programms zu kaufen. Das ist ein Programm, in dem Fahrzeuge aus Vorbesitz mit Zertifikat von Ferrari verkauft werden. Diese Autos erhalten auf Wunsch bis zu einem Alter von 15 Jahren eine Garantie. Damit werden der Kauf und Unterhalt eines eigenen Ferraris leichter kalkulierbar.
Wer nicht mehr das Glück hat, dort den richtigen Ferrari Roma für sich zu finden, darf sich auf dessen Nachfolger, den Ferrari Amalfi, freuen. Der Amalfi ist noch ein wenig moderner und straffer gezeichnet als der Roma. Er hat einen sogenannten Frontlift, der die Frontpartie des Wagens um bis zu vier Zentimeter anheben kann, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 35 km/h. Das hat Vorteile, wenn man in Tiefgaragen, Parkhäuser oder auch über Bahnübergänge fahren will. Nicht immer ist die Bodenfreiheit im Normalbetrieb ausreichend, um diese Situationen zu bewältigen. Zudem hat er 20 PS mehr. In diesem Fall sorgen 640 Pferdestärken für eine Beschleunigung von 3,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 km/h.
Auch der Innenraum des Amalfi wirkt noch moderner und noch ein wenig dynamischer als der des Ferrari Roma. Das sogenannte Doppelcockpit bietet auch dem Beifahrer viele interessante Informationen, die somit auch für den Beifahrer die Fahrt noch schöner machen. Im Amalfi findet sich auch das neue Lenkrad von Ferrari. Dabei ist Ferrari von Sensortasten zu physischen Tasten und Schaltern zurückgekehrt. Sie bieten für den Fahrer mehr Gewissheit über die Befehle, die er dem Auto gibt. Der Amalfi kann bereits jetzt bestellt werden. Die Auslieferung startet voraussichtlich 2026.
Egal, ob Ferrari Roma Spider oder Ferrari Amalfi: Mit diesen Autos hat die italienische Kultmarke Sportwagen geschaffen, die das Zeug haben, jeden Design-Award zu gewinnen und zusätzlich in der Spitzenklasse der Sportlichkeit mitzuspielen. Sie sind alltagstauglich, wunderschön und können jeden begeistern. Letztlich könnte der Traum vom eigenen Ferrari nur am nötigen Kleingeld scheitern.