Die Gen Z steht nicht gerade im Ruf, besonders leistungsfähig und psychisch belastbar zu sein. Wir haben über diese und andere Zuschreibungen mit zwei 16-jährigen jungen Frauen aus Saarbrücken gesprochen.
Wie oft wurde nicht schon über die Generation Z in Talkshows diskutiert und über sie in Medien geschrieben! Allzu oft entstand dabei das Bild, sie sei zu faul, zu verwöhnt, denke nur an Freizeit und reagiere auf Arbeit eher allergisch. Der Gen Z, wie sie auch genannt wird, wurde oft attestiert, sie sei besonders technikaffin, habe ein Bedürfnis nach Sicherheit und lege viel Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Als Generation Z werden – je nach Definition – meist diejenigen Menschen bezeichnet, die Mitte der 1990er bis Anfang der 2010er Jahre geboren wurden.
Nur ist die Frage: Was ist dran an den Zuschreibungen und Vorwürfen? Ist die Generation Z wirklich nicht leistungsfähig? Unser Ansatz: nicht über diese jungen Menschen zu reden, sondern mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Genauer gesagt, sie mit eben jenen medialen Narrativen zu konfrontieren, die im Umlauf sind.
Klara Walker und Charlotte Müller sind 16 Jahre alt, leben beide in Saarbrücken und sind ziemlich beste Freundinnen. Klara und Charlotte haben bis Ende dieses Schuljahrs dasselbe Gymnasium besucht – Klara wird im kommenden Schuljahr, anders als ihre Freundin, die Schule wechseln. Die zwei gehören dem letzten G8-Jahrgang im Saarland an, was bedeutet, dass sie das Abitur in acht Jahren absolvieren müssen.
Leistungsdruck auch zu Hause
Wo erleben die zwei jungen Frauen Leistungsdruck, und wie gehen sie damit um? „Ich denke, ein ganz großer Bereich ist natürlich Schule, weil wir da eine gewisse Leistung erbringen müssen, um versetzt zu werden oder um einen gewissen Notenschnitt zu erreichen“, sagt Charlotte. Jeder gehe damit auf seine Art um. Monate, in denen sie sehr viele Klausuren schreiben muss, erlebt sie als „sehr extrem“. Auf der anderen Seite gebe es, so wie jetzt vor den Sommerferien, auch Wochen, in denen es „ein bisschen entspannter ist“. Dem stimmt Klara zu, die Schule sei ein sehr großer Faktor. „Ich finde, Leistungsdruck in Bezug auf schulische Leistungen gibt es natürlich auch zu Hause“, sagt Klara. Charlotte sieht das etwas anders: „Ich denke, so ein Druck wird einem nicht immer aktiv gemacht. Es sind ganz oft einfach Erwartungen aufseiten der Eltern, dahingehend, dass man den bisherigen Schnitt halten soll.“ Klara spricht noch etwas anderes an: dass man von ihr erwarte, dass sie sich im Haushalt beteilige. Wenn sie an manchen Tagen nach Hause kommt, Hausaufgaben machen und für Klausuren lernen muss, werde das „kritisch“ mit den an sie herangetragenen Pflichten im Haushalt, sagt sie.
Zu Vergleichen der Generation Z mit der der Babyboomer – jenen Jahrgängen, die in den kommenden Jahren in Rente gehen – haben die zwei 16-Jährigen eine klare Meinung. „Jede Generation ist anders leistungsbereit, weil jede Generation auch andere Voraussetzungen mitbringt“, sagt Klara. Gerade was den Aspekt der Digitalisierung angeht, hat die Gen Z andere Voraussetzungen als die Babyboomer. „Wir sind mit Handys, Tablets und allem Möglichen groß geworden. Wir kennen das nicht anders. Und: Wir kommen prinzipiell mit solchen Sachen besser klar und lernen schneller als jemand, der das erst mit 30 oder 40 angefangen hat zu lernen“, sagt Charlotte. Die zwei Digital Natives sehen jedoch bei der Digitalisierung nicht nur Licht, sondern auch Schatten. Im Unterricht arbeiten sie ständig mit Tablets, da gehe es nicht mehr ohne. „Wir sind quasi gezwungen, mit einem Bildschirm zu leben“, sagt Klara dazu. Die beiden Freundinnen sind zwar in Social Media unterwegs, aber dafür sehr gezielt. Charlotte folgt auf Instagram der 16-jährigen Laura Sophie Haas. „Sie hat jetzt in Österreich Abitur gemacht und zieht mit 16 nach Amsterdam, um da ein Studium anzufangen.“ Eigentlich folgt sie auf Insta vor allem ihren Freundinnen und Freunden und diversen Musikern wie Taylor Swift. Klara interessiert sich für die 27-jährige Georgia Cavallo, die singt, Videos und Podcasts produziert. „Ihr neuestes Thema ist, dass sie in Youtube-Videos darüber spricht, dass sich jede Frau so anziehen kann, wie sie will, und machen darf, was sie will, ohne sich das von irgendjemandem erlauben lassen zu müssen.“ Cool findet Klara außerdem Aria Addams, eine Dragqueen, die in Videos zusammen mit Promis backt.
Und wie sehen Charlotte und Klara den in Sozialen Medien um sich greifenden Trend zur Selbstoptimierung? Für beide ist natürlich dieser Trend nichts Neues. „Auf Social Media ist das ein großes Thema, weil es Standards gibt, in die man reinpassen soll. Man sieht in den Videos fast nur Leute, die gut in der Schule sind, die dünn sind, einen gesunden Lebensstil leben und perfekt geschminkt sind“, sagt Charlotte. Genauso wie ihre Freundin versucht sich Klara, diesem Selbstoptimierungsdruck zu entziehen. Wenn sie auf Insta Videos sieht von Leuten, die ihr sagen, wie sie sich ernähren und leben soll, ignoriert sie das und scrollt einfach weiter. „Klar, ich will auch gut sein in der Schule und gesund leben, aber nicht aus Zwang. So fühlt sich das für mich an, wenn ich mir solche Videos anschaue.“ Andererseits sagt Klara auch, dass sie es bewundert, wenn eine „mit gefühlt 17 ihr Studium beendet hat und schon als Konzertpianistin arbeitet“. Aber: Sie hadert nicht mit sich, dass sie das nicht kann und nicht machen wird.
Falsches Bild durch Social Media
Und Zukunftsängste spielen für Klara und Charlotte auch eine Rolle – wenn auch weniger die Angst vor globalen Krisen wie Krieg, Klimawandel und Autokratismus. Während Charlotte nach bestandenem Abi ein Lehramtsstudium in Saarbrücken beginnen will, wünscht sich Klara, Krankenschwester oder Ärztin zu werden. „Mein, in Anführungszeichen, Horrorszenario ist, dass ich in dem Beruf arbeite und irgendwann wirklich in einer Klinik als Krankenschwester arbeite und auf einmal merke, ich kann das gar nicht und das ist zu viel“, erzählt Klara. Dass auf Social-Media-Accounts der eigene Bildungsweg meist als lineare Erfolgsgeschichte dargestellt wird, stört die zwei jungen Frauen. „Man bekommt gesagt, dass dein Leben entlang dieser einen Linie zu verlaufen hat, und wenn sich diese Linie irgendwie verzweigt oder einen Zickzackkurs nimmt, dann ist das schon wieder falsch“, sagt Klara. Umso wichtiger finden beide, wenn es in der Biografie eine Zickzacklinie gibt, „dass man die richtigen Menschen hat, die einen unterstützen“. Ebenso wichtig wie Eltern und Freunde seien Lehrerinnen und Lehrer, die zeigen, dass „es egal ist, welchen Weg man geht“, sagt Charlotte.
Zum Abschluss an beide die Frage, ob die Generation Z wirklich nicht mehr leistungsfähig ist. Das sieht Charlotte definitiv nicht so. „Es gibt Menschen, die bereit sind, mehr zu machen, und es gibt Menschen, die suchen sich den einfacheren Weg“, sagt sie. Aber das sei nicht ein Merkmal, das nur auf die Gen Z zutreffe. Unklar sei auch, worauf sich die Leistungsfähigkeit genau bezieht. Klara findet die Frage „sehr hart formuliert“. Letztlich sind sich beide einig, dass man nicht verallgemeinern könne, ob eine Generation faul oder leistungsfähig sei. Es komme immer auf den Einzelnen an.