E-Auto über Nacht anstöpseln? Das geht ins Geld. Für lange Zeiträume erheben Stromanbieter immer öfter einen Aufschlag, damit Ladesäulen nicht als Parkplätze genutzt werden.
Das öffentliche Laden von Elektroautos ist ab diesem Sommer noch ein wenig nervenaufreibender geworden – oder fairer, je nach Sichtweise. Mit „EWE Go“ führt einer der letzten großen Ladestromanbieter eine sogenannte Blockiergebühr ein, zumindest an Partnerstationen. An eigenen Ladesäulen gibt es einen solchen Aufschlag vorerst nicht. Blockiergebühren sind Zeitaufschläge für Elektroautos, die zu lange an einer Ladestation stehen. Sie werden erhoben, damit Strom-Tankstellen nicht als Parkplätze missbraucht werden. Solche Langzeitlader sorgen immer wieder für Frust, weil andere E-Autos ihretwegen keine Stromquelle finden.
Moderne E-Autos müssen in der Regel nicht länger als 30 Minuten am Schnelllader hängen, um ihre Akkus zu 80 Prozent aufzufüllen. An langsamen Wechselstrom-Ladestationen, wie man sie in vielen Innenstädten findet, dauert es aber deutlich länger – je nach Akkugröße und Füllstand bis zu acht Stunden. Somit behagt die Blockiergebühr auch nicht allen: Stundenlang shoppen gehen oder das E-Auto über Nacht vorm Hotel aufladen? Bei einem Tarif mit Zeitaufschlag kann das schnell teuer werden.
Aufschläge weitergereicht
Konkret verlangt „EWE Go“ seit 1. August eine Gebühr von 10 Cent pro Minute, wenn man länger als vier Stunden an einer Ladestation steht. Die Zusatzgebühr ist bei 24 Euro pro Ladevorgang gedeckelt. Außerdem fällt sie nicht bei „EWE Go“-Ladestationen an, sondern nur bei Partnerstationen – also dann, wenn man mit der firmeneigenen App oder Ladekarte die Stromtankstelle eines Fremdanbieters nutzt.
„EWE Go“ ist nach eigenen Angaben Marktführer in Norddeutschland. Zwar reicht das Oldenburger Unternehmen nicht an Großkonzerne wie den Energieanbieter EnBW oder den US-Autobauer Tesla heran. Mit 3.000 Ladepunkten hat die Firma aber sehr wohl Gewicht. Auch die Standorte sind beliebt, da sie sich gut für eine – wenngleich tendenziell eher ungesunde – Essenspause eignen: Durch eine Kooperation mit McDonald’s liegen viele EWE-Go-Stationen auf den Parkplätzen der Fast-Food-Kette.
In einer E-Mail, die das Unternehmen an seine Kundinnen und Kunden verschickt hat, betont „EWE Go“, dass man an eigenen Ladestationen weiterhin auf Zeitaufschläge verzichte. „Allerdings steigt mit der Anzahl an E-Autos auch die Belastung durch Blockiergebühren, die uns von Betreibenden unserer Partner-Ladestationen weiterberechnet werden“, erklärt der Anbieter. Mit anderen Worten: Man reiche die Aufschläge nur weiter.
Erst im vergangenen Jahr hatte „EWE Go“ seine Tarifstruktur vereinheitlicht. Seither kostet der Strom an langsamen Wechselstrom-Stationen genauso viel wie an Schnellladern, nämlich 52 Cent pro Kilowattstunde (EWE-Go-Stationen) beziehungsweise 62 Cent (bei Fremdanbietern). Für alle, die vornehmlich an langsamen Stationen laden, wurde es dadurch etwas teurer. Für Schnelllader hingegen bedeutete der neue Tarif eine Preissenkung. Insgesamt bietet die Firma also ein durchaus konkurrenzfähiges Angebot. Ein weiterer Pluspunkt –
die nicht vorhandene Blockiergebühr – fällt nun allerdings weg.
Bei anderen Anbietern sind Blockiergebühren indessen schon lange üblich. EnBW verlangt sie seit 2020, ganz gleich ob an eigenen oder an externen Ladestationen. Genau wie bei „EWE Go“ sind 10 Cent pro Minute fällig, wenn man länger als vier Stunden lädt. Allerdings ist die Maximalsumme bei zwölf Euro gedeckt – beim Oldenburger Anbieter kostet es im ungünstigsten Fall doppelt so viel.
Tarifdschungel bleibt Problem
„Wir haben die Ladevorgänge an öffentlicher EnBW-eigener LadeinfraÂstruktur analysiert und festgestellt, dass 95 Prozent aller Ladevorgänge bereits nach drei Stunden beendet sind“, schreibt der Karlsruher Energieanbieter auf seiner Homepage. „Nur fünf von 100 Ladevorgängen dauern länger als drei Stunden. Trotzdem sind die Standzeiten teilweise massiv länger.“ Es gibt jedoch auch Anbieter, die noch deutlich strenger sind, so etwa der ADAC mit seinem „e-Charge“-Tarif. Während bei den dazugehörigen Aral-Pulse-Ladestationen keine Blockiergebühren anfallen, werden sie an externen Schnellladestationen schon ab 45 Minuten berechnet.
Einen Automatismus, dass sich Blockiergebühren nun flächendeckend durchsetzen, gibt es gleichwohl nicht. Wegen zahlreicher Beschwerden gehen beispielsweise die Berliner Stadtwerke den gegenteiligen Weg. Sie schafften am 1. Juli ihre Strafgelder an allen 1.400 öffentlichen Ladepunkten ab. Doch Vorsicht! Die Regelung gilt nur dann, wenn man direkt bei den Stadtwerken bezahlt, also per Kreditkarte. Wer eine „fremde“ Ladekarte oder App benutzt, wird weiterhin zur Kasse gebeten.
Wirklich einfacher wird der elekÂtromobile Tarifdschungel also künftig nicht. Gerade Neulinge und Mieter, die zu Hause keine eigene Wallbox haben, dürften mit solchen Regelungen weiterhin fremdeln.