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WAS MACHT EIGENTLICH...

London 2009: Haas im Halbfinale der Herren gegen Roger Federer in Wimbledon
Foto: picture-alliance/ dpa

Tommy Haas?

In seiner Tennis-Karriere holte er 2000 Olympia-Silber im Einzel, schaffte es 2001 auf Platz zwei der Weltrangliste und wurde 2005 Team-Weltmeister. 2018 beendete er seine Laufbahn. Seit 2016 ist der heute 47-Jährige Turnierdirektor des Indian Wells Masters.

Tommy Haas, der zu seinen besten Zeiten zu den Top 20 der Tennis-Weltelite zählte, hat nun gerade die fünfte Saison in der Herren-30-Mannschaft des Bundesligisten TC Großhesselohe hinter sich. Es sei etwas ganz Besonderes, dort Teil der 100-jährigen Vereinsgeschichte zu sein. Außerdem konnte der Deutsche mit dem zusätzlichen US-Pass bei seinen Bundesligaeinsätzen in Deutschland immer seine Eltern und Geschwister sehen. Bis vor Kurzem hatte Haas nämlich in den USA gelebt, wo es keine Ligaspiele für Seniorenteams gibt, so dass er für einen hiesigen Club antreten musste. Inzwischen hat er seinen Wohnsitz nach München verlegt, auch wenn er als Turnierdirektor von Indian Wells einen Großteil seiner Zeit noch in den USA verbringt. Er freut sich, wenn seine Kinder bald nach Deutschland nachkommen „und etwas von der Kultur hier mitbekommen“, schrieb er kürzlich auf der Website des TC Großhesselohe. Im Juli dieses Jahres stand Haas nach über achtjähriger Pause auch wieder auf dem Center-Court in seiner Geburtsstadt Hamburg: Beim MSC Hamburg Ladies Open besiegte er in einem sogenannten Exhibition-Spiel den ehemaligen österreichischen US-Open-Champion Dominic Thiem mit 6:2 und 6:4. 

Tennis begleitet ihn noch täglich

Tommy Haas bei der Eröffnung des Laver Cup 2024 im Westhafen Event- und Kongresszentrum in Berlin
Tommy Haas bei der Eröffnung des Laver Cup 2024 im Westhafen Event- und Kongresszentrum in Berlin - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

„Hamburg bleibt immer ein besonderer Ort für mich und leider habe ich in den letzten Jahren zu wenig Zeit hier verbracht!“, bekannte Haas im „Hamburger Abendblatt“ nach seiner von den Zuschauern bejubelten Rückkehr. Die Zeit in Hamburg habe er dann noch genutzt, um dort alte Freunde zu treffen und alte Tennisplätze seiner Kindheit zu besuchen. Noch am Tag vor seinem Match gegen Thiem wurde Haas mit den Ü30-Herren des TC Großhesselohe deutscher Vizemeister und steuerte einen Einzelsieg bei. Tennis begleite ihn täglich, nicht nur durch seine Tätigkeit als Turnierchef, sondern auch privat, betonte Haas: „Ich werde noch so lange Tennis spielen, wie es irgendwie geht.“ Dass er dann gelegentlich noch zu Show-Spielen wie jetzt in Hamburg eingeladen werde, empfinde er als „absolutes Privileg!“

Da Haas häufig zwischen Deutschland und den USA pendelt, kann er gut die verschiedenen Sportkulturen vergleichen. Auch in Deutschland gebe es für Tennis sehr gute Voraussetzungen. Das hierzulande angenehme Leben und die vielfältigen Entfaltungsmöglichkeiten führten aber „fast zwangsläufig dazu, dass man auch etwas bequem wird“. Umso mehr benötige der deutsche Nachwuchs die richtige Einstellung zum Profisport, um gegen die „hungrige“ Konkurrenz aus weniger bevorzugten Ländern bestehen zu können. Bei den jungen Spielern sieht Haas derzeit viel Potenzial bei Justin Engel, Diego Dedura oder Max Schönhaus: „Ich bin gespannt, was diese Jungs in Zukunft bringen!“

Einem weiteren, fünften Grand-Slam-Turnier, wie es der dortige Verband für Italien fordert, steht Haas skeptisch gegenüber: „Ich bin da generell schon sehr traditionell eingestellt!“, gibt er zu und freut sich zugleich, dass das von ihm seit 2016 als Direktor geleitete Masters in Indian Wells eigentlich schon als eine Art „fünftes Masters“ zählt. „Wenn es mit einem weiteren Slam konkret würde, wären wir in Kalifornien sicher weit vorne im Gespräch.“ Haas bedauert, dass die deutsche Nummer eins Alexander Zverev bisher noch keinen Masters-Sieg zu verzeichnen hat, obwohl er das Zeug dazu habe: „Wenn er da zukünftig mit etwas mehr Aggressivität und Risiko zur Sache geht, sollte es mit dem Grand-Slam-Titel bald klappen!“ Allerdings müsse man anerkennen, dass Zverev „bislang schon eine unglaubliche Karriere abgeliefert hat. Ich glaube, er weiß selber genau, was er da noch zu tun hat“, gibt Haas sich bei „TennisNet“ optimistisch in Bezug auf mögliche Grand-Slam-Siege seines deutschen Kollegen.

„Daddy und Coach fürs Leben“

Haas selbst, der in seiner Karriere immer wieder von schweren Verletzungen gebremst wurde, zählt sich selbstbewusst „zu einem Kreis von circa zehn Spielern, die einen Grand Slam hätten gewinnen müssen oder sollen“. Gelegentlich wurde er früher in Fachkreisen sogar als „bester Spieler ohne Grand-Slam-Titel“ bezeichnet. Durch Verletzungen und „gewisse Situationen habe ich es halt leider nicht geschafft“, gibt er zu. Aufgrund seiner vielen Erfolge, zu denen auch 15 ATP-Titel gehören, wäre es naheliegend, dass Haas seine Erfahrungen heute als Trainer an Top-Spieler oder den Nachwuchs weitergeben würde. 2018 hatte er diesbezüglich als Berater des französischen Profis Lucas Pouille kurzzeitig erste Erfahrungen gesammelt. Dass er in naher Zukunft einmal als Full-Time-Coach arbeiten könnte, kann Haas sich „eigentlich nicht so“ vorstellen, weil er dann wieder 40 Wochen im Jahr unterwegs sein müsste. Dazu sei er heute noch nicht bereit, „aber man weiß ja nie, was in ein paar Jahren passiert“, sagt er und lässt sich damit ein Hintertürchen offen. Derzeit versuche er lieber, seine Zeit „bestmöglich für meine Kinder (15 und zehn Jahre) zu nutzen und bin da der Daddy und Coach fürs Leben“. 

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