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WAS MACHT EIGENTLICH...

Die Moderatorin in der Kulisse der „100.000 Mark Show“, eine Spielshow bei RTL, die von 1993 bis 2000 gesendet wurde
Foto: picture alliance / Horst Galuschka

Ulla Kock Am Brink?

Mit Quiz-Sendungen war sie ab den 90ern als TV-Moderatorin erfolgreich. Danach arbeitete sie bis 2023 für wechselnde Sender. Heute lebt die 64-Jährige in dritter Ehe auf Sylt, talkt dort bei einem Lokalsender, schrieb 2022 ihre Autobiografie und denkt sich TV-Serien aus.

Während sie früher sogar am Samstagabend die Zuschauer in Massen an den Bildschirm locken konnte, backt Ulla Kock am Brink heute kleinere Brötchen. Sie vermisst aber das große Publikumsinteresse nicht und ist stolz auf ihre Erfolge in den Anfangsjahren, wo sie als erste Frau in einem Samstagabendformat wie „Die 100.000 Mark Show“ langjährig ein Millionenpublikum an den Bildschirm locken konnte. Anschließend reihte sie noch viele weitere Erfolge aneinander und ergatterte immer wieder neue Jobs: „Ich habe damals alles moderiert, was nicht bei drei auf den Bäumen war!“, scherzte sie vor ein paar Monaten im Interview. Der einzige richtige Flop sei 1998 ihr tägliches Late-Night-Talkformat „Die Ulla Kock am Brink-Show“ gewesen. Trotz eines Vertrags über 280 Shows war nach zwei Monaten und 40 Folgen Schluss, weil die Quoten nicht stimmten: „Das war die Hölle“, erinnert sich Kock am Brink nicht so gerne zurück, obwohl der Sender hinterher eigene konzeptionelle Fehler eingestanden habe. Sie als Mittdreißigerin habe damals gedacht: „So, das war’s jetzt. Damit ist deine Karriere vorbei“, erzählte sie 2023 der „Bunten“. Zwar führte sie danach noch durch viele Sendungen, vor allem Gameshows, moderierte Galas und Preisverleihungen und arbeitete eine Zeit lang mehr hinter der Kamera als davor, indem sie redaktionell für einige Showgrößen tätig war. 

Ein Karriere-Auf-und-ab

Ulla Kock am Brink lebt heute mit ihrem dritten Mann Peter Fissenewert auf Sylt
Ulla Kock am Brink lebt heute mit ihrem dritten Mann Peter Fissenewert auf Sylt - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Vor drei Jahren erhielt Kock am Brink dann Angebote, im Zuge der TV-Retro-Welle Neuauflagen ihrer früheren Quotenbringer „100.000 Mark Show“ und „Die perfekte Minute“ noch mal zu moderieren. Die erhofften Zuschauerzahlen blieben aber aus, und die Sendungen verschwanden 2022/23 wieder vom Bildschirm. „Mir war von vornherein klar, dass das keine Dauerbrenner werden“, betonte Kock am Brink im Vorjahr. Im besten Fall hätten die Macher nach dem Neustart an ein, zwei Folgen im Jahr gedacht. Daraus wurde dann aber nichts. Die Moderatorin steht trotzdem dazu, weil sie mit ihrem Comeback auch ein Zeichen setzen wollte, dass eine Frau mit 60 noch vor der Kamera auftreten kann. Als weniger angenehm empfand sie nur den Umgang miteinander, was sie aber auch als Zeichen geänderter gesellschaftlicher Gepflogenheiten einstuft. „Heute würde ich keine Fernsehkarriere mehr anfangen, weil das brandgefährlich für die Seele ist, gerade jetzt durch die sozialen Medien.“ Man sei nämlich nicht mehr nur den Meinungsführern der Klatschblätter ausgesetzt, sondern jeder „kann öffentlich kundtun, wie scheiße er dich findet.“ Sie sei gespannt, „was das mit den jungen Menschen macht.“ Das ständige Auf und Ab in ihrer Branche kenne sie nun schon 35 Jahre. Inzwischen sei sie längst „gesettelt“ und brauche nicht mehr jeden Job anzunehmen. „Mal sehen, was noch kommt! Wenn nichts kommt: auch gut!“ Kock am Brink definiert sich heute nicht mehr über ihren Beruf und denkt nicht jammernd an bessere Zeiten zurück. „Ich liebe es, zu moderieren, aber ich kann auch ohne. Mein Mindset ist so breit gefächert: Ich schreibe gerne, ich erfinde gerne Serienstoffe, bewege mich viel, bin auch gerne faul und habe viele Freunde!“

Wandert und kocht gerne

Während der Corona-Pandemie hat sie sich mit ihrem dritten Ehemann, dem Juristen Peter Fissenewert, von Berlin nach Sylt zurückgezogen. Sie liebt das Leben an der Küste, wo es statt „Großstadt-Wahnsinn“ ausreichend Ruhe gibt. Auf der Insel ist sie auch wieder als Moderatorin tätig, wenn auch im Kleinformat: Für den Sylter Privatsender „TV Sylt I“ unterhält sie sich gemeinsam mit dem Kollegen Jan Scharfe beim „Beach House Talk“ mit interessanten Insel-Persönlichkeiten. Kock am Brink hat vor zwei Jahren ihre Erinnerungen „Die Glücksritterin. Leben ist, wenn man trotzdem lacht!“ zu Papier gebracht und liest daraus gelegentlich vor Publikum. Schon länger versucht sie sich auch an Drehbüchern für Fernsehformate, „weil ich Bock drauf habe, nicht um unbedingt etwas zu verkaufen.“ Da sie bei den meisten Büchern ohnehin zu viel Bammel habe, sie an Sender abzuschicken, liegen sie ungenutzt zu Hause herum. „Vielleicht schicke ich ja mal alles, was ich geschrieben habe, in einem großen Paket an die Sender los!“, macht sie sich selber etwas Mut. Derzeit habe sie gerade eine Serie im Kopf, in der es um eine Anwaltskanzlei geht. „Aber ich trau mich noch nicht dran.“

Zusammen mit ihrem Mann Peter macht sie sich seit 2022 das Leben auf Sylt schön, freut sich als Hobbyköchin über ein gelungenes Essen oder über ausgedehnte Rad- oder Wandertouren auf der Insel. Um sich fit zu halten, absolviert sie ein ärztlich kontrolliertes Präventivprogramm und arbeitet mit einem Personaltrainer. Endgültig an den Ruhestand denkt Kock am Brink aber noch nicht, obwohl sie und ihr Mann „gut von dem leben können, was wir uns erarbeitet haben.“ Sie sei inzwischen „fein“ mit ihrem Leben als „Ulla“, auch mit ihren „Fehlentscheidungen“. 

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