Die große Gala zu Ehren der Saarsportler des Jahres 2021 musste zwar verschoben werden – die Siegerinnen und Sieger stehen aber fest: Bahnrad-Olympiasiegerin Lisa Klein, Vize-Olympiasieger im Tischtennis Patrick Franziska und die Mannschaft des 1. FC Saarbrücken Tischtennis.
Sie hätten in einem würdevollen Rahmen geehrt werden sollen – doch die Corona-Pandemie hat es verhindert. Oder besser: verschoben. Die Rede ist von den alljährlich vom Verein Saarländische Sportjournalisten sowie den Fachverbänden im Landessportverband für das Saarland (LSVS) gewählten Saarsportlern des Jahres. „Eigentlich war am 18. Dezember eine richtig tolle Gala mit festlichem Rahmen im Theater am Ring in Saarlouis geplant. Leider Gottes fällt diese pandemiebedingt aus", sagt Organisator Thomas Wollscheid. Das Ergebnis der Wahl wurde daraufhin schon Anfang Dezember veröffentlicht. Demnach ist die Bahnrad-Olympiasiegerin von Tokio, Lisa Klein, Saarsportlerin des Jahres 2021. Bei den Männern setzte sich Tischtennis-Nationalspieler Patrick Franziska durch, die beste Saarsport-Mannschaft des Jahres wurde Franziskas 1. FC Saarbrücken Tischtennis.
Gala zur Wahl wegen Corona verschoben
Auf Klein, die in der Mannschaftsverfolgung Olympia-Gold gewann, entfielen 52,42 Prozent der Stimmen. Sie setzte sich damit klar gegen Turnerin Pauline Schäfer-Betz aus Bierbach (19,41 Prozent), WM-Dritte am Schwebebalken, und Triathletin Anne Haug vom LAZ Saarbrücken (12,86 Prozent), die in diesem Jahr das prestigeträchtige Rennen „Challenge Roth" gewann, durch. Für Franziska, der an der Seite von Timo Boll und Dimitri Ovtcharov in Tokio olympisches Silber mit der Mannschaft holte, stimmten 42,33 Prozent. Er landete ebenfalls klar vor dem Zweitplatzierten Ringer Etienne Kinsinger vom KSV Köllerbach (8,1 Prozent), der sich erstmals für Olympische Spiele qualifizieren konnte, und Triathlon-Star Jan Frodeno vom LAZ Saarbrücken (7,78 Prozent), der eine neue Weltbestzeit auf der Langdistanz aufgestellt hatte. Bei der Wahl zur Mannschaft des Jahres ging es wesentlich enger zu. Der FCS-Tischtennis, deutscher Vizemeister und Champions League-Zweiter, hatte mit 28,26 Prozent die Nase nur hauchdünn vor dem Triathlon-Bundesligist Hylo Team Saar (26,08 Prozent), der auf sensationelle Art und Weise erstmals in seiner Geschichte Deutscher Mannschaftsmeister wurde. Dritter wurde in dieser Kategorie der Deutsche Badminton-Meister 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim mit 16,91 Prozent der Stimmen.
„Das Ergebnis war noch nie so klar und selten so eng", sagt Dr. Thorsten Klein, Vorsitzender des Vereins Saarländische Sportjournalisten (VSS) und ergänzt: „Bei den Einzelsportlern hatten wir dank der Erfolge bei den Olympischen Spielen deutliche Ergebnisse. Bei der Mannschaft des Jahres haben nur neun Stimmen den Ausschlag gegeben." Thorsten Klein ist seit dem Sommer VSS-Vorsitzender und folgte auf den langjährigen Vorsitzenden Thomas Wollscheid, der die diesjährige Saarsportlerwahl jedoch noch wie zuvor federführend betreut. SR-Journalist Wollscheid hatte sein Amt an der VSS-Spitze nach 16 Jahren zur Verfügung gestellt. Auf seinen Vorschlag wurde der gelernte Sportjournalist, selbstständige Kommunikationsberater und frühere Regierungssprecher Thorsten Klein zum neuen Vorsitzenden gewählt. Aufgrund der erneuten Verschärfung der pandemischen Lage hat der VSS-Vorstand beschlossen, die Preisverleihung ins erste Halbjahr 2022 zu verschieben. „Wir haben die Sportlerin und die Sportler des Jahres mit einer Videobotschaft überrascht und ihnen herzlich gratuliert", sagt Klein. Patrick Franziska meldete sich prompt und schrieb: „Vielen Dank für die Auszeichnung. Ich freue mich sehr darüber und darauf, wenn wir uns mit der Viktoria (Anm. d. Red.: Die Saarsportler des Jahres-Trophäe) nächstes Jahr sehen." Weil er an der Seite von Darko Jorgic, Shang Kun und Tomas Polansky auch die Mannschaftswertung gewonnen hat, darf er gleich zwei Viktorias in Händen halten. „Wir sind stolz, wieder zur Mannschaft des Jahres im Saarland gewählt worden zu sein. Das gibt uns Kraft, auch weiterhin Erfolge für das Land und den 1. FC Saarbrücken Tischtennis zu produzieren", sagte FCS-Sportchef Erwin Berg dem SR und ergänzte: „Ich bin sehr glücklich, dass unsere Jungs verdientermaßen diese Ehrung bekommen haben."
Patrick Franziska wurde nach 2018 bereits zum zweiten Mal zum Saarsportler des Jahres gewählt. Seit 2016 steht der 29-jährige Doppel-Europameister des gleichen Jahres beim 1. FC Saarbrücken unter Vertrag. Seine sportliche Karriere startete nicht an der Platte, sondern auf der Matte: Im Alter von drei Jahren nämlich ging er zum Kinderturnen beim TV Nieder-Klingen. Erst 1998, also mit sieben Jahren, fing der gebürtige Bensheimer beim TSV Höchst im Odenwald mit dem Tischtennisspielen an. Im wahrsten Sinne des Wortes ging es dann Schlag auf Schlag: Im Jahr 2000 wurde er in den hessischen Landeskader aufgenommen, zwei Jahre später in den Nationalkader. 2009 debütierte er bei der TG 1837 Hanau in der Bundesliga, wo er vor seinem Wechsel nach Saarbrücken für den TTC RhönSprudel Fulda Maberzell (2012–2014) und Borussia Düsseldorf (2014–2016) spielte.
Klein zum dritten Mal Sportlerin des Jahres
Lisa Klein ist nach 2018 und 2019 zum dritten Mal Sportlerin des Jahres geworden. Die 25-jährige Radsportlerin aus Völklingen-Lauterbach legte den Grundstein für ihre Erfolge beim RSC Überherrn. Zusammen mit ihren Nationalmannschafts-Teamkolleginnen Mieke Kröger, Franziska Brauße und Lisa Brennauer hat sie dann in Tokio Geschichte geschrieben: Drei Weltrekorde innerhalb von 25 Stunden sprechen eine klare Sprache. Um ein Haar überrundeten Klein und Co. im Finale der Mannschaftsverfolgung die Silbermedaillen-Gewinnerinnen aus Großbritannien. Die Uhr stoppte im olympischen Finale im Izu Velodrome von Tokio bei 4:04,242 Minuten – und damit satte sechs Sekunden früher als beim 2016 aufgestellten Weltrekord der Britinnen. Schon in der Qualifikation hatten die Deutschen den gerade erst fünf Jahre alten Rekord um drei Sekunden verbessert. Zwar holten ihn sich die Britinnen in ihrem Lauf wieder zurück, aber nur für zehn Minuten. Dann legten Lisa Klein und Co. nach. Im Finale dann folgte eine regelrechte Machtdemonstration. „So etwas gibt es in olympischen Finalläufen eigentlich nicht. Da geht es normalerweise um Sekundenbruchteile. Was dieser Bahnrad-Vierer geleistet hat, war schon sensationell", staunte Prof. Dr. Klaus Steinbach, Vorsitzender der Sportstiftung Saar, nach der Rekordfahrt und ergänzte: „Das Saarland kann sehr stolz sein, eine solche Athletin hervorgebracht zu haben."
Bis zur Preisverleihung mit der goldenen Viktoria müssen sich die Siegerinnen und Sieger der Saarsportlerwahl 2021 noch bis zum Frühjahr 2022 gedulden. „Der VSS hat sich nun überlegt, stattdessen im Frühjahr 2022 eine Art Saarsport-Party zu veranstalten, in deren Rahmen der Siegerin und den Siegern ihre Viktoria übergeben wird", kündigt Thomas Wollscheid an. Am 17. Dezember 2022 soll dann die Gala in Saarlouis zu Ehren der Saarsportler 2022 stattfinden. „Wir wollen das für dieses Jahr geplante Konzept dann eins zu eins umsetzen", kündigt VSS-Chef Thorsten Klein an: „Die Zusagen an die Künstlerinnen und Künstler, die wir für dieses Jahr gegeben hatten, halten wir 2022 aufrecht."