Ein Komet droht die Erde zu zerstören und niemand schaut hin. In der starbesetzten Antihelden-Blockbuster-Satire „Don’t Look Up“, die bei Netflix zu sehen ist, wollen Jennifer Lawrence und Leonardo DiCaprio die Welt retten.
Jetzt mal ehrlich: Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Ihr Leben in wenigen Monaten durch den Einschlag eines Kometen beendet werden würde? Könnten Sie noch ruhig schlafen? Würden Sie es überhaupt glauben? Schließlich haben Sie diesen Kometen ja noch nicht einmal mit eigenen Augen gesehen ... Aus wissenschaftlicher Sicht ist es natürlich sehr unwahrscheinlich, dass die Erde in nächster Zeit von einem großen Kometen oder Asteroiden getroffen wird. Dennoch, die Wahrscheinlichkeit, dass wir irgendwann mit einer derartigen Katastrophe konfrontiert werden, liegt bei 100 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass es morgen oder übermorgen geschieht, ist jedoch verschwindend gering. Ein Herzinfarkt oder ein Unfall im Haushalt oder Straßenverkehr wären viel wahrscheinlicher. Dennoch ist man sich in wissenschaftlichen Kreisen der drohenden Gefahr bewusst und arbeitet an möglichen Szenarien, wie man beispielsweise einen Asteroiden von seiner Flugbahn ablenken könnte, um einen Einschlag auf der Erde zu verhindern. Zudem beobachten Astronomen auf der ganzen Welt potenziell gefährliche Himmelskörper und berechnen ihre Bahnen.
Keine Zeit für die Apokalypse
So auch in „Dont Look Up“: Kate Dibiasky (Jennifer Lawrence), eine etwas unkonventionelle Doktorandin in Astronomie an der Michigan State University, entdeckt eines Tages einen sehr großen Kometen, der nach den Berechnungen ihres Professors, Dr. Randall Mindy (Leonardo DiCaprio), in ungefähr sechs Monaten auf der Erde einschlagen wird. Mit verheerenden Konsequenzen für die Menschheit. Mithilfe des Vorsitzenden der Planetary Defense Organisation der Nasa, Dr. Teddy Oglethorpe (Rob Morgan), wenden sich die beiden verunsicherten Astronomen ans Weiße Haus und erwarten, dass die Präsidentin Janie Orlean (Meryl Streep) sofortige Maßnahmen ergreift, um die Katastrophe zu verhindern. Das tut sie jedoch nicht, da ihre Wahl bevorsteht und sie dieses unerfreuliche Thema am liebsten ganz unter den Teppich kehren würde. Daraufhin wenden sich Kate und Dr. Mindy verzweifelt an die Medien und versuchen, die Öffentlichkeit auf ihre Entdeckung aufmerksam zu machen. Ein Spiel mit der Zeit beginnt und bald schon merken die beiden Astronomen, dass wissenschaftliche Fakten nicht gerne gehört werden, schon gar nicht, wenn sie solch katastrophale Nachrichten überbringen. „Don’t Look Up“ gehört ironischerweise zu den Filmen, deren Drehbeginn mehrmals wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste. Erst Ende 2020 konnten die Dreharbeiten beginnen. Regisseur Adam McKay („The Big Short“, „Vice – Der zweite Mann“) ist es dennoch gelungen, ein echtes Starensemble zusammenzubringen. Allein Ron Perlman als alter weißer Mann, der die Erde in Bruce-Willis-Manier retten soll und schließlich im Wild-West-Stil einfach mit einem Maschinengewehr auf den Kometen schießt, ist in einer Nebenrolle ein echter Knaller und sorgt für diverse Lacher, die immer auch mit Gesellschaftskritik verbunden sind, hier etwa mit der Demontierung des wütenden weißen Mannes. Darüber hinaus überzeugt Meryl Streep als weibliches Pendant zu Donald Trump und Cate Blanchett zeigt neue Facetten ihrer Schauspielkunst als Moderatorin einer TV-Show, die mit wissenschaftlichen Themen nicht umgehen kann.
Mit Gewehren auf Kometen schießen
Je näher der Komet kommt, umso absurder werden die Reaktionen darauf. Die Präsidentin beschwört ihre Wähler mit einer absurden „Dont look up“-Kampagne und Verschwörungstheorien breiten sich sprunghaft aus. Einfach nicht hinsehen ... Die wissenschaftliche Aufklärung verschwindet hinter einer inszenierten Show aus Hysterie und Verdrängungsmechanismen und die Apokalypse scheint unaufhaltsam.
„Dont Look Up“ passt in die heutige Zeit wie die Faust aufs Auge und ist eine eindringliche Mahnung an alle, die glauben, man könnte durch Fake News, Wissenschaftsfeindlichkeit und oberflächliche Medienberichterstattung zukünftige Katastrophen sowie die Spaltung von Gesellschaften verhindern. Die bitterböse Satire lässt sich in erster Linie als Allegorie auf die Trump-Regierungszeit, die Klimadebatte und die Corona-Pandemie lesen. Gerade vor dem aktuellen Geschehen ein ungemein wichtiger Film in einer fragilen Welt.