Die 22. Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken findet vom 12. bis 15. Oktober statt. Auf dem Programm stehen eine Bücherschau, Workshops und Lesungen. Die Autorin Silke Schlichtmann wird ihr Buch „Reißaus mit Krabbenbrötchen" vorstellen.
Frau Schlichtmann, im Zentrum Ihres aktuellen Buchs „Reißaus mit Krabbenbrötchen" steht Opa Peter, der „nicht mehr ganz richtig im Kopf" ist, also Symptome einer beginnenden Demenz zeigt, und damit auch das Leben seiner Tochter und Enkel durcheinanderbringt ...
Ja, wobei wir es hier mit einer Situation zu tun haben, in der noch nicht ganz klar ist, wie es beim Großvater weitergehen wird. Es geht um die Grauzone, in der auch Spezialisten noch nicht vorhersagen können, ob sich das Ganze in Richtung manifeste Demenz weiterentwickelt oder auf einer Ebene stehen bleibt, die im Alter irgendwann praktisch jeden ereilt. Die Tochter glaubt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für einen Umzug ins Altersheim wäre. Die Enkelin Jonte ist entsetzt von dieser Idee und setzt alle Hebel in Bewegung, um diesen Schritt zu verhindern. Der Großvater selbst versucht dem viel entgegenzusetzen und weiß zuweilen selbst nicht, wohin die Reise gehen soll. Mich hat beim Schreiben also beschäftigt, wie verschieden die Perspektiven auf dieselben Vorkommnisse ausfallen und welche Sorgen, Ängste, Hoffnungen und Handlungsmechanismen dies bei allen Beteiligten auslöst.
Trotz des schwierigen Themas beschreibt der Verlag das Werk als „witzige und warmherzige Familiengeschichte". Haben Sie beim Schreiben besonders darauf geachtet?
Mir ist es tatsächlich ein Anliegen, auch schwierige Themen nicht drückend-schwer zu erzählen, sondern trotz aller Probleme stets eine gewisse Leichtigkeit und etwas Witz in die Geschichte zu bringen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass ich das Thema, also in diesem Fall die drohende Demenz, nicht ernst nähme. Vermutlich ist es einfach so, dass ich selbst es als Leserin sehr schätze, wenn es einem Text gelingt, mich beim leisen Lesen zum lauten Lachen zu bringen.
Viele Ihrer Bücher sind Plädoyers für den Zusammenhalt in der Familie. Ein Herzensanliegen?
Ich verstehe natürlich, dass man meine Bücher so lesen kann. Mit gleichem Recht könnte man sie aber auch als Beschreibungen dessen begreifen, was in Familien alles nicht so wirklich gut funktioniert – denn es gibt ja beispielsweise auch Streit und misslingende Kommunikation. Und vielleicht ist es einfach so, dass ich schreibend, aus der Perspektive meines Kind-Ichs, begreife, dass Lösungen oft am besten klappen, wenn alle zusammenwirken – was in der Regel bedeutet, dass alle von ihren ureigenen Interessen ein Stück weit abrücken und dadurch aufeinander zugehen.