Innerhalb einer Gala im Theater am Ring in Saarlouis wurden Marathon-Europameister Richard Ringer, Bahnrad-Europameisterin Lisa Klein und Fußball-Drittligist SV Elversberg als die Besten ausgezeichnet.
Betrachtet man die Leistungen der Nominierten im Jahr 2022, so hätten sich gleich mehrere Sportlerinnen, Sportler und Mannschaften eine Auszeichnung verdient. Doch das Reglement der „Saarsportlerwahl“ schreibt vor: Es kann jeweils nur eine oder einen geben. Umso mehr dürfen sich Radsportlerin Lisa Klein, Marathonläufer Richard Ringer und Fußball-Drittligist SV Elversberg freuen. Sie haben sich gegen die hochkarätige Konkurrenz durchgesetzt und tragen nun die Titel Saarsportlerin, Saarsportler und Mannschaft des Jahres 2022. Gewählt wurden sie von den Sportfachverbänden im Landessportverband für das Saarland (LSVS) und den Mitgliedern des Vereins Saarländischer Sportjournalisten (VSS). Gekürt wurden sie am vergangenen Samstag innerhalb einer vom VSS in Kooperation mit der Kreisstadt Saarlouis ausgerichteten Gala im Theater am Ring in Saarlouis. Vor den Augen des neuen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und damit obersten deutschen Sportfunktionär Thomas Weikert, seinem saarländischen Pendant Heinz König, dem Präsidenten des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS), und dem saarländischen Innen- und Sportminister Reinhold Jost.
„Gekämpft, um dranzubleiben“
„Ich habe immer wieder gekämpft, um dranzubleiben und letztlich haben mich die Emotionen des Publikums so gepusht, dass auf einmal etwas möglich wurde, was normal nicht möglich gewesen wäre“, sagte Richard Ringer nach seinem bisher größten Erfolg als Marathonläufer im Gespräch mit FORUM. Wenige Tage zuvor hatte sich der 33-jährige Athlet des LC Rehlingen in München mit einem sensationellen Schlussspurt über mehrere Hundert Meter den Europameistertitel im Marathon gesichert. Ein Finale für die Geschichtsbücher, das weltweit für Aufsehen sorgte. Diese Leistung erkannten auch die Sportexperten im Saarland an und wählten den gebürtigen Baden-Württemberger zum Saarsportler des Jahres 2022. Seine Preise, darunter die goldene „Viktoria“, wurden Ringer von Thomas Klein vom LC Rehlingen und von Günter Eller (IKK Südwest) überreicht. Auf Platz zwei der Abstimmung landete Fußball-Europa-League-Sieger Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt) aus Merzig vor Badmintonspieler Marvin Seidel (1. BC Wipperfeld) aus St. Ingbert, der erstmals Europameister im Doppel wurde.
„Für uns ist diese Auszeichnung die Krönung“, antwortete Horst Steffen, Trainer der SV Elversberg, auf die Frage von Moderatorin Carmen Bachmann, ob er auf ein perfektes Jahr zurückblicken könne. Seine Mannschaft hatte sich die Auszeichnung redlich verdient: Nach dem Aufstieg in die 3. Liga, dem Saarlandpokal-Sieg und der DFB-Pokal-Sensation gegen Champions League-Teilnehmer Bayer 04 Leverkusen (4:3-Erfolg in der ersten Runde) stellte das Team in der neuen Liga gleich einen Rekord auf: Die SVE ist der beste Drittliga-Aufsteiger aller Zeiten und überwintert hochverdient auf Platz eins. „Erfolg ist planbar. In Elversberg begann der Prozess vor vier Jahren mit dem tollen Schachzug, Nils-Ole Book als Sportlicher Leiter und Horst Steffen als Trainer zu verpflichten“, lobte Margret Kratz bei ihrer Laudatio. Die frühere Landestrainerin des Saarländischen Fußballverbands ist seit anderthalb Jahren Trainerin der ungarischen Frauen-Nationalmannschaft. „Das Präsidium des Vereins gab den beiden die Möglichkeit, kontinuierlich und vor allem in Ruhe eine Mannschaft aufzubauen. Das gibt es im Fußballgeschäft sehr selten“, sagte Kratz, während VSS-Präsident Thorsten Klein den Preis überreichte, und betonte: „Die Erfolge sind demnach kein Zufall, sondern alles wurde sehr sorgfältig und strukturiert aufgebaut.“ Hinter der SVE landete etwas überraschend der frisch gebackene Deutsche Mannschaftsmeister im Rettungsschwimmen, die DLRG Völklingen, auf Platz zwei und Titelverteidiger 1. FC Saarbrücken Tischtennis auf Platz drei.
Wenig überraschend war hingegen die Wahl von Lisa Klein zur Saarsportlerin des Jahres. Die Radsportlerin hatte die Abstimmung schon in den Jahren 2018, 2019 und 2021 für sich entschieden. Ihre jetzige Auszeichnung 2022 erhielt die Lauterbacherin, die wegen eines Trainingslagers per Video zugeschaltet war, nach dem Gewinn der Goldmedaille in der Bahnrad-Teamverfolgung bei den Europameisterschaften in München. In einem hochklassigen und bis zum Ende spannenden Finale setzte sich die Olympiasiegerin von Tokio 2021 mit ihren Teamkameradinnen gegen Italien durch: „Das war das längste Rennen in meinem Leben“, gab sie anschließend zu. Mit ihren nun insgesamt vier Auszeichnungen ist sie zusammen mit der früheren Leichtathletin Shanta Ghosh die am häufigsten gewählte Saarsportlerin. Ihren Preis nahm stellvertretend ihr früherer Trainer vom RSC Überherrn, Michael Spang, von VSS-Vizepräsident Arno Boes entgegen. Hinter Klein landeten die Mixed-Europameisterin im Badminton, Isabel Lohau (1. BC Bischmisheim), und Triathletin Anne Haug (LAZ Saarbrücken), die beim Ironman auf Hawaii Dritte wurde.
Lisa Klein bereits zum vierten Mal geehrt
Im Rahmen der „Saarsportler-Gala“ wurden auch die besten Nachwuchsathleten des Landes ausgezeichnet. Sie wurden nicht von den hiesigen Sportjournalistinnen und -journalisten gewählt, sondern vom Landesausschuss Leistungssport (LAL) bestimmt. Dabei hatte der 17 Jahre junge Turner Daniel Mousichidis die Nase vorn. Das Talent vom TV Schwalbach ist bereits eine feste Stütze im Bundesligakader der TG Saar und räumte bei den Jugend-Europameisterschaften mächtig ab: Unter anderem wurde er Mehrkampf-Europameister. Auf Platz zwei landete Jasper Ortleb vom Triathlon Team Saar und als drittbeste Nachwuchssportlerin wurde Läuferin Maja Schorr ausgezeichnet.
Für die musikalischen Höhepunkte des Rahmenprogramms der Saarsportler-Gala zeichnete das Gunni Mahling Showensemble samt Orchester verantwortlich. Mit klang- und stimmgewaltigen Interpretationen von Hits wie „Someone Like You“ (Adele) oder „One Moment in Time“ (Whitney Houston), aber auch eigenen Kreationen sorgten die Musikerinnen und Musiker um die Sängerinnen Jennie Kloos, Sue Lehmann und Co. für den einen oder anderen „Gänsehaut-Moment“, wie es Moderator und Gala-Organisator Thomas Wollscheid passend beschrieb. Dazu gehörten auch das von einem Kinderchor dargebotene Udo-Lindenberg-Lied „Wozu sind Kriege da?“ von 1981 als emotionales Statement zur aktuellen weltpolitischen Lage und die Neuauflage des Eddi-Zauberfinger-Songs zur Aktion „Wir im Verein mit Dir“, einer Hymne für das Sporttreiben im Verein. Eddi Zauberfinger, der Kinderliedermacher und Diplom-Sportlehrer mit dem bürgerlichen Namen Dennis Ebert, präsentierte das Stück mit Unterstützung des Showensembles höchstpersönlich. Darüber hinaus sorgten verschiedene Tanz- und Sportgruppen für Kurzweil und Begeisterung. Darunter Sporttänzerinnen und Tänzer des Landesverbands, ein inklusives Tanz-Duett mit Aline Gölzer und dem Renn-Rollstuhlfahrer Stefan Strobel und eine unterhaltsame Einlage der Funky Gyms des TV Piesbach, einer Gruppe früherer Leistungsturner der TG Saar.