Im Ausland studieren – das klingt in der Theorie aufregend. In der Praxis bedeutet es Alltagsprobleme, Sprachbarrieren und zuweilen Einsamkeit. Das Welcome Center und der AStA sind für die Internationalen die ersten Anlaufstellen.
Hallo, ich brauche eine Wohnung“, lautet der vermutlich häufigste Satz, der im Welcome Center der Universität des Saarlandes gesprochen wird. „Und direkt darauf folgt: Hallo, mein Aufenthaltstitel läuft ab“, erzählt Sina Vogel. Sie arbeitet im Welcome Center und ist damit erste Anlaufstelle für alle internationalen Studierenden, Mitarbeitenden und Gäste. Aller Anfang ist bekanntlich schwer. So auch der Start an einer neuen Universität, noch dazu in einem neuen Land. Doch was tut die UdS, um ihre internationalen Neuankömmlinge zu unterstützen?
Für Internationale tun sich gleich mehrere Hürden auf, wenn sie an der Saarbrücker Uni ankommen. Und diese beschränken sich nicht nur auf die Suche nach einer Wohnung oder ein Visum. „Wenn man neu aus dem Ausland kommt, hat man noch keine deutsche Steuernummer. Man hat keine Krankenversicherung, man weiß nicht wie man ein Führungszeugnis bekommt. Man muss sich beim Bürgeramt anmelden, wo die Terminvergabe auch nicht immer einfach ist. Die deutsche Bürokratie ist am Anfang wirklich schwierig“, erklärt Vogel. Vieles, wovon inländische Studierende und Mitarbeitende wenigstens schon einmal gehört haben sollten, ist für Internationale völlig neu. „Wenn bei Wohnraum eine Schufa-Auskunft verlangt wird, muss den Internationalen erst mal jemand erklären, was das ist.“
Mehr Wohnraum und lokale Vernetzung
Das Welcome Center ist da, um all diese Alltagsfragen im besten Fall schon im Voraus zu klären. In der Praxis hat das wenig mit akademischen Fragen zu tun. Vielmehr geht es für ausländische Studierende und Mitarbeitende darum, wie sie beispielsweise einen Arzttermin für sich selbst oder ihren Hund vereinbaren oder wie sie ihren Pkw anmelden. All diese Fragen werden größtenteils auf Englisch oder auf Deutsch beantwortet. Im Notfall gibt es auch genügend internationales Personal, das mit Französisch, Spanisch oder sogar Griechisch und Türkisch aushelfen kann.
Neben dem Welcome Center finden die ausländischen Studis Unterstützung beim AStA-Referat für Internationale Vernetzung und Internationale Beratung und Familie. „Das AStA-Referat passt bei mir wie die Faust aufs Auge“, erzählt Hana Itani. Sie studiert Jura an der UdS, hat selbst einen Migrationshintergrund und Kinder, und sie spricht fließend Arabisch. Daniel Neugebauer hat direkt nach dem Abitur Auslands- und Spracherfahrungen in Slowenien gesammelt und während seines Bachelors in Österreich zwei Erasmus-Semester in Polen verbracht. Er hilft den Studierenden auf Englisch und Französisch aus. „Ich persönlich kenne die Problematiken im Ausland. Es ist manchmal einfach schwierig sich zurechtzufinden, wenn man die Sprache in dem Land nicht spricht. Dann ist es schön, wenn man jemanden hat, durch den man weiß: Ich bin nicht alleine mit meinem Problem“, erklärt er.
Auch Hana Itani und Daniel Neugebauer sind die drängendsten Themen der Internationalen mehr als bekannt. Während sie versuchen beim Thema Wohnraum so gut es geht auszuhelfen, über Mietverträge lesen oder teilweise sogar mit zu Wohnungsbesichtigungen gehen, kommen sie beim Thema Visa und juristische Fragen an ihre Kompetenzgrenzen. Hier verweisen sie dann an Kolleginnen und Kollegen des AStA-Rechtsreferates und der Law Clinic UdS. „Das läuft hier Hand in Hand, und es ist schön, dass man da jeden erreichen kann“, sagt Itani. Trotzdem würden sie sich wünschen, es gäbe an der Universität eine eingerichtete Stelle für ausschließlich juristische Fragen.
„Gerade wenn es um rechtliche Fragen geht, bin ich natürlich nicht geschult. Aber es kommt schon vor, dass ich dann auch mal ein bisschen Seelsorge mache. Ich habe den Eindruck, dass vielen ausländischen Studierenden einfach jemand fehlt, mit dem sie darüber reden können“, erzählt Neugebauer.
Das Thema Wohnraum beschäftigt sowohl den AStA als auch das Welcome Center. „Dann ist man froh, dass man hier das Traumstudium bekommen hat, und dann kann man es vielleicht nicht antreten, weil es an Wohnungen fehlt. Es ist normalerweise kein Problem, in Saarbrücken an Wohnungen zu kommen, aber bei internationalen Studierenden ist das anders“, gibt Neugebauer zu bedenken und seine Kollegin fügt hinzu: „Es gibt sehr viele Wohnungsanfragen, auch von Familien, wo Kinder hintendran stehen. Und die wissen nicht wohin oder können erst gar nicht kommen, weil keine Wohnung da ist.“ An dieser Stelle stößt auch die UdS als Institution an ihre Grenzen. „Das ist nichts, was die Uni alleine klären kann. Da sind wir auf das Land angewiesen“, erklärt Sina Vogel. Und ist erst einmal eine Wohnung gefunden, ist der Kita-Platz direkt die nächste Baustelle.
Mit Händen und Füßen versteht man sich immer
Trotzdem versucht die UdS, internationalen Neuankömmlingen die Integration so einfach wie möglich zu machen. „Von je weiter her die Studierenden kommen, desto größer ist natürlich der Kulturschock. Aber das lässt sich abfangen“, erzählt Sina Vogel. So organisieren beispielsweise das Zentrum für Internationale Studierende (ZiS), das Erasmus Studierenden Netzwerk (ESN) und das Frankreichzentrum zahlreiche kulturelle und sportliche Aktivitäten, um lokale und internationale Studierende miteinander zu vernetzen. Neben Exkursionen, Länderabenden und Spezialitäten-Tagen in der Mensa gibt es den deutsch-französischen Stammtisch an jedem ersten Mittwoch im Monat, das jährliche deutsch-französische Picknick und den französischen Spezialitäten-Tag. Beim „Buddy-Programm“ können sich internationale Studierende melden, die dann je einem lokalen Studierenden als „Buddy“, als Kumpel, zugewiesen werden. Dieses Programm hat allerdings wie vieles andere unter der Pandemie gelitten und ist seither laut Daniel Neugebauer etwas eingeschlafen.
Zudem erklärt Neugebauer, dass die Angst vor der Sprachbarriere einige lokale Studierende davon abhalte, an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. „Für uns wäre es für dieses Semester noch eine Aufgabe, da mehr lokale Leute hinzubekommen. Denn erstens lernen sie dann etwas über diese Länder und zweitens lernen sie ein paar der internationalen Studierenden kennen.“ Um dem auf die Sprünge zu helfen, organisiert Hana Itani ein Iftar, ein Fastenbrechen, gemeinsam mit der evangelischen Studierendengemeinde. „Da werden internationale und lokale Studierende zusammenkommen, damit man sich austauscht über die Kultur und auch die Frage, was im Ramadan überhaupt erlaubt ist. Und es wird um die Frage gehen, wo sich Kultur von Religion abgrenzen lässt“, erzählt sie. Um Familien miteinander zu vernetzen, kümmert sich die AStA-Referentin außerdem um Familientreffen, das regelmäßige Elterncafé und gemeinsam mit dem Familienbüro um die Babysitterbörse.
Als eine der internationalsten Universitäten Deutschlands kann die UdS auf Erfahrungswerte mit Internationalen zurückgreifen. Trotzdem sieht auch Sina Vogel Verbesserungsbedarf. „Das Bewusstsein für Internationalität und für das, was noch kommt, könnte noch größer werden. Damit meine ich, dass Angebote nicht nur auf Deutsch gemacht werden oder vielleicht in einfachem Deutsch, damit andere sie auch verstehen“, erklärt sie. Denn die UdS hat sich zum Ziel gesetzt, noch internationaler zu werden. Daniel Neugebauer gibt noch einen Rat an die lokalen Studis: „Seid doch einfach mal bei solchen Events dabei und lernt andere Kulturen kennen. Springt über euren Schatten, wenn ihr euch Sorgen macht, dass euer Englisch nicht gut genug ist. Mit Händen und Füßen kann man sich immer irgendwie verständigen. Solange Interesse gezeigt wird, wird man sehr freundlich aufgenommen.“