2024 kommt viel auf die Sportfans zu. Olympia in Paris und die Heim-EM im Fußball sind zwar die großen Highlights, doch auch davor und danach sind Top-Events angesetzt. FORUM gibt einen Überblick.
Es beginnt mit der Vierschanzentournee und endet mit der Formel 1. Im Blickpunkt steht aber vor allem die Fußball-Europameisterschaft, die im Sommer in Deutschland stattfindet. Aber auch die Olympischen Spiele, die in Paris stattfinden, werfen ihre Schatten voraus.
Vierschanzentournee (28. Dezember bis 6. Januar)
Das Traditionsevent ist für die Skispringer in jeder Saison ein Highlight – diesmal umso mehr. Weil im kommenden Jahr keine Nordische Ski-WM ansteht, wollen alle Topstars bei der Tournee ganz oben auf dem Treppchen stehen. Deutschlands Vorzeigespringer natürlich auch. „Die Tournee ist einfach das große Ziel“, sagte Karl Geiger. Auf einen Gesamtsieger muss Skisprung-Deutschland aber seit 21 Jahren warten. Geiger und Co. wollen das ändern. „Wir haben auf jeden Fall was vor“, sagte der Olympiadritte von 2022. Als Hauptkonkurrenten bei den Springen in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen gelten die Ski-Adler aus Österreich, Norwegen und Japan.
Handball-EM (10. bis 28. Januar)
Angesichts der großen Handball-Geschichte hierzulande ist es kaum zu glauben, aber: Deutschland richtet erstmals eine Europameisterschaft der Männer aus. Bei der Premiere wird in Mannheim, München, Berlin, Hamburg und Köln gespielt, das Eröffnungsspiel der deutschen Mannschaft am 10. Januar gegen die Schweiz steigt aber im Düsseldorfer Fußballstadion. Werden die 50.000 Plätze ausgeschöpft, startet die EM mit einem Zuschauerrekord. Das deutsche Team von Bundestrainer Alfred Gislason gehört nicht zu den Topfavoriten, könnte aber mit dem Heimvorteil im Rücken über sich hinauswachsen.
Biathlon-WM (4. bis 18. Februar)
Der Start in den Winter ist den deutschen Ski-Jägern überraschend gut gelungen. Vor allem der Weltcup-Sieg im schwedischen Östersund durch Roman Rees im Einzel über 20 Kilometer vor Teamkollege Justus Strelow hat Hoffnungen auf ein erfolgreiches WM-Abschneiden geweckt. Im tschechischen Nove Mesto na Morave wollen auch die deutschen Biathlon-Frauen zeigen, dass sie trotz des Rücktritts von Weltmeisterin Denise Herrmann-Wick zur Weltspitze gehören. Es gebe einige im deutschen Team, „die konstante Podiumsergebnisse abrufen und natürlich auch bei der WM in Nove Mesto dann die Medaillen holen können“, meinte Herrmann-Wick: „Die Mädels entwickeln sich brutal.“
Super Bowl (11. Februar)
Wer sich sportlich für das größte Spiel im American Football qualifiziert, steht noch nicht fest. Klar ist aber: Das Finale in der nordamerikanischen NFL wird wieder ein Event der Superlative. Rund 800 Millionen Menschen werden weltweit den Fernseher anschalten – und das nicht nur wegen des Sports. Die Halbzeitshow mit reichlich A-Prominenz ist bei vielen Menschen mindestens genauso interessant und sorgt regelmäßig für Gesprächsstoff. Diesmal darf R&B-Star Usher als Hauptact auf die Bühne, ein solcher Auftritt ist aus Marketingaspekten kaum zu bezahlen. Tief in die Tasche greifen müssen die 72.000 Fans, die live im Allegiant Stadium in Las Vegas dabei sein wollen.
Eishockey-WM (10. bis 26. Mai)
Und jetzt Gold? Nach dem zweiten Platz bei der vorherigen WM peilt das deutsche Eishockey-Nationalteam auch im Titelkampf in Tschechien Großtaten an. Doch Bundestrainer Harold Kreis warnt: „Wir dürfen den Druck nicht zu sehr erhöhen und sollten die Kirche im Dorf lassen.“ Aber auch der erfahrene Coach weiß: Die erste WM-Medaille seit 70 Jahren hat bei den Spielern Hunger auf mehr geweckt. Der Weltranglisten-Fünfte ist in der Vorrunde gegen Lettland, Frankreich, Kasachstan und Polen favorisiert, mit der Slowakei auf Augenhöhe und in den Duellen gegen die USA und Schweden sicher nicht chancenlos. Anders als früher hat der Bundestrainer inzwischen die Qual der Wahl bei der WM-Nominierung. Zudem stehen die Chancen gut, dass diesmal auch NHL-Superstar Leon Draisaitl von den derzeit schwächelnden Edmonton Oilers dabei sein kann.
French Open (20. Mai bis 9. Juni)
Beim dritten Grand-Slam-Turnier des Jahres könnte der nächste Tennis-Gigant die Bühne verlassen – wenn er es denn überhaupt bis dahin schafft. Der spanische Sandplatz-König Rafael Nadal will nach etlichen Verletzungssorgen alles dafür tun, um bei seinem Lieblingsturnier um den Titel mitzuspielen. Sollte ihm das gelingen, wäre es ein idealer Zeitpunkt für den Rücktritt. Sollte er daran aber kläglich scheitern, könnte das das Ende seiner ruhmreichen Karriere bedeuten. „Das nächste Jahr soll mein letztes sein“, hatte Nadal bereits angekündigt. Die French Open in Roland Garros, bei denen er 14-mal triumphieren und die Herzen der Fans erobern konnte, haben dabei oberste Priorität. Während seiner Verletzungspause hat ihm der Serbe Novak Djokovic den Grand-Slam-Siegesrekord abgenommen und in Carlos Alcaraz ist ein neuer spanischer Tennis-Held erwachsen, doch in Paris ist Nadal der große Star. Sofern der 37-Jährige bis dahin wieder fit wird.
Champions-League-Finale (1. Juni)
Das bislang letzte Königsklassen-Endspiel im Wembley-Stadion war ein deutsches Fußball-Fest: Im größten Spiel des europäischen Club-Wettbewerbs standen sich mit Bayern München und Borussia Dortmund zwei Teams aus der Bundesliga gegenüber. Die Bayern gewannen dank eines Treffers von Arjen Robben, zehn Jahre danach erinnert die Amazon-Dokumentation „Generation Wembley“ an den Triumph. Seitdem lief es für deutsche Teams aber in der Regel weniger gut in der Champions League, einzig die Münchener konnten im Corona-Jahr 2020 noch mal den Henkelpott holen. Die größten Favoriten sind auch diesmal Manchester City und Real Madrid. Bayerns größter Trumpf in dieser Saison ist Stürmerstar Harry Kane, der nach seiner titellosen Zeit bei Tottenham Hotspur extrem erfolgshungrig ist und eine eingebaute Tor-Garantie besitzt. Eine Neuauflage des 2013-Finals ist im Wembley-Stadion weiter möglich, sowohl die Bayern als auch der BVB haben sich fürs Achtelfinale qualifiziert.
Tour de France (29. Juni bis 21. Juli)
Kommt es wieder zum großen Duell zwischen Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar? Oder kann Primoz Roglic als neuer Klassementfahrer des deutschen Teams Bora-hansgrohe ein Wörtchen mitreden? Oder wird der belgische Jungstar Remco Evenepoel gleich bei seiner Premiere auf der Großen Schleife das prestigeträchtige Gelbe Trikot gewinnen? In jedem Fall ist Spannung programmiert – dafür haben auch die Organisatoren gesorgt. Bei der 111. Ausgabe der Tour sind die vier Berg-Ankünfte und eine umstrittene Schotter-Etappe die Highlights. „Es wird episch“, sagte der dänische Titelverteidiger Vingegaard. Entschieden wird die Gesamtwertung erst beim Einzelzeitfahren von Monaco nach Nizza, das zugleich den Abschluss markiert. Wegen Olympia in Paris endet die Tour de France erstmals nicht in Paris.
Fußball-EM (14. Juni bis 14. Juli)
Nach der Auslosung Anfang Dezember in Hamburg bekam Philipp Lahm das Grinsen gar nicht mehr aus seinem Gesicht. „Die Vorfreude ist noch größer geworden“, sagte der OK-Chef, „weil es einfach greifbarer geworden ist“. Auch für Bundestrainer Julian Nagelsmann. Die Gruppengegner Schottland, Ungarn und Schweiz sind sportlich interessante, aber durchaus lösbare Aufgaben. „Das ist eine interessante Gruppe, in der wir uns natürlich durchsetzen wollen“, sagte Nagelsmann. Sollte das gelingen, wäre die aktuelle Sorge um die EM-Euphorie angesichts zuletzt wenig überzeugender Länderspiel-Auftritte vergessen. Ein zweites Sommermärchen nach der WM 2006 ist nur möglich, wenn auch die DFB-Auswahl performt. Doch die Zweifel sind groß.
Olympische Sommerspiele (26. Juli bis 11. August)
Die Sehnsucht auf unbefangene Sport-Festspiele ist groß. Nach dem coronabedingten Chaos um die Sommerspiele in Tokio und den aus vielerlei Hinsicht fragwürdigen Winterspielen von Peking freuen sich viele Sportfans und auch Athleten auf Paris 2024. Die Eröffnungsfeier im Herzen der Stadt, bei der die Athleten auf mehr als 160 Booten auf der Seine an den größten Wahrzeichen wie dem Eiffelturm vorbeischippern und mehr als 600.000 Besucher erwartet werden, soll der passende Auftakt eines Mega-Events werden. In 32 Sportarten und 48 Disziplinen werden Olympiasieger gekürt, neu dabei ist Breakdance. Das IOC entschied jüngst, dass auch russische und belarussische Athleten starten dürfen. Diese Entscheidung war lange offen und ist noch immer umstritten. So oder so dürften die weltweiten politischen Spannungen auch Einfluss auf Olympia haben – auch wenn IOC-Präsident Thomas Bach gern das Idealbild unpolitischer Spiele auf seine Agenda hebt.
Berlin-Marathon (29. September)
Schlägt Eliud Kipchoge bei seinem Lieblingsrennen zurück? Der 39-Jährige dürfte zumindest alles daransetzen, beim Traditionslauf im Herzen der deutschen Hauptstadt seinem Landsmann Kelvin Kiptum den Marathon-Weltrekord wieder abzunehmen. Doch das wird auch auf der schnellen Berliner Strecke eine Mammutaufgabe: 2:00:35 Stunden sind eine unfassbar schnelle Zeit, und womöglich drückt die neue Läufer-Generation um Kiptum die Bestmarke bis dahin sogar noch unter die magische Zwei-Stunden-Marke. Dass der alternde Laufstar Kipchoge wirklich in diese Zeit-Regionen vordringen kann, erscheint fraglich. Doch dass er sich auch ohne Weltrekord über einen Sieg in Berlin freuen kann, hat er im vergangenen September bei seinem insgesamt sechsten Triumph bewiesen.
Formel-1-Saisonfinale (8. Dezember)
Nach der sportlich wenig spannenden Saison hoffen die Rennsport-Fans auf einen wieder packenden Kampf um die Formel-1-Krone – möglichst bis zum finalen Grand Prix in Abu Dhabi. Die erdrückende Dominanz von Champion Max Verstappen und seinem Red-Bull-Team ist auch für die Einschaltquoten Gift. Rechte-Inhaber Sky gab kürzlich zu, dass die Live-Übertragungen im Vergleich zur Vorsaison im Schnitt rund 200.000 Zuschauer verloren haben. Am ehesten wird den Mercedes-Piloten um den Briten Lewis Hamilton zugetraut, mit Red Bull mitzuhalten. Als einziger deutscher Fahrer dürfte Nico Hülkenberg im unterlegenen Haas an den Start gehen. Ein deutsches Rennen sieht der Weltkampfkalender erneut nicht vor.