Die Wahl der Saar-Sportler 2023 ist entschieden. Erstmals in der Geschichte der Wahl wurden insgesamt zehn Trophäen vergeben. Darunter fand sich so manche Überraschung.
Am Ende war es genau das, was sich die Veranstalter davon erhofft hatten: Die jährlich vom Verein Saarländische Sportjournalisten (VSS) ausgerichtete „Wahl der Saar-Sportler“, die am 16. Dezember in der Gebläsehalle in Neunkirchen stattfand, bot der Verleihung der „höchsten Auszeichnung, die der Saar-Sport bereithält“ einen würdigen Rahmen. Schon die erste Wahl der Saar-Sportler fand in Neunkirchen statt. Damals, 1995, allerdings in der Wiebelskircher Ohlenbachhalle.
Para-Leichtathletin Nicole Nicoleitzik (28 Jahre, TV 1890 Püttlingen) und Triathlet Tim Hellwig (24, DJK SG St Ingbert/Hylo Team Saar) wurden von der Jury zur Saarsportlerin und zum Saarsportler ernannt. Als beste saarländische Mannschaft des Jahres 2023 wurde Champions League-Sieger 1. FC Saarbrücken Tischtennis ausgezeichnet. Den vom Landessportverband für das Saarland (LSVS) verliehenen Nachwuchspreis überreichte LSVS-Vorstand Johannes Kopkow dem Kunstturner Maxim Kovalenko (18, TV Bous/TG Saar) und der Läuferin Sofia Benfares (19, LC Rehlingen). Darüber hinaus wurden erstmals weitere Preise vergeben.
Preis der Lebensleistung an Tim Meyer
„Ich freue mich extrem“, verkündete der Saarsportler des Jahres 2023, der sich gegen Freiwasserschwimmer Andreas Waschburger und Darts-Profi Gabriel Clemens durchgesetzt hatte. Per Videobotschaft aus seinem Trainingslager auf Fuerteventura verlautete Tim Hellwig: „Ich verdanke das auch meinem Trainer Steffen Justus und meinem großen Unterstützerteam am Olympiastützpunkt in Saarbrücken, auch meinen Trainingspartnern.“ Laudator Christian Weimer, früher selbst Spitzen-Triathlet und zwischenzeitlich Hellwigs Trainer, erinnerte sich: „Er war anfangs oft der Kleinste, der Schmächtigste, aber er hatte schon immer das größte Herz. Sein Kampfgeist hat ihn von Anfang an ausgezeichnet.“ Nach WM-Gold mit der Mixed-Staffel in Hamburg, der Olympia-Qualifikation und seine ersten beiden Weltcup-Siegen im Herbst hat der 24-Jährige endgültig den Sprung in die Weltelite des Triathlons geschafft.
„Ich habe in diesem Jahr mit allem gerechnet – aber nicht mit dieser Auszeichnung“, freute sich Nicole Nicoleitzik über die Krönung eines überaus erfolgreichen Jahres. Bei der Para-Leichtathletik-WM in Paris hatte sie über 100 und 200 Meter die Bronzemedaille gewonnen, neue persönliche Bestzeiten aufgestellt und sich die Teilnahme an den Paralympics 2024 an gleicher Stelle gesichert. „Nicole ist jemand, der eigene Wege geht, selbstbewusst ist und kämpfen kann“, sagte die frühere saarländische Ministerpräsidentin und Bundesministerin Annegret Kramp-Karrenbauer über Nicoleitzik, die sich in der „Runde der letzten Drei“ gegen Triathletin Anne Haug und Para-Biathletin Johanna Recktenwald durchgesetzt hat.
Die Mannschaft des Jahres, der FCS Tischtennis, hatte sich die Auszeichnung vor allem durch den Gewinn der Champions League verdient. „Das Saarland darf sich Champions League-Sieger nennen und das dürfen nicht besonders viele Bundesländer“, lobte Laudator André Keil, Präsident des Verbands Deutscher Sportjournalisten. Den Preis entgegen nahm der Sportliche Leiter Erwin Berg, der zugab: „Das hätte ich nicht geglaubt, ich bin stolz und glücklich.“ Der FCS verwies Fußball-Zweitligist SV Elversberg und den deutschen Badminton-Mannschaftsmeister BC Bischmisheim auf die Plätze. Obwohl nicht im Kreise der Nominierten, erhielt auch Fußball-Drittligist 1. FC Saarbrücken von den Veranstaltern ein kleines Präsent: Wegen der jüngsten Erfolge im DFB-Pokal wurde Trainer und Manager Rüdiger Ziehl ein Reiseführer überreicht, in dem er schon mal den kürzesten Weg zum Pokalfinale in Berlin heraussuchen kann.
Ohnehin hatte sich der VSS im Vorfeld dazu entschieden, erstmals mehr Preise zu vergeben – auch über die bewährten Kategorien für Spitzensportlerinnen und -Sportler hinaus. So ging der erstmals verliehene VSS-Sonderpreis gleich an drei Personen: Steve Röder, Anna-Lena Haben (beide Schwimmen) und Christof Olbrich (Tennis). Sie hatten erfolgreich an den Weltspielen der Special Olympics in Berlin teilgenommen, der weltweit größten inklusiven Sportveranstaltung für Athletinnen und Athleten mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Sie erhielten, wie alle Preisträgerinnen und Preisträger an diesem Abend, eine von der Reha GmbH angefertigte Trophäe.
Erstmals wurden auch der Trainer und die Lebensleistung des Jahres ausgezeichnet. Bei der Trainerfrage entschied sich die Jury für Horst Steffen. „Ich freue mich sehr über diese persönliche Auszeichnung und darf sie dennoch stellvertretend annehmen“, sagte Steffen mit Blick auf sein Trainerteam und die Vereinsverantwortlichen. Er wurde für seine Arbeit bei der SV Elversberg und den direkten Durchmarsch von der Fußball-Regionalliga in die 2. Bundesliga geehrt. Laudator Reiner Calmund bescheinigte dem Saar-Trainer des Jahres in seiner unnachahmlich ausschweifenden Art „Talent, Gradlinigkeit, Souveränität, Kompetenz, Leidenschaft und Bescheidenheit“ sowie „Weitsicht beim Ausloten der Möglichkeiten und Zusammenstellen der Mannschaft.“
Beeindruckende Vielfalt des Saar-Sports
Weniger ausschweifend, aber mindestens genauso herzlich wie Calmund trug LSVS-Vorstand Joachim Tesche seine Laudatio vor. Sie galt seinem persönlichen Freund Prof. Dr. Tim Meyer. Der Sportmediziner wurde trotz seiner erst 56 Jahre bereits für seine Lebensleistung ausgezeichnet. „Den Begriff muss ich erst einmal verdauen. Das klingt so sehr nach Verrentung“, gab Meyer bei der Verleihung zu und scherzte angesichts der großen Überraschung: „Gut, dass ich eine Krawatte angezogen habe.“ Sein beruflicher Werdegang mit zahlreichen Ämtern und Funktionen auf internationalem Niveau rechtfertigen die Ehrung der Lebensleistung, obwohl die berufliche Laufbahn noch lange nicht beendet ist. „Ihm ist nichts zu viel, das finde ich einfach bemerkenswert. Er war immer am Puls der Zeit, egal, wer unter ihm Bundestrainer war“, sagte Tesche über den langjährigen Mannschaftsarzt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (2001 bis 2023).
„Ich ziehe den Hut vor den Leistungen der Sportlerinnen und Sportler. Mich beeindruckt insbesondere die Vielfalt, die der Saar-Sport bietet. Ohne Breite keine Spitze. Und ich danke den Laudatoren und allen Freunden, Gönnern und Sponsoren, dass sie diese Veranstaltung ermöglichen“, sagte der Vorsitzende des VSS und auch der Jury, Dr. Thorsten Klein im Anschluss an die „sportpolitisch wichtigste Veranstaltung im Saarland.“
Deren Gäste wurden vom Moderations-Duo Thomas Braml (SR) und Bianca Kappler (LSVS-Vizepräsidentin) gekonnt und kompetent durch das unterhaltsame Rahmenprogramm geführt. Auftritte der Show-Gruppe Magic Artists und die musikalische Untermalung durch DJ Thomas Morrobel und Saxophonist Marco Messina sorgten für eine lockere Atmosphäre, die auch die anschließende After-Show-Party prägte.