Bundesligist Squash Factory Saar-Pfalz hat eine enttäuschende Saison hinter sich. Als Gastgeber wollen die Saarländer aber bei der Meisterschafts-Endrunde 2025 mitmischen.
Was selbst manch eingefleischter Sportfan nicht weiß: Das Saarland hat einen Squash-Bundesligisten. Die Squash Factory Saar-Pfalz ist ein Deutscher Spitzenverein und im kleinsten Flächenland der Republik das Maß aller Dinge. Seit acht Jahren spielt das Team von Manager Johannes Wessela schon in der Bundesliga Süd. Zwei Mal landete es in der Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft auf Platz drei. Ende Mai bestritten die Saarländer in der heimischen Halle in Saarbrücken-Güdingen das letzte Rundenspiel der laufenden Saison. Die Partie ging mit 1:3 gegen Sport-Insel Stuttgart verloren. Im letzten und entscheidenden Duell, das gleichzeitig das 100. des Vereins im deutschen Oberhaus war, musste Kapitän Rudi Rohrmüller gegen den Spanier Ivan Perez wegen Knieproblemen aufgeben. Am Ende einer insgesamt enttäuschenden Runde steht Platz sechs, wodurch die erhoffte Teilnahme an den Play-offs, also der Endrunde um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, verpasst wurde. Die wird im kommenden Jahr übrigens von der Squash Factory Saar-Pfalz selbst ausgerichtet und in Saarbrücken-Güdingen ausgetragen.
Play-off-Teilnahme verpasst
„Der Verein ist aus der Initiative einiger Weniger entstanden, die selbst aktiv gespielt haben und sich in den Kopf gesetzt haben, etwas für den Squashsport im Saarland zu tun“, erklärt Johannes Wessela. Er ist als Vertreter der Deutschen Squash Liga (DSL) auch im Sportausschuss des Deutschen Squashverbands (DSQV) vertreten. Mit der Platzierung in der laufenden Spielzeit ist er nicht wirklich zufrieden. „Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass wir gleich am Anfang personelle Probleme hatten. Wir hatten für die Spieltage ursprünglich andere Spieler verpflichtet, aber es kamen uns einige Weltranglisten-Turniere dazwischen“, betont Wessela und erklärt: „Über die Weltrangliste kann man sich für die Teilnahme an internationalen Turnieren wie die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 qualifizieren und deshalb liegt bei vielen hier die Priorität, die wir ihnen aber selbstverständlich auch einräumen.“
2028 gehört Squash erstmals zum olympischen Programm. Durch den bis dato fehlenden olympischen Status fehlen der Sportart im Vergleich zu anderen, etablierten olympischen Sportarten dringend benötigte Fördermittel. „Trotzdem sind wir im Saarland mit der Förderung aus dem sogenannten Sportachtel, das von Saartoto über den Landessportverband zu den Fachverbänden bis hin zu den Vereinen fließt, noch ganz gut aufgestellt“, findet Johannes Wessela, „So haben wir wenigstens über diese Schiene eine Förderung erhalten. Für die Finanzierung einer Bundesligamannschaft reicht das nicht, ohne Sponsoren wäre das nicht möglich.“ Dabei betont der Manager des Bundesligisten: „Wir sind alle Ehrenamtliche. Und mittlerweile ist es ein ehrenamtlicher Vollzeit-Job: Verträge abschließen, Lizenzen beantragen, mit Gott und der Welt telefonieren, Emails schreiben oder über Whatsapp austauschen über alles, was man sich dabei vorstellen kann.“
Zur Mannschaft gehören Topspieler aus unterschiedlichen Nationen wie Ägypten, England, Frankreich oder Belgien. Auch Perspektivspieler wie der erst 17-jährige österreichischen Nationalspieler Daniel Lutz oder der englische U19-Vizemeister Finnaly Withington. Mit dem ungarischen Weltranglisten-44. Balasz Farkas (27) steht auch schon der erste Neuzugang für die kommende Saison fest. Einzig Rudolf Fries aus Saarlouis, der seit vier Jahren vom Verein gefördert wird, kann als mit Abstand bester saarländischer Spieler auf dem internationalen Niveau mithalten und gehört ebenfalls zum Team. „Eben weil es im Saarland keine weiteren Talente wie Rudolf gibt, sind wir auf Unterstützung aus der Großregion, also auch Luxemburg und Belgien, angewiesen“, sagt Manager Wessela und erklärt: „Wir binden die Spieler mitunter langfristig an den Verein, wo sie gefördert werden, wir sie intensiv betreuen und beispielsweise Trainingscamps anbieten. Würden wir das nicht tun, könnten wir in der Squash-Bundesliga nicht bestehen.“
Wie in vielen anderen Sportarten auch, sind die finanziellen Möglichkeiten entscheidend: „Es ist nicht so, dass potenzielle Sponsoren mit dem Bus hier vorgefahren werden“, sagt Johannes Wessela und lacht. Während sich im „reichen“ Fußball die Weisheit „Geld schießt keine Tore“ breitgemacht hat, gilt in der Squash Bundesliga: Mehr Geld macht größere Erfolge möglich. „Ich wurde im Rahmen eines Sponsorengesprächs einmal gefragt, was derjenige investieren müsse, damit wir die Deutsche Meisterschaft gewinnen würden. Ich habe geantwortet: Geben Sie mir 20.000 Euro und wir stehen im Finale“, erzählt Wessela und schiebt nach: „Die 20.000 Euro, über die sich ein Fußballprofi kaputtlachen würde, habe ich aber nicht bekommen.“
„Das ist ein richtiges Highlight für uns“
Ein bisschen Geld in die Kasse spielen wird die Ausrichtung der Endrunde der Mannschaftsmeisterschaft im kommenden Jahr. Das genaue Datum steht noch nicht fest und hängt vom Bundesliga-Spielplan ab. Aber sie soll Ende Mai/Anfang Juni in Saarbrücken-Güdingen stattfinden. 2010 fand sie schon einmal an gleicher Stelle statt, dann im Rahmen der Europäischen Einzelmeisterschaften. 2025 werden also wieder die besten sechs deutschen Mannschaften mit allen deutschen Nationalspielern und einigen Spitzenspielern aus den Top 20 der Weltrangliste ihre Aufwartung im Saarland machen. „Das ist ein riesiges Highlight für uns, regelrecht eine Auszeichnung und große Ehre – aber eben auch eine Herkules-Aufgabe“, weiß Johannes Wessela, der sich über das Vertrauen der DSL und des DSQV freut: „Wir werden alles dafür tun, den Zuschauern unseren Sport bestmöglich präsentieren zu können.“
Natürlich will die Squash Factory Saar-Pfalz auch selbst mit dabei sein. Dazu müssen die Saarländer zu den besten Drei der Süd-Staffel gehören. Ob es beim „Finale dehemm“ sogar eine realistische Titelchance geben würde? „Ich denke, das wäre etwas zu hoch gegriffen“, sagt Wessela, „Wir sind alles bodenständige Leute und Sportler. Es gibt in Deutschland zwei Vereine, die große Sponsoren haben und sich vom Rest abheben: Der Paderborn SC und Black-White Worms.“ Beide Topclubs können laut Wessela mit einem „hohen sechsstelligen Etat“ arbeiten, während die Squash Factory und andere Bundesligisten „mit einem bescheidenen fünfstelligen Etat“ auskommen müssen: „Demnach kann man sich leicht vorstellen, wie sich die Verhältnisse darstellen“, so der Squash Factory-Manager. „Aber wir würden schon gerne das Halbfinale erreichen und zu den besten Vier gehören. Das wäre für uns schon ein Riesenerfolg.“