Wer im E-Auto in den Urlaub fährt, muss mehr planen als bei Fahrten im Benziner oder Diesel. Mit ein wenig Vorbereitung lässt sich ein Europa-Trip aber meistern.
Akku leer und noch 500 Kilometer zu fahren? Spätestens wenn das Warnlämpchen angeht – besser deutlich vorher –, wird es Zeit, eine Ladestation anzusteuern. Aber welche? Gerade die erste Fahrt ins Ausland verunsichert viele E-Auto-Fahrer. Oft ist im Vorfeld nicht klar, was der Strom kostet und welche Apps sich für Urlaubsreisen am besten eignen. Wir klären die wichtigsten Fragen zu Tarifen, Ladekarten und Anbietern.
Mit dem Elektroauto in den Urlaub: Geht das?
„Noch vor ein paar Jahren war es ein ziemliches Abenteuer, mit dem E-Auto durch Europa zu fahren“, sagt Jörg Sutter, Energie-Referent bei der Verbraucherzentrale NRW. Inzwischen sei der Ausbau der Infrastruktur aber gewaltig vorangeschritten. Ein bisschen mehr planen als bei der Fahrt mit Benzin und Diesel sollte man aber schon. „Ladekarten, Tarife und Kooperationen ändern sich ständig“, sagt Sutter. Andererseits gebe es auch beim Benzin große Preisunterschiede, je nachdem, in welches Land man fährt. „Darüber regt sich komischerweise niemand auf.“
Wie kann ich an Schnellladestationen bezahlen?
Die meisten Schnellladestationen an Raststätten und Ladeparks sind inzwischen mit Lesegeräten für Debit- und Kreditkarten ausgestattet. Allerdings ist diese Variante meist deutlich teurer als das Bezahlen per App oder Ladekarte. Am günstigsten ist es, die App des jeweiligen Anbieters an einer gleichnamigen Ladestation zu nutzen. Beispiel: EnBW-Ladestation mit EnBW-App oder -Ladekarte starten.
Welche Ladekarten oder Apps brauche ich in den Ferien?
In Deutschland ist EnBW der Marktführer. Der Karlsruher Energiekonzern betreibt Deutschlands größtes Schnellladenetz an aktuell 1.000 Standorten. In Europa kann man mit der EnBW-Ladekarte bzw. -App an 600.000 Ladepunkten in über 17 Ländern bezahlen, wenngleich zu unterschiedlichen Preisen (siehe „Tarif-Chaos“). Für Fahrten ins Ausland empfiehlt sich zudem die Tesla-App, mit der auch Fremdmarken an vielen Tesla-Superchargern laden können. Die Preise schwanken je nach Tag und Uhrzeit und werden aktuell in der App angezeigt.
Warum ist oft vom „Tarif-Chaos“ die Rede?
Beim Großanbieter EnBW galt lange das Prinzip „Eine Ladekarte, ein Preis“. Am 5. Juni wurden die Tarife umgestellt. Nutzt man per EnBW-Ladekarte nun eine „fremde“ Ladesäule, variieren die Preise. Von 59 Cent bis hin zu 89 Cent ist alles möglich. Wie teuer es genau wird, erfährt man erst beim Blick in die App. Die meisten Wettbewerber verfahren ähnlich, was die Reiseplanung verkompliziert. Günstiger wird es vor allem dann, wenn man ein Abo abschließt.
Lohnt sich ein Abo mit Grundgebühr?
Bei manchen Anbietern schon, zumindest für den Zeitraum der Urlaubszeit. Zum Beispiel bei Ionity. Das Konsortium, in dem sich verschiedene Autohersteller zusammengeschlossen haben, betreibt 637 Ladeparks mit insgesamt 3.862 Schnellladepunkten in Europa. Die meisten davon liegen an oder in der Nähe von Autobahnen. Vor allem in Westeuropa, in Skandinavien und im Alpenraum ist Ionity gut vertreten. Spontanes Laden (ohne Abo) ist je nach Land recht teuer, in Deutschland 0,69 Euro, in Italien sogar 0,79 Euro pro Kilowattstunde. Mit einem Abo wird’s deutlich billiger.
Was kostet ein Abo bei Ionity?
Die Abo-Variante „Passport Motion“ kostet 5,99 Euro pro Monat, wodurch sich die Preise auf 0,33 Euro bis 0,62 Euro je nach Standort in Europa reduzieren. Die Variante „Passport Power“ ist für 11,99 Euro im Monat erhältlich – dann kostet der Ladestrom 0,26 Euro bis 0,51 Euro. An deutschen Ionity-Stationen sind es mit „Passport Power“ 0,39 Euro pro Kilowattstunde. Das Abo ist monatlich kündbar. Auch Ionity bietet einen eigenen Routenplaner an.
Welche Konditionen bietet der ADAC-Ladetarif?
Lange hatte der ADAC mit EnBW kooperiert. Zum 1. August beendet der Autoclub die Zusammenarbeit und arbeitet fortan mit „Aral Pulse“ zusammen. Zum Start zahlen Kunden des ADAC-eCharge-Tarifs 51 Cent an den Aral-Ladesäulen; ab 1. Oktober dann 57 Cent. An fremden Ladestationen gilt ein Einheitstarif von 75 Cent – einheitlich, aber auch teuer.
Gibt es noch andere Anbieter mit einheitlichen Strompreisen?
Bei „EWE go“ gelten weiterhin einheitliche Strompreise. An eigenen Ladestationen zahlt man 0,59 Euro pro Kilowattstunde, an externen 0,64 Euro. Eine Grundgebühr fällt nicht an; die Ladekarte wird kostenlos verschickt. Auf Reisen ist „EWE go“ nützlich, weil viele Ladestationen auf McDonald’s-Parkplätzen liegen. Allein die App verhält sich mitunter etwas schwerfällig.
Wo gibt es genügend
Ladestationen, wo zu wenige?
„Aktuell gibt es in Ost- und Südosteuropa noch zu wenige Ladepunkte“, schreibt das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) auf seiner Website. Besonders in Bulgarien, Griechenland, Kroatien, Polen und Rumänien sei die Situation noch verbesserungswürdig. Im deutschsprachigen Raum gibt es vergleichsweise viele Ladestationen; auch Skandinavien, die Niederlande und die Benelux-Staaten schneiden in Rankings meist gut ab. Das EVZ hat eine Länderliste zusammengestellt, in der es über die jeweiligen Ladenetzanbieter und Besonderheiten informiert, wie zum Beispiel kostenloses Parken oder Wegfall der Autobahnmaut für E-Autos.
Was kostet die Reise im Vergleich zum Benziner?
Für die 1.000 Kilometer weite Strecke Düsseldorf – Maderno (Gardasee) listet die Website Spritkostenrechner.de einen Benzinpreis von 140,80 Euro auf (Verbrauch: acht Liter pro 100 Kilometer, Benzinpreis: 1,76 Euro pro Liter). Zum Vergleich: Bei einem Verbrauch von 18 Kilowattstunden pro 100 Kilometer und einem Strompreis von 0,59 Euro pro Kilowattstunde käme man auf 106 Euro für die gleiche Strecke. Legt man einen Strompreis von 0,69 Euro zugrunde, sind es 124,20 Euro. Es kommt allerdings stark aufs genaue Modell an. So listet der ADAC zahlreiche E-Autos auf, deren Normverbrauch bei 15 Kilowattstunden oder darunter liegt.
Unter welchen Umständen ist Laden ohne App billiger?
So gut wie nie. Doch es gibt positive Ausnahmen, zum Beispiel bei Aldi-Süd. Der Discounter hat viele Supermärkte in Autobahn-Nähe mit Schnellladern ausgestattet. Dort kostet Strom per Kredit- oder EC-Karte nur 0,39 Euro pro Kilowattstunde. Wer auf dem Weg zum Meer also sowieso einkaufen muss, kann dies guten Gewissens mit einem Ladestopp verbinden.
Wie komme ich am Ziel an Strom?
Am praktischsten ist es, wenn es auf dem Hotelparkplatz oder an der Ferienwohnung einen Stromanschluss gibt. Buchungsportale wie Booking.com bieten einen Filter an, der entsprechende Unterkünfte raussucht. Ansonsten wird man nicht umhinkommen, vor Ort die eine oder andere lokale App zu installieren. In Kroatien beispielsweise „Elen“, in Spanien „FeniEnergia“. Damit lassen sich dann auch die langsamen Wechselstrom-Ladestationen nutzen, die zum Beispiel in Innenstädten am Straßenrand stehen.
Mit welchem Programm plane ich die Ladestopps am besten?
Einige E-Autos verfügen bereits über Navis, die eine ausgefeilte Routenplanung mit Ladestopps anbieten. Bei manchen lassen sich sogar bestimmte Anbieter von Ladestrom auswählen oder ausschließen. Oft aber fehlt eine solche Funktion – oder sie ist schlecht. Auf Websites wie „Going Electric“ oder „A Better Routeplanner“ lassen sich die Strecken wesentlich besser planen.
Welchen Fehler sollte man bei Urlaubsreisen unbedingt vermeiden?
An der Autobahn-Ladestation einfach die Kreditkarte zu zücken. Wer nicht aufs Geld achten muss, kann mit dieser Variante sorgenfrei in den Urlaub starten. Alle anderen würden sich über die drastischen Spontan-Preise ärgern, die mitunter sogar über denen von Benzin und Diesel liegen können. Deshalb lieber mehrere Ladekarten einpacken und Apps installieren.
Muss ich mir Sorgen machen, mit leerem Akku liegen zu bleiben?
Mit ein wenig Planung keineswegs. In Deutschland sind nach Angaben der Betreibergesellschaft „Tank&Rast“ 370 von 400 Raststätten mit Ladestationen ausgestattet. Darüber hinaus errichten Anbieter wie EnBW immer mehr große „Ladeparks“, an denen zehn, 20 oder noch mehr E-Autos gleichzeitig laden können. Auch Tankstellen stellen auf ihrem Gelände zunehmend Ladesäulen auf. Pech haben kann man trotzdem, zum Beispiel auf Raststätten wie Baden-Baden West an der A5, an denen genau eine quälend langsame 50-kW-Ladesäule steht. Deshalb die Route lieber vorher per App planen.