Erstmals seit elf Jahren gibt es einen Fußball-Meister, der nicht FC Bayern München heißt, einen Vizemeister, der im Jahr davor fast abgestiegen war, und zwei Aufsteiger, die die versammelten Großclubs der 2. Liga düpierten.
Die vergangene Saison der Fußball-Bundesliga bot einiges Neues oder Überraschendes. Doch was wird die neue Spielzeit bringen? Wir checken die 18 Teams.
Bayer Leverkusen
Die Leverkusener waren kein Zufalls-meister, sondern blieben als erstes Team der Liga-Geschichte ungeschlagen. Der Kader scheint nicht schlechter als im Vorjahr, auch Trainer Alonso blieb trotz zahlreicher Angebote. Die Königsklasse kommt als Belastung hinzu, trotzdem ist kein Einbruch zu erwarten. Prognose: Bayer ist heißer Anwärter auf den erneuten Titel, vielleicht sogar der Favorit.
VfB Stuttgart
Die Schwaben wurden ein wenig von ihrer eigenen Entwicklung überholt. Von der Relegation zur Vizemeisterschaft, das machte viele Spieler für Vereine interessant, mit denen der VfB noch nicht mithalten kann. So wurden Torjäger Guirassy, Kapitän Anton und Abwehrspieler Ito abgeworben. Nationalstürmer Undav konnte immerhin fest verpflichtet werden. Neben 20-Millionen-Stürmer Demirovic kamen in Krätzig, Rieder, Chabot, Diehl, Keitel oder Woltemade interessante Spieler, die aber erst reinwachsen müssen. Prognose: Eine erneute Europacup-Qualifikation wäre ein Erfolg, ein Total-Absturz eine Überraschung.
FC Bayern München
Erstmals seit 2012 geht der FC Bayern als Herausforderer in eine neue Saison. Der nach vielen namhaften Absagen geholte Trainer Kompany ist ein Experiment. Der Kader ist weiter stark, wirkt aber nicht ganz ausgewogen. Prognose: Der Top-Favorit sind die Bayern diesmal nicht, sondern eher der Jäger.
RB Leipzig
Die Offensiv-Stars Xavi und Olmo sorgten bei der EM für Furore. Simons bekannte sich trotz Bayern-Werbens zu RB, Olmo entschied sich letztlich für Barça. Insgesamt können die Leipziger aber mit einem eingespielten Kader in die Saison gehen, in dem es kaum Veränderungen gab. Prognose: RB ist klarer Champions-League-Kandidat. Bei Olmo-Verbleib hätte man gar Außenseiter-Chancen auf den Titel gehabt.
Borussia Dortmund
Einer wilden Saison mit Bundesliga-Enttäuschung und Champions-League-Finale folgte ein großer Umbruch. Mit Groß, Anton, Guirassy und Beier hat der BVB für den neuen Trainer Sahin gut eingekauft. Aber neben Trainer Terzic gingen auch die Vereins-Ikonen Reus und Hummels, dazu Nationalstürmer Füllkrug und die als Leihspieler überzeugenden Maatsen und Sancho. Prognose: Der BVB ist klarer Champions-League-Kandidat, aber eher kein Titel-Anwärter.
Eintracht Frankfurt
Das Hauptziel wurde mit der Europacup-Teilnahme erreicht, doch irgendwie lag Unzufriedenheit über der letzten Saison. Die Hessen verloren mit Hasebe und Rode wichtige Stützen fürs Gebilde, die aber keine Stammspieler mehr waren. Mit Uzun und Hojlund kamen spannende neue Spieler, die Leih-Rückkehrer Matanovic und Brown überzeugten in der Vorbereitung. Prognose: Die Eintracht spielt im oberen Drittel mit, kann die Champions League aber nur bei optimalem Verlauf erreichen.
TSG Hoffenheim
In der Sommerpause herrschte viel Unruhe rund um die TSG, bei der fast die gesamte Führungsriege gehen musste. Bei den Transfers ging es entsprechend schleppend voran. Dann gab es auch noch Gerüchte um Trainer Matarazzo, um den der US-Verband warb. Prognose: In Hoffenheim wird sich in Sachen Transfers noch viel tun. Erst danach ist eine seriöse Prognose möglich.
1. FC Heidenheim
Kaum einer traute dem Aufsteiger aus der 50.000-Einwohner-Stadt den Klassenerhalt zu, nun spielt Heidenheim im Europacup. Der Preis für die Überflieger-Saison war aber hoch. Mit Kleindienst, Beste und Dinkci gingen die drei überragenden Spieler. Dafür kamen mit Kerber, Wanner oder Scienza spannende Spieler, die sich aber erst an die Bundesliga gewöhnen müssen. Prognose: Angesichts der Abgänge und der ungewohnten Doppel-Belastung dürfte es ein hartes Jahr für den FCH werden.
Werder Bremen
Unter Trainer Ole Werner geht es kontinuierlich nach oben. Erst Aufstieg, dann Platz 13, nun sogar Rang neun. Werder hat sich zumindest wieder als stabiler Mittelklasse-Club etabliert. Große Sprünge auf dem Transfermarkt waren nicht möglich, dafür ist das Team eingespielt. Prognose: Werder landet zwischen Rang neun und zwölf.
SC Freiburg
Es ist eine neue Zeitrechnung im Breisgau: Nach 29 Jahren als Coach und zwölf Jahren als Cheftrainer der Profis hat Christian Streich aufgehört. Von Ex-Kapitän Schuster als Nachfolger sind sie im Breisgau überzeugt. Dinkci und Osterhage könnten einschlagen, zudem hat der SC diesmal keine Doppelbelastung. Prognose: Freiburg landet zwischen Rang sieben und zehn.
FC Augsburg
Gegen das Gebot aus Stuttgart hatte der FCA bei Demirovic keine Chance. Sonst blieb der Kader aber zusammen. Die Vorsaison unter Trainer Thorup war lange überzeugend, ehe fünf Niederlagen zum Abschluss die Stimmung trübten. Prognose: Der FCA hält die Klasse wieder – und das wohl ohne große Probleme.
VfL Wolfsburg
Zuletzt erlebte der Meister von 2009 drei frustrierende Spielzeiten in Folge. Dafür hat sich im Kader wenig verändert. Der neue Torhüter Kamil Grabara kostete aber stolze 13 Millionen. Und von Stürmer Mohamed Amoura verspricht man sich viel. Zudem haben viele Neuzugänge aus dem Vorjahr noch Potenzial. Prognose: Es wird ein bisschen nach oben gehen für Wolfsburg, zurück in den Europacup aber nur bei gutem Verlauf.
FSV Mainz 05
Trainer Henriksen eroberte die Liga mit seiner Emotionalität, seinen wehenden Haaren und markigen Sprüchen in Windeseile. Und rettete Mainz in schwerer Lage eindrucksvoll. Von 13 Spielen verlor er nur zwei, holte einen Punkt mehr als die Bayern im selben Zeitraum. Im Sommer drückten nur ungewohnte Nebenschauplätze aufs Gemüt. Aber der Kader scheint gut, vor allem Amiri und Gruda im Zentrum gelten als Trumpf. Prognose: Mainz bekommt keine Abstiegssorgen, kann vielleicht sogar an den Europacup-Plätzen schnuppern.
Borussia Mönchengladbach
Es ist nicht lange her, da wurde das Ziel „Einstelligkeit“ in der Abschluss-Tabelle von Manager Eberl als Ambitionslosigkeit ausgelegt. Nun will die Borussia diese erst mal wieder erreichen, dreimal in Folge hat sie sie verpasst. Vor allem in der letzten Saison wirkte das Team nach großem Umbruch seltsam blutleer. Aber mit Stöger, Kleindienst und Sander sollte der Kader stärker geworden sein. Prognose: Vielleicht wird es was mit der Einstelligkeit, mehr aber auch nicht.
1. FC Union Berlin
Fünf Jahre ging es immer nur nach oben, im Jahr der Champions-League-Premiere folgte der harte Absturz mit Trennung von Trainer Fischer und Rettung am letzten Spieltag. Entsprechend klotzte Union auf dem Transfermarkt nicht mehr so wie im Vorjahr, als man den eigenen Weg etwas verlassen hat. Benes, Querfeld, Prtajin sowie eventuell Bernardo sind aber vielversprechend. Prognose: Der Weg zurück nach oben ist weit, Union kommt bestenfalls mit kleinen Schritten wieder voran.
VfL Bochum
In der denkwürdigsten Relegation, die es je gab, feierte Bochum einen nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt. Mit Stöger, Asano, Osterhage, Schlotterbeck und wohl auch Bernado ging aber eine ganze Achse. Für den neuen Trainer Zeidler, der einen guten Eindruck macht, ist der fünfte Klassenerhalt in Folge nicht nur das oberste Ziel, sondern das einzige. Prognose: Bochum gehört zu den Abstiegskandidaten, die Zähigkeit ist aber ein großer Trumpf.
FC St. Pauli
Die Euphorie nach dem Aufstieg als Meister erhielt einen herben Dämpfer, als Trainer Hürzeler nach Brighton ging. Nachfolger Blessin ist ein spannender Typ, verzichtete für die Bundesliga sogar auf die Champions League mit Saint-Gilles. Doch der Kader scheint dünn besetzt. Prognose: Der Klassenerhalt wird schwerer als der Aufstieg.
Holstein Kiel
Nun hat auch Schleswig-Holstein endlich seinen Bundesligisten. Und Holstein hat in der Handball-Stadt Kiel echtes Fußball-Fieber ausgelöst. Die Abgänge von Kapitän Sander und Rothe schmerzen, aber bei den Neuzugängen war Kiel kreativ und der Kader hat mit Holtby, Skrzybski oder Arp auch Bundesliga-Erfahrung. Prognose: Aussichtslos ist die Mission Klassenerhalt nicht. Sehr schwer aber zweifellos.