Der saarländische Ringer-Bundesligist KSV Köllerbach will die Endrunde um die deutsche Meisterschaft erreichen. Dafür hat er sich unter anderem mit einem Bronzemedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele von Paris verstärkt.
Das Saisonziel ist klar: „Das Erreichen der Playoffs, also mindestens Platz vier in der Staffel“, sagt Thomas Geid. Der Sportliche Leiter des Ringer-Bundesligisten KSV Köllerbach weiß: „Um das zu erreichen, müssen wir Witten und Neuss hinter uns lassen – also eigentlich gleich die ersten beiden Wettkämpfe gewinnen.“ Die finden am Samstag, 14. September, ab 19.30 Uhr in der heimischen Kyllberghalle gegen den KSK Konkordia Neuss und genau eine Woche später an gleicher Stelle gegen den KSV Witten statt. „Danach wissen wir, wohin die Reise geht“, sagt Geid.
An die Leistungen anknüpfen
Auf diese Reise haben sich die Athleten über sechs Wochen lang intensiv vorbereitet. „Wobei wir uns natürlich das ganze Jahr über im Training befinden. Es finden ja auch Wettbewerbe wie die Deutschen Einzel-Meisterschaften, die Saarlandmeisterschaften oder die Deutschen Meisterschaften im Beach-Wrestling statt“, erklärt Geid, „Aber etwa sechs Wochen vor dem Bundesliga-Start fangen wir in der Regel damit an, die Leute auf die Runde einzustimmen.“ Was den Auftakt gegen Neuss betrifft, so wurden die Ringer rechtzeitig darüber informiert, wer wann eingesetzt wird. Auch, um gegebenenfalls noch einmal das Gewicht an die entsprechende Gewichtsklasse anzupassen. Eine Dreiviertelstunde bevor der Wettkampf beginnt, muss das Gewicht passen.
Die Nord-Staffel der Bundesliga, zu der auch der KSV gehört, ist wieder stark besetzt und weist eine hohe Leistungsdichte auf. Neben dem Deutschen Meister von 2023, ASV Mainz, bekommt es der KSV mit weiteren Hochkarätern zu tun: Auftakt-Gegner Neuss schaffte im Vorjahr als Aufsteiger auf Anhieb den Sprung in die Play-offs. „Mit einer ganz starken Mannschaft“, erinnert sich Geid: „Ob sie im zweiten Jahr an diese Leistungen anknüpfen können, muss man abwarten.“ Der KSC Hösbach habe sich „unglaublich verstärkt, sodass jeder Kampf in unserer Gruppe ein Top-Ereignis werden wird“, weiß Geid. Der SC Kleinostheim hat die Köllerbacher in der vergangenen Saison im Halbfinale der Playoffs rausgeworfen. Nur der Finalgegner SV Wacker Burghausen war eine Nummer zu groß und setzte sich mit 12:9 und 14:9 durch. „Es wird schwer“, weiß auch Top-Ringer Etienne Kinsinger und ergänzt: „Aber wir haben uns sehr gut verstärkt und in verschiedenen Gewichtsklassen ein paar echt gute Ausländer geholt. Also die Playoffs sollten drin sein, und dann schauen wir mal, wie weit es uns danach noch trägt.“
Was die Kaderzusammensetzung angeht, stellt Thomas Geid klar: „Es hat keiner den Verein verlassen, den wir halten wollten. Unser Kader ist mit den Neuen stärker geworden.“ Schon früh standen Vasile Taran (bis 80 Kilo griechisch-römisch) und Vladislav Ivanov (bis 75 Kilo griechisch-römisch) als erste Neuzugänge für die Saison 2024 fest. Beide Athleten verfügen über den N6-Status, gelten also als deutsche Athleten, und kamen von den Wrestling Tigers Rhein-Nahe. Auch der gebürtige Deutsche Numan Bayram (bis 61 Kilo griechisch-römisch), deutscher Juniorenmeister von 2021, kam von den Tigers. Der russischstämmige Mokhmad Dadaev, ebenfalls N6-Status, geht in der Klasse bis 80 Kilo Freistil an den Start. Er kam zusammen mit dem Moldawier Alexandru Solovei (bis 80 Kilo griechisch-römisch), der 2023 U20-Vizeweltmeister und U20-Europameister wurde, von der AV Germania Merkneukirchen zum KSV. Vom SC Oberölsbach kam der Ukrainer Taras Markovich (bis 61 Kilo Freistil). Der Königstransfer zur kommenden Runde heißt aber Islam Dudaev (bis 71/75 Kilo). Der Albaner, der vom ASV Schorndorf kam, hat 2024 mit dem Gewinn der Europameisterschaft und der olympischen Bronzemedaille (Freistil bis 65 Kilo) von Paris aufhorchen lassen. Auch der Grieche Dauren Kurugliev, der schon seit 2016 für den KSV Köllerbach auf die Matte geht, hat in Paris Bronze gewonnen (Freistil bis 86 Kilo). Während sich die einheimischen Ringer und einige der Neuzugänge schon seit mehreren Wochen im Saarland befinden und am Training teilnehmen, befindet sich Thomas Geid mit den anderen auswärtigen Sportlern telefonisch und schriftlich „im ständigen Austausch.“ „Bei den Jungs, die in Paris dabei waren, brauche ich mir keine großen Sorgen um die Vorbereitung zu machen. Die werden anreisen und die Zuschauer sofort begeistern“, ist Geid sicher.
Noch nicht fit, aber voller Vorfreude
Nicht wirklich begeistert war der Saarländer Etienne Kinsinger aufgrund der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele. In der olympischen Klasse bis 67 Kilo unterlag er im kleinen Finale des Qualifikationsturniers in Istanbul dem Ägypter Mohamed Elsayed und verpasste sowohl Bronze als auch das Olympia-Ticket. „Dadurch hatte ich mal einen recht ruhigen Sommer, das habe ich ehrlich gesagt sehr genossen. Ich konnte mir sogar ein paar Wettkämpfe in Paris anschauen. Das war eine tolle Erfahrung“, verrät der 27-Jährige und schiebt nach: „Wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Aktuell sei er noch nicht ganz so fit, wie er es sich erhofft hatte, aber: „In der Liga sechs Minuten ringen kann man immer“, sagt er und lacht: „Ich freue mich jedenfalls darauf, wieder Wettkämpfe zu haben.“
Diese werden in der Bundesliga mit leicht veränderten Rahmenbedingungen ausgetragen. Die bisher leichteste Klasse bis 57 Kilo fällt komplett weg. Stattdessen starten die Mannschaftskämpfe beim 61 Kilo-Limit. Um dennoch auf zehn Einzelpaarungen zu kommen, wird die 80 Kilo-Klasse – wie schon die 75 Kilo-Klasse, doppelt gerungen. „Das wertet die Liga auf und hebt das Niveau noch einmal an. In der 57-Kilo-Klasse wurden immer viele Jugendliche eingesetzt und mit den Ringern aus Übersee steigt sicher die Qualität“, sagt Kinsinger, der selbst in der Klasse bis 66 Kilo griechisch-römisch an den Start geht. Darüber hinaus müssen von den zehn Ringern nach wie vor sechs Deutsche sein, aber die maximal vier Ausländer unterliegen keiner weiteren Differenzierung. Die Regel, dass drei der vier aus dem EU-Ausland stammen müssen und nur einer aus einem Nicht-EU-Land stammen darf, entfällt. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, sofern man es bei maximal vier Ausländern im Kader belässt“, meint Thomas Geid und ergänzt insbesondere mit Blick auf die Nachwuchsarbeit: „Mehr sollten es nicht werden, damit man auch in Zukunft die Möglichkeit hat, deutsche Sportler einzusetzen. Es ist über die Jahre ohnehin schon schwerer geworden für junge Ringer, in die Bundesliga reinzukommen.“