Bei den Frauen gewinnt eine Para-Schwimmerin zum vierten Mal den Publikumspreis. Bei den Männern gibt es dagegen eine Premiere. Ein Trainer darf sich gleich über zwei Auszeichnungen freuen.
Das Finale der Fußball-Europameisterschaft, der 50. Berlin-Marathon, dazu zahlreiche andere Top-Sportevents und viele Erfolge – der Regierende Bürgermeister Kai Wegner war zu Recht stolz auf das Sportjahr 2024. „Mit der Champions-Gala ehren und feiern wir gemeinsam die sensationellen Erfolge, die unsere Sportlerinnen und Sportler des Jahres erkämpft haben“, sagte der CDU-Politiker bei der festlichen Gala am 30. November mit 1.800 geladenen Gästen in der Neuköllner Estrel Convention Hall. Er bedankte sich vor allem bei jenen, „die bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Paris 15 Medaillen nach Berlin geholt haben. Sie sind Vorbilder für uns alle.“ Als Belohnung wurden dann auch Elena Semechin und Nils Ehlers zu Berlins Champions gewählt. Der beliebte Publikumspreis der Hauptstadt-Medien wird seit 1979 vergeben.
Abgestimmt werden konnte bis zum 17. November online bei allen Medienpartnern. Die Vorauswahl trafen Berliner Sport-Journalistinnen und -Journalisten. Sie entschieden sich für jeweils zehn Sportlerinnen und Sportler, Männer- und Frauen-Teams sowie Trainer*innen und Manager*innen, die in die engere Auswahl kamen. Die Gewinner im Überblick:
Sportlerin des Jahres: Elena Semechin
Mit Paris hat Elena Semechin ihren Frieden gemacht. 2021, als sie direkt nach ihrem Gold-Coup bei den Paralympics in Tokio mit ihrem Trainer und Lebensgefährten Phillip in die Stadt der Liebe zum Urlaub flog, fühlte es sich noch ganz anders an. Ihr ging es schlecht und sie ahnte, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmte. Gleich nach der Rückkehr in Deutschland ging die Para-Schwimmerin zum Arzt und erhielt die schockierende Diagnose: Krebs. Der bösartige Gehirntumor wurde kurze Zeit später in einer Operation entfernt, es folgte eine Chemotherapie. Kurz darauf nahm Semechin das Training wieder auf – Olympia 2024 in Paris hatte sie dabei immer als Extra-Motivation im Hinterkopf. Als sie im vergangenen Sommer dann tatsächlich bei den Paralympics in Frankreichs Metropole an den Start ging und in Weltrekordzeit über 100 Meter Brust auch noch Gold gewann, fühlte sich die Athletin am Ziel ihrer Träume. Zur Krönung durfte sie gemeinsam mit Fechter Maurice Schmidt auch die deutsche Fahne bei der Abschlussfeier tragen.
„Ich hätte nie gedacht damals, dass mein Trainer aus mir, einem sportlichen Wrack, eine Sportlerin macht, die dann auch einen Weltrekord schwimmen kann“, sagte die 31-Jährige: „Ich habe auch mir gezeigt, dass man aus solchen Situationen herauskommen kann, wenn man Wünsche und Träume hat und dafür kämpft.“ Dafür wurde sie nun mit der Auszeichnung zu Berlins Sportlerin des Jahres 2024 belohnt. „Ich bin baff. Die vergangenen drei Jahre waren verrückt. Wenn man jetzt zurückblickt, alles Revue passieren lässt, ist es einfach unglaublich“, sagte Semechin bei der Preisverleihung.
Die sehbehinderte Ausnahmeschwimmerin hatte die Wahl bereits 2019, 2021 und 2023 gewonnen. „Ich liebe die Champions-Gala. Sie bietet Athletinnen und Athleten aus allen Sportarten – egal ob paralympisch oder olympisch – eine große Bühne und ermöglicht, dass die vielen Geschichten, die zu den großartigen Leistungen gehören und so oft im Verborgenen bleiben, erzählt werden“, sagte die gebürtige Kasachin, die im Alter von elf Jahren nach Deutschland gezogen war. „Es ist so schön, hier den Abschluss dieses so besonderen Jahres feiern zu können – zu Hause in Berlin, mit Freunden und Bekannten“, sagte Semechin: „Es ist einfach der perfekte Abschluss.“ Semechin landete bei der Wahl vor Leichtathletik-Star Gina Lückenkemper und Schwimm-Weltmeisterin Angelina Köhler.
Sportler des Jahres: Nils Ehlers
Für Nils Ehlers ist die Ehrung zu Berlins Sportler des Jahres dagegen eine Premiere. Als erster Beachvolleyballer überhaupt wurde er mit dieser Auszeichnung bedacht. Es war die Krönung eines sportlich wie privat für ihn herausragenden Jahres. Gemeinsam mit Partner Clemens Wickler gewann der Beachvolleyballer bei der EM und bei Olympia jeweils Silber, außerdem heiratete er seine große Liebe Lara. Hinter ihm lägen „sehr intensive“ Monate, sagte der 30-Jährige. Sportlich seien die Sommerspiele in Paris der „absolute Höhepunkt“ gewesen, nicht nur wegen der beeindruckenden Kulisse unmittelbar vor dem größten Wahrzeichen der Stadt. „So recht zugetraut hat uns das Finale niemand. Aber wir sind bei Olympia über uns hinausgewachsen“, sagte Ehlers: „Der Center Court vor dem Eiffelturm und die vielen deutschen Fans haben uns zu Höchstleistungen gepusht.“
Der 2,11 Meter große Athlet ist in Berlin-Spandau aufgewachsen und hat beim TSV Spandau 1860 das Volleyballspielen erlernt. Ehlers verwies bei der Wahl Hockeyspieler Martin Zwicker und Para-Schwimmer Malte Braunschweig auf die Plätze zwei und drei. „Die Auszeichnung in meiner Heimatstadt zu erhalten, ist wirklich eine Riesenehre. Ich freue mich riesig, dass Beachvolleyball auch hier in Berlin so viele Menschen begeistert hat.“ Mittlerweile ist Ehlers ein ausgewiesener Spezialist auf Sand, in Wickler hat er einen kongenialen Partner gefunden. Beide flogen Anfang der Woche zu den Beach Pro Tour Finals nach Doha, für die sich qualifizieren konnten.
Trainer/Manager des Jahres: Serge Aubin
Der dritte Meistertitel im vierten Jahr bei den Eisbären Berlin sollte für Serge Aubin eigentlich so etwas Routine sein. Doch weit gefehlt. Die Horror-Saison 2022/23 hat der Kanadier nicht vergessen, umso größer ist seine Wertschätzung für das Super-Comeback der Eisbären in der Vorsaison. „Es war ein besonderes Jahr“, sagte Aubin daher: „Ich freue mich sehr über die Auszeichnung.“ Er nehme sie im Namen des gesamten Trainerstabs an, denn: „Jeder hat seinen Teil zu unserem Erfolg beigetragen. Mein Team hat unsere Vorgaben dann sehr gut umgesetzt.“
Männer-Mannschaft des Jahres: Eisbären Berlin
Aubin darf sich gar als Doppel-Gewinner der Wahl bezeichnen, denn auch bei der Team-Wertung ging der prestigeträchtige Preis an den deutschen Eishockey-Meister Eisbären Berlin. „Wir sind unfassbar stolz, als Mannschaft des Jahres ausgezeichnet worden zu sein“, sagt Eisbären-Kapitän Kai Wissmann. „Berlin ist eine Sportstadt. Es bei dieser starken Konkurrenz auf Platz eins geschafft zu haben, ist eine große Ehre.“ Die Auszeichnung gebe den Spielern auch „Rückenwind für die restliche Saison“ in der Deutschen Eishockey Liga, in der der Rekordmeister wieder bis zum Ende um den Titel mitspielen will.
Frauen-Mannschaft des Jahres: Alba Berlin
Diese Wahl war keine Überraschung. Der überragende Titelgewinn der Basketballerinnen war in diesem Jahr eines der Sport-Highlights in der Hauptstadt. Und es war die Krönung einer atemberaubend rasanten Entwicklung: Bundesliga-Aufstieg 2022, Play-off-Halbfinale 2023, Meistertitel 2024. „Die Auszeichnung dieses Jahr als Deutsche Meisterinnen in Empfang nehmen zu können, macht uns nicht nur sehr stolz, sondern ist ein sehr besonderes Gefühl“, sagt Kapitänin Lena Gohlisch. „Wir sind als Team fast komplett zusammengeblieben, und die Meisterschaft hat bei uns allen Lust auf mehr gemacht.“