Mit dem Jahreswechsel war die ikonisch grandiose Erfolgsära in der Ehe Lewis Hamilton/Mercedes Geschichte. Seit Neujahr ist der Rekord-Champion ein Roter in Diensten von Ferrari. Erbe im Team des Sterns ist der Teenager Andrea Kimi Antonelli. Doch wer ist dieser 18-jährige Italiener aus Bologna eigentlich?
Nach zwölf Jahren wurde die Trennung des Bunds der Ehe zwischen dem geadelten Sir Lewis Carl Davidson Hamilton und der Sternmarke Mercedes nun vollzogen. 246 Grands Prix hat der Brite nach seinem Wechsel von McLaren seit 2013 bis Ende 2024 für den deutschen Werksrennstall bestritten, ist mit ihm sechsmal Weltmeister geworden, hat 84 Siege eingefahren, stand 153-mal auf dem Podium, ist 78-mal vom ersten Platz gestartet, drehte 55-mal die schnellste Runde und lag 4.210 Runden in Führung. In seiner Mercedes-Zeit ist der Ausnahmekönner nur 14-mal ausgefallen – eine wahre Traumquote.
Eine Karriere, die ausschließlich von Mercedes-Benz-Power angetrieben wurde – über 20.000 Rennrunden und 100.000 Rennkilometer. 4.284 Tage dauerte die Ära des loyalen Piloten von seinem ersten Grand Prix für Mercedes (Australien 2013) bis zu seinem letzten Grand Prix (Abu Dhabi 2024) für die Marke mit dem Stern. Es war die längste und erfolgreichste Partnerschaft zwischen einem Fahrer und einem Team in der Geschichte der Formel 1. Rekorde, wohin man in dieser Zeit schaut. Das „Hamilton-Abschiedsszenario“ von seinem „Stern-Partner“ war keine normale Trennung zwischen Fahrer und Team – und schon gar keine Scheidung. „Der Abschied nach einer so langen gemeinsamen Reise ist weit mehr als das Aufzählen von Rekorden und Statistiken. Es ist die Würdigung einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Eine Person, die den Wandel in unserem Sport vorangetrieben und angeführt hat“, heißt es in einer Presseaussendung von Mercedes. In der Dankesmail wird weiter daran erinnert, „wie wir, Lewis und Mercedes, gemeinsam daran gearbeitet haben, dauerhafte Veränderungen zu bewirken, die weit über Siegerehrungen und Trophäensammlungen hinausgehen. Lewis hat sich mit Mercedes jeden Traum erfüllt, den er sich als junger Rennfahrer nur erträumen konnte.“ Dann beinhaltet die Mail doch eine kleine Spitze, die da wiedergibt: „Aber in Rot Rennen zu fahren, das ist mit den Silberpfeilen einfach nicht möglich“, so die Schlussworte über den treuesten und teuersten Angestellten (54,5 Millionen-Euro-Jahresgage 2024) im 1.500-F1-Mitarbeiter-Team von Mercedes.
Keine einfache Saison für Hamilton
Kurzer Blick zurück: Seine letzte Saison bei Mercedes war keine einfache für den „Instinktfahrer“, wie Motorsportchef Toto Wolff seinen Starpiloten bezeichnete. Mit den Rennen in Großbritannien und Belgien gab’s nur zwei Siege. Sein Heim-Grand-Prix in Silverstone war sein neunter Triumph im „Home of British Motor Racing“ (deutsch: Heimat des britischen Motorsports), und sein erster Sieg nach einer langen, ungewohnten Durststrecke von 945 Tagen und 54 Grands Prix. Für einen siebenmaligen Weltmeister eigentlich unvorstellbar. Hamiltons 13 Jahre jüngerer Teamkollege George Russell (26) siegte ebenfalls zweimal (Österreich und Las Vegas) im Jahr 2024, hatte aber die Quali-Duelle mit 19:5 gewonnen und den Punktestand in den Rennen mit 245:223 abgeschlossen. Der Sir tat sich schwer mit der jungen Fahrergeneration. In der Fahrer-WM belegte Russell nach Saisonende Platz sechs vor seinem 39-jährigen Landsmann als Siebter. Verabschiedet von seinem zwölf Jahre langen Arbeitgeber hat sich Hamilton dennoch mit einer Galavorstellung beim Finale in Abu Dhabi. Von nur Startplatz 16 kämpfte sich der „Löwe“ in einer sensationell beeindruckenden und sehenswerten Aufholjagd noch auf Rang vier vor – hinter Sieger Lando Norris im McLaren und den Ferrari-Piloten Carlos Sainz/Charles Leclerc (Zweiter und Dritter), aber noch vor Teamkollege Russell (Platz fünf). In diesem Finale haben Sieger Norris (25) und sein McLaren-Stallgefährte Oscar Piastri (23) mit Platz zehn für ihr Team noch auf den letzten Kilometern den Titel in der Konstrukteurs-Wertung perfekt gemacht. In dieser äußerst lukrativen Teamwertung mit mehr als 100 Millionen Dollar für den Ersten setzte sich der britische Traditionsrennstall mit einem knappen 14-Punkte-Vorsprung gegen Ferrari (666:652) durch. Red Bull landete mit Weltmeister Max Verstappen und Sergio Pérez als Punktesammler abgeschlagen auf Rang drei (569) vor Mercedes (468).
Wechsel auch bei Red Bull
Die Bullen hatten mit ihrem Mexikaner ein Problem. Und zwar ein ganz einfaches: ein zu Langsames. „Checo“, so die Abkürzung seines Vornamens Sergio, konnte „Bullen-Anführer und -Treiber“ Verstappen nicht folgen, dessen Geschwindigkeit auf den Rennstrecken einfach nicht mithalten und noch weniger überbieten. Zahlen lügen (bekanntlich) nicht: Der „Gaucho“ wurde in den Quali-Duellen 23:1 gebügelt und in den Rennen von Bullen-Überflieger Verstappen mit 9:0 Siegen abgehängt. Insgesamt thronte der „stramme Max“ in den 24 Rennen 23-mal vor Teamkollege Perez. Nur in Australien hatte der „zweite Bulle“ Perez nach dem Verstappen-Ausfall die Nase vorn. Am Saisonende läuteten dann die Alarmglocken im Bullenstall. Nach 90 Formel-1-Rennen für den „Stall“ erhielt der sechsmalige Grand Prix-Sieger als „Weihnachtsgeschenk“ den Laufpass. Nachfolger und neuer Teamkollege von Max Verstappen wird in 2025 das Eigengewächs Liam Lawson aus dem Jung-Bullenstall.
Nach dem Sensationswechsel von Hamilton zu den Italienern, den Ferrari vor einem Jahr Ende Januar 2024, also noch vor Saisonauftakt im März, in den Formel-1-Kosmos hinausposaunt hatte, nahm das Fahrerkarussell eine ungewöhnlich starke Dynamik für die Saison 2025 auf. Der Spanier Carlos Sainz musste nach vier Jahren als Teamkollege von Charles Leclerc bei Ferrari (seit 2021) seinen Arbeitsplatz Ende 2024 für den neuen Heilsbringer in Rot, Lewis Hamilton, räumen. Erst nach einem halben Jahr „reiflicher Überlegung“ hat „El Matador“ für 2025 beim Hinterbänkler-Team Williams für den wegen schlechter Leistungen geschassten US-Amerikaner Logan Sargeant unterschrieben.
Doch was ist mit dem freien und äußerst begehrten Cockpit, aus dem Lewis Hamilton nach zwölf Jahren bei Arbeitgeber Mercedes ausgestiegen ist und die Flucht nach „bella Italia“ zu Ferrari in Maranello ergriffen hat?
Gesehen und wahrgenommen wurde vergangene Saison an Rennwochenenden immer wieder ein Gesicht neben Mercedes-Boss Toto Wolff in der Box. Mit Saisonbeginn werden wir dann dieses „Nebengesicht“ im Cockpit eines Silberpfeils sehen. Doch wer ist das? Ein kleiner, etwas schmächtiger, schwarzhaariger Lockenschopf, 18 Jahre alt. Der Italiener Andrea Kimi Antonelli sitzt dann als Nachfolger des großen Siebenfach-Champions Lewis Hamilton im Mercedes-Cockpit und ist Teamkollege des dreimaligen Grand-Prix-Siegers George Russell (26).
Megatalent Antonelli
Ja, mit Antonelli hat die Formel 1 wieder einen Kimi! Der letzte Kimi in der Formel 1 war ein Finne, hieß Kimi Räikkönen, wurde 2007 letzter Ferrari-Weltmeister. Der „neue Kimi“ – Andrea Kimi Antonelli – der dann in der Startaufstellung am 16. März in Melbourne/Australien als drittjüngster F1-Fahrer (nach Verstappen und Lance Stroll) mit 18 Jahren, sechs Monaten und 20 Tagen in ungewöhnlich große Fußstapfen eines Altmeisters tritt, verrät, was es mit seinem in der Szene schon allseits bekanntem Rufvornamen Kimi auf sich hat. „Mein Mittelname, also Kimi, ist nicht wegen des Rennfahrens beliebt, sondern einfach, weil es gut zum ersten Namen Andrea und dem Nachnamen passte. Er wurde auch nicht von meinen Eltern gegeben, sondern von einem Freund von uns.“ Mit diesem 18-jährigen Megatalent Kimi Antonelli aus Bologna und dem Briten George Russell (26) bringt Mercedes 2025 die jüngste Fahrerpaarung im Feld an den Start. „Unsere Fahrerpaarung vereint Erfahrung, Talent, Jugend und puren Speed. Kimi ist, genau wie George und Lewis, ein Talent aus den eigenen Reihen, das eine vielversprechende Zukunft vor sich hat. Seine Leistungen im Nachwuchsbereich sind unglaublich beeindruckend“, sagt Boss Wolff in einer Mitteilung über den Formel-1-Rookie.
Antonelli erlebte einen kometenhaften Aufstieg in den Nachwuchsklassen. 2019 trat er im Alter von zwölf Jahren in das Nachwuchsprogramm von Mercedes ein. Nach Erfolgen im Kartsport stieg er in den Formelsport um. 2022 gewann er die italienische und in Deutschland die ADAC-Formel-4-Meisterschaft, bevor er 2023 die Formula Regional EM für sich entschied. 2024 gelang Kimi der Aufstieg in die Formel-2-Meisterschaft aus der ihm der Sprung in die Königsklasse gelungen ist. Mit George Russell hat der Italiener einen erfahrenen Teamkollegen an seiner Seite.
Über den neuen Leitwolf Russell berichtet Toto Wolff, dass „George sich als mehrfacher GP-Sieger zu einem Spitzenfahrer entwickelt hat. Es war eine Freude zu sehen, wie er das Nachwuchsprogramm des Teams durchlaufen, sich in den vergangenen Jahren in der Formel 1 etabliert und sich zu einer Führungspersönlichkeit entwickelt hat.“
Für den Saisonstart hat sich Kimi Antonelli am 16. und 17. Januar auf dem spanischen Rundkurs in Jerez vorbereitet. In einem Mercedes W11 aus der Saison 2020, mit dem Hamilton seinen siebten und bisher letzten WM-Titel eingefahren hat, sammelte der Hamilton-Nachfolger fleißig Testkilometer. Laut Wolff hat der Mercedes-Nachwuchsfahrer bei verschiedenen Testeinsätzen bereits mehr als 9.000 Kilometer abgespult. Die offiziellen Formel-1-Wintertests finden vom 26. bis zum 28. Februar in Bahrain statt.