Lange Zeit lief Alba Berlin seiner Topform in der Bundesliga hinterher. Nach dem Aus in der Euroleague läuft es deutlich besser. Die internationale Zukunft ist ungewiss.
Alba Berlin verabschiedete sich standesgemäß aus der Euroleague: mit einer Niederlage. Im 34. und letzten Saisonspiel auf internationalem Parkett war das 63:72 gegen Paris Basketball die 29. Pleite – eine Bilanz des Grauens. Der Basketball-Bundesligist belegte mit großem Abstand den letzten Tabellenplatz und blamierte sich in einigen Duellen bis auf die Knochen. So wie beim 64:108 gegen den italienischen Club Virtus Bologna, der nur einen Platz vor Alba lag. Trainer Pedro Calles beklagte hinterher einen „kompletten Blackout“ seines Teams, für den er zunächst „keine Erklärung“ fand. Die höchste Euroleague-Heimniederlage der Clubgeschichte passte aber irgendwie zur völlig verkorksten Saison im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb. Ob der elfmalige Deutsche Meister dort eine Zukunft hat, ist offen. „In den vergangenen Jahren waren die Ergebnisse nicht da, Alba muss sich verbessern“, sagte Euroleague-Boss Paulius Motiejunas zuletzt. Der Standort Berlin mit der großen Uber Arena am Ostbahnhof sei zwar auch für die Euroleague generell interessant, „aber er kann nicht interessant sein, wenn die Resultate nicht stimmen. Sie können nicht einfach ruhig dasitzen und denken, dass sie für immer in der Euroleague teilnehmen werden.“
Kein festes Startrecht
Anders als Bundesligarivale Bayern München durften die Berliner in den vergangenen Jahren nicht mit einem festen Startrecht, sondern nur dank einer Wildcard an der Prestige-Liga teilnehmen. Ob sie diese auch für die Spielzeit 2025/26 erhalten, ist ungewiss. Genau wie die Frage, ob sie diese überhaupt noch wollen. Zum einen ist die enorme Doppelbelastung ein Hauptgrund, warum der Club in dieser Saison in der Liga so böse abgestürzt ist. Zum anderen ist die Wildcard nicht umsonst. Dem Vernehmen nach soll Alba rund eine Million Euro pro Jahr zahlen, will der Club in den kommenden Spielzeiten ebenfalls Teil des Elite-Zirkels sein. „Die, die keine Anteile an der Euroleague haben, müssen auch noch Eintrittsgeld bezahlen und subventionieren die Verluste der anderen. Das ist kein tragfähiges Konzept“, hatte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi kürzlich der dpa gesagt. Insgesamt herrsche aktuell viel Unsicherheit, meinte Baldi: „Wohin die Reise gehen soll, ist überhaupt nicht klar.“
Auf der einen Seite würde sich der Club gern weiter mit den Besten in Europa messen, doch klar ist auch, dass Alba unter den aktuellen Bedingungen nur in wenigen Einzelspielen konkurrenzfähig sein wird. „Wenn man sich letztlich die Clubs anschaut, welche Verschuldung sie eingehen, ist es sehr, sehr schwierig, da dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein“, erklärte Baldi. Um eine Chance auf die Play-offs zu haben, bedarf es finanzieller Mittel, „die nicht aus dem Markt zu generieren sind“. Für einen Club wie Alba Berlin mit seiner Philosophie erst recht nicht. Erschwerend kommt die Planungsunsicherheit hinzu. „Im Prinzip erfährst du Juni, Juli, in welchem Wettbewerb du spielst“, sagte Baldi. „Das ist natürlich kein Zustand.“ Euroleague-Boss Motiejunas forderte für eine weitere Wildcard-Zusage mehr Qualität im Kader: „Ich rede oft mit Alba-Geschäftsführer Marco Baldi und sage ihm, dass sie ein besseres Team und bessere Ergebnisse benötigen. Er sagt dann, dass sie daran arbeiten.“
In der Bundesliga hat das zuletzt immerhin gut geklappt. Das 89:68 gegen die Frankfurt Skyliners war der vierte Sieg in Serie für die Berliner, die damit wieder gute Chancen auf den Einzug zumindest in die Play-offs haben. Es ist das erste Mal in der Saison, dass Alba vier Ligaspiele hintereinander gewonnen hat. In den vergangenen drei Hauptrundenspielen in Chemnitz (27. April), gegen den Mitteldeutschen BC (30. April) und bei der BG Göttingen (8. Mai) kann Alba das Worst-Case-Szenario, das erstmalige Verpassen der K.-o.-Runde, endgültig vermeiden. „Wir wollen den Schwung in die nächsten Spiele mitnehmen“, sagte Matt Thomas. Der Shooting Guard war gegen Telekom Baskets Bonn (102:88) der Matchwinner, insgesamt sammelte der US-Amerikaner 34 Punkte – so viel wie nie zuvor in einem Spiel im Alba-Trikot. „Meine Mitspieler haben mich heute in gute Positionen gebracht, und nachdem ich die ersten Würfe getroffen habe, bin ich in meinen Rhythmus gekommen“, sagte der 30-Jährige hinterher. „Von da an schien der Korb immer größer zu werden.“ Doch das trifft nicht nur auf Thomas zu. Auch seine Teamkollegen wirkten treffsicherer, spritziger und zeigten mehr Spielfreude. Und mit den positiven Ergebnissen steigt auch das Selbstvertrauen.
Blakers besonderer Werdegang
Dass die Doppelbelastung inzwischen weggefallen ist und der neue Cheftrainer Pedro Calles endlich auch mehr Möglichkeiten beim Training hat und die Spieler deutlich mehr Zeit für die Regeneration haben, sind auch Gründe für den Aufschwung. Klar ist aber auch, dass die Siege nicht kaschieren können, dass Alba spielerisch noch immer weit von seiner Topform entfernt ist. Stabilisiert? Ja. Dominant? Nein. „Der Trainerwechsel hat einen positiven Schwung reingebracht, aber das lässt sich nicht alles von heute auf morgen umsetzen“, sagte Center Michael Kessens. „Für viele Spieler ist die Situation unerwartet, für die meisten auch neu. Es ist unangenehm.“ Für Geschäftsführer Baldi ist es keine große Überraschung, dass das Team noch immer hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die mentale Last durch die schwächste Saison seit vielen Jahren bleibe enorm, sagte Baldi. „Wir haben viel zu verlieren, und sich davon gedanklich zu befreien ist sehr, sehr schwer.“
Damit hat Robert Baker II deutlich weniger Schwierigkeiten als seine Teamkollegen. Der 26-Jährige kam erst Ende Februar zu Alba, um als Big Man vor allem unter dem Korb Akzente zu setzen. „Was Roberts Persönlichkeit und Skillset angeht, passt er hervorragend zu uns“, sagte Sportdirektor Himar Ojeda, der Robert Baker II als „intelligenten und vielseitigen Spieler“ bezeichnete, „der unserem Frontcourt noch mehr Tiefe verleihen wird und mit seinem guten Wurf gegnerische Defensiven auseinanderziehen kann“. In den ersten Spielen funktionierte das schon gut, auch wenn es in der Abstimmung mit seinen Teamkollegen noch etwas haperte. Der Neuzugang deutete aber an, dass seine Größe, Athletik, Energie und auch der Distanzwurf in der heißen Saisonphase noch sehr helfen können. Bakers Werdegang ist durchaus ungewöhnlich. Nach seiner schulischen und sportlichen Ausbildung am College zog es ihn ins Ausland mit Stationen in der Slowakei, in Japan, in Puerto Rico. „Durch meine Zeit bei so vielen verschiedenen Teams konnte ich bereits viel von der Welt sehen“, sagte er. „Ich habe auf vier Kontinenten professionell gespielt – das können nicht viele von sich behaupten. Darauf bin ich stolz.“ Er liebe es, neue Orte und Kulturen kennenzulernen – und nicht nur das. „Nach und nach merke ich, wie ich mir bestimmte Gewohnheiten aneigne – und dann sogar mit nach Hause nehme“, erzählte der US-Amerikaner. Seine ersten Wochen in Berlin gefallen ihm „richtig gut“, es mache ihm „riesigen Spaß“, in der großen Uber Arena aufzulaufen. „Die Atmosphäre ist unglaublich“, sagte er. „Es ist mir wichtig, dass wir unsere Fans auf dem Court gut repräsentieren.“ Das klappt mit ihm deutlich besser – noch ein Grund für den Aufschwung beim Hauptstadtclub.