Darauf haben die Frauenbasketball-Fans im Saarland lange gewartet: Die Saarlouis Royals sind mit dem Pokalsieg und dem Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft zurück in der nationalen Spitze.
homas Mathieu reibt sich seit einigen Tagen ungläubig die Augen: Was das Vorstandsmitglied der Saarlouis Royals gerade erlebt, ist neu für ihn. 15 Jahre nach ihrem bis dato letzten Triumph holte der Frauenbasketball-Bundesligist im vergangenen März mal wieder den DBBL-Pokal ins Saarland. Es ist der insgesamt vierte Pokalsieg, was die Royals zum Rekord-Pokalsieger macht. Darüber hinaus stehen die Saarlouiserinnen gegen die Rutronik Stars Keltern im Finale um die deutsche Meisterschaft. In gewohnter „Best of Five“-Manier gewinnt das Team den Titel, das zuerst drei Spiele für sich entscheidet. An Ostern fanden bereits die ersten Spiele statt: Derzeit steht es 2:0 für Keltern.
Am Freitag, 25. April, 19 Uhr, ist Keltern dann zum dritten Spiel in der Saarlouiser Stadtgartenhalle zu Gast. Weiter geht es am Sonntag, 27. April, um 15 Uhr, und Donnerstag, 1. Mai, um 16 Uhr in Keltern. „Entweder wird es jetzt eine perfekte oder ‚nur‘ eine fast perfekte Saison für uns“, sagt Thomas Mathieu und ergänzt: „Wir könnten mit beiden Varianten ganz gut leben. Es ist ganz klar, dass derjenige, der mir vor der Saison den Pokalsieg und die deutsche Vizemeisterschaft angeboten hätte, meine Unterschrift bekommen hätte.“ Allerdings möchte er auch nicht das spannende Halbfinale missen, in dem sich die Royals erst im letzten Spiel für das Finale qualifizierten. Vor 2.200 Zuschauern in der Sömmeringhalle in Berlin-Charlottenburg setzten sie sich am Dienstagabend vergangener Woche mit 75:67 nach Verlängerung gegen den amtierenden Deutschen Meister Alba Berlin durch. „Das dritte Viertel war schon ein bisschen katastrophal. Eigentlich müssten wir das noch aufarbeiten“, sagt Mathieu zum 3:17-Ausrutscher, der den Kontrahentinnen die Tür für die Verlängerung geöffnet hatte. Doch er gibt sich auch versöhnlich: „Wenn man dann doch noch die Kurve kriegt und gewinnt, kann man es auch verzeihen.“
Der Pokalsieg kann als gutes Omen für das Meisterschaftsfinale gelten. Hier schalteten die Royals nicht nur den amtierenden Meister Alba Berlin im Halbfinale aus, sondern besiegten den aktuellen Finalgegner Keltern souverän. „Natürlich fährt man zu einem Turnier wie den Top vier mit der Erwartung hin, den Titel zu holen. Man weiß aber auch, dass man im Halbfinale gegen den Deutschen Meister und dann im Finale eventuell gegen den ehemaligen Deutschen Meister antreten muss“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Mathieu. „Kurz gesagt standen wir vor einer Mammutaufgabe – aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt.“ Dabei wurde der Hoffnung schon im ersten Viertel des Halbfinals ein herber Dämpfer versetzt. Mit 4:16 hatten die Royals gegen Alba das Nachsehen.
Klare Linie durch den Trainer
Zur Halbzeit lag das Team von Trainer Matiss Rozlapa mit 23:40 zurück, und die Träume schienen „schon fast ausgeträumt.“ Aber was die Mannschaft dann leistete, war einzigartig. „Seit ich bei den Royals tätig bin, habe ich so etwas noch nicht erlebt“, schwärmt Mathieu noch heute von dem, was die Mannschaft im zweiten Durchgang auf die Platte brachte. Saarlouis kämpfte sich zurück ins Spiel und schaffte im Schlussviertel tatsächlich noch die Wende. In den letzten Minuten verteidigten sie ihren Vorsprung souverän und sicherten sich mit einem 72:67-Sieg den Einzug ins Pokalfinale.
Wer nun dachte, das packende Halbfinale hätte die Royals zu viel Kraft gekostet, um im Endspiel gegen die Rutronik Stars Keltern mithalten zu können, sah sich getäuscht. Der Deutsche Meister von 2023 hatte zuvor sein Halbfinale klar mit 90:57 gegen die Eigner Angels Nördlingen gewonnen. Allerdings waren die Royals trotz der Halbfinal-Strapazen am Finaltag eine Nummer zu groß: Sie entschieden jedes Viertel für sich und gingen nach einem hochverdienten 97:73-Sieg als Pokalsieger vom Feld. „Gegen Keltern quasi alles zu treffen und sie regelrecht an die Wand zu spielen, war einfach außergewöhnlich“, erinnert sich Thomas Mathieu und verrät: „Wir waren alle ganz schön geflasht an dem Tag. Die Mädels wollten dann noch eine Nacht länger in Berlin bleiben, aber das haben wir aus Sicherheitsgründen mal abgesagt und lieber noch ein bisschen im Bus gefeiert.“
Ausschlaggebend für die schon jetzt erfolgreichste Saison der jüngeren Vereinsgeschichte ist die mannschaftliche Geschlossenheit. „Alle verstehen sich sehr gut miteinander, und sie unternehmen auch in der Freizeit vieles zusammen. Die sind eine richtige Einheit geworden“, sagt Mathieu und erklärt: „Der Trainer gibt eine klare Linie vor und hält die Zügel in der Hand. Aber jede Einzelne geht mit. Jede kämpft für die andere, keine meckert, wenn sie mal auf der Bank sitzt. Und so können die Mädels die Vorgaben des Trainers sehr gut umsetzen.“ Das war in den vergangenen Jahren nicht immer so. Auf dem Feld zeigt sich diese Symbiose aus intakter Mannschaft und ausgefeilter Taktik unter anderem durch eine kollektive, harte Verteidigung, viele Ballgewinne und schnelles Umschaltspiel. Aber auch die Ballsicherheit im Positionsspiel und die Treffsicherheit von der Dreipunkte-Linie sind beeindruckend. Im Pokalfinale fand der Ball bei jedem zweiten Versuch den Weg in den Korb. Dies spricht aber auch für die individuelle Qualität im Kader – vor allem der US-Amerikanerin Martha Burse. Sie führt die Royals durch die Saison, ist zweitbeste Schützin der Liga und wurde zur MVP, der wertvollsten Spielerin des Pokalfinal-Turniers gekürt.
Ob ihr das auch in der Finalrunde um die deutsche Meisterschaft gelingt? Klar ist: Die Royals können Keltern. Sie haben sie im Pokalfinale bezwungen, gar dominiert. Und die Saarlouiserinnen haben nach dem spektakulären Schlussspurt im letzten Halbfinalspiel das Momentum auf ihrer Seite. Ein solcher Schub kann die hohen Belastungen der Runde vergessen machen und die letzten Kräfte mobilisieren. Oder? „Dass wir der Favorit wären, wollte mir Dirk Steidl, (1. Vorsitzender der Rutronik Stars, Anm. d. Red.) auch schon erzählen. Natürlich wollen wir gewinnen. Wir stehen im Finale und wollen uns diesen Titel holen“, stellt Mathieu klar, merkt aber auch an: „Wir spielen gegen einen Eurocup-Teilnehmer, der das Achtelfinale erreicht hat – das darf man nicht vergessen. Sie hatten im Pokalfinale vielleicht einen schlechten Tag erwischt, aber ich sehe sie trotzdem in der Favoritenrolle.“
Ob es nun die perfekte oder „nur“ fast perfekte Saison für die Saarlouis Royals wird – so oder so gehören die Königlichen nach 15 Jahren wieder zur Spitze des deutschen Frauenbasketballs. Herzlich willkommen zurück.