Curtis Stigers gelang mit der Popballade „I Wonder Why“ ein Welthit. Sein Beitrag für den Soundtrack zu „The Bodyguard“ verkaufte sich millionenfach. Der Sänger aus Hollywood beherrscht Songwriting, Jazz und den Blues. Er gastiert bei „fill in – International Jazz Festival Saar“ im E-Werk.
Sister Stigers, Ihr intimes neues Album „Songs From My Kitchen, Vol. 1“ hat seine Wurzeln in Ihren eigenen vier Wänden. Wie kam es dazu?
Die Platte ist ein Rückblick auf meine Live-Stream-Shows. Ich wollte dokumentieren, was ich während der Pandemie musikalisch anders gemacht habe als in der übrigen Zeit, in der ich mit einer Jazzband unterwegs bin. Stattdessen war ich zu Hause, spielte meine Akustikgitarre und sang Songs, die ich nie zuvor gespielt und gesungen hatte. Ich musste sie erst lernen, was eine Menge Spaß gemacht hat.
Die aktuelle Single „Good To Know You“ ist eine musikalische Reflexion über die späte Begegnung mit Ihrem biologischen Vater. Wie war Ihr erstes Treffen mit ihm?
Ich habe ihn erstmals getroffen, als ich 46 war, also vor 13 Jahren. Es war unglaublich. Ich war nervös, klar, weil es seltsam ist, seinen Vater zu treffen, wenn man im mittleren Alter ist. Ich hatte eine ganze Weile nach ihm gesucht, und ihn endlich kennenzulernen, war wirklich nur positiv. Er hat sich genauso gefreut, denn er wusste nämlich nicht, dass es mich gibt. Meine Mutter hatte ihm nie von mir erzählt, und so war es eine große Überraschung für ihn.
Wusste Ihr Vater, dass Sie Musiker sind?
Ich habe es ihm gleich erzählt. Er ist ein großer Musikfan und auch selbst ein Musiker. Nicht professionell, aber er spielt Gitarre, seit er ein Kind war, und er kann auch singen. Während der Pandemie hat er sich selbst das Klavier spielen beigebracht. Er ist also ein musikalischer Typ, was sehr interessant ist.
Ich nehme an, Sie sind kein Songschreiber, der auf den schnellen Hit aus ist?
Ich weiß nicht wirklich, was die Besonderheiten beim Schreiben eines Hits sind. Selbst bei den Songs, die ich geschrieben habe und die Hits waren, wie „I Wonder Why“, „You’re All That Matters To Me“ oder „Never Saw A Miracle“. Ich habe mich nie hingesetzt und gedacht, dass ich einen Hit schreiben werde. Ich habe eher gedacht, ich werde einen emotionalen, schönen, coolen Song schreiben. Hits sind glückliche Zufälle. Also schreibe ich einfach Songs, die mich bewegen und hoffe, dass sie auch jemand anderen bewegen.
Bei Ihren Konzerten singen Sie auch Blues-Klassiker von Legenden wie Son House oder Little Walter. Wollen Sie den Blues nicht aussterben lassen?
Ich würde nicht sagen, dass ich auf einer Mission bin. Ich bin einfach mit dieser Art von Musik aufgewachsen. Einige der ersten Alben, die mich als Teenager umgehauen haben, waren Blues-Platten. Als ich nach New York City zog, spielte ich in Blues-Bands. Ich habe nicht versucht, als Saxofonist Auftritte zu bekommen. Stattdessen ging ich in Blues-Clubs und nahm an Jamsessions teil. Denn als Saxofonist bin ich eher ein Blueser als ein Jazzer. Der Blues ist also ein so wichtiger Teil meiner Musik, zumindest kommt er ein bisschen darin vor. Ein Hauch von Blues ist in fast allen Pop- und Rock-’n’-Roll-Musiken zu finden, weil er der Ursprung von allem ist.
Sie beherrschen beeindruckend viele Stile: Pop, Jazz, Rock, Singer-Songwriter-Musik. Haben Sie sich hingesetzt und das alles akribisch gelernt?
In der Musik ging es für mich immer darum, zu wachsen und zu lernen, neue Sachen und neue Wege zu finden, Dinge zu tun. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, aber ich wollte mich immer weiterentwickeln und lernen, die Musik zu spielen, die ich gerne höre. Weil ich also den Blues hörte, wollte ich ihn auch authentisch spielen können. Und weil ich ein Jazz-Fan war, wollte ich in der Lage sein, Jazz und auch Popmusik authentisch zu singen. Mein Facettenreichtum ist ein Segen für mich als Künstler. Weil ich so vielseitig bin, kann ich die Dinge tun, die ich tun möchte, aber es war auch ein wenig verwirrend fürs Geschäft.