Handball-Drittligist HG Saarlouis krempelt sich selbst gerade ordentlich um. Ermöglicht wird die Professionalisierungsoffensive von einem neuen Sponsor.
Vor allem die Verpflichtung von Markus Baur ließ die Handballfans im Saarland und darüber hinaus aufhorchen. „Wie kann sich die HG einen solchen Trainer leisten?“, fragten sich selbst die Experten rund um den Verein. Dann war schnell klar: Baur, Weltmeister von 2007, wird nicht der neue Trainer, sondern Sportdirektor (wir berichteten). Das warf weitere Fragen auf. Eine davon wurde wenig später beantwortet: Der künftige Trainer heißt Jörg Lützelberger. Er wird Philipp Kessler ablösen und ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger Vollprofi. Was wiederum zurück zur ersten Frage führt: Wie kann sich der familiäre Handball-Verein aus Saarlouis diese Professionalisierung leisten? Die Antwort dann Ende April: mithilfe des neuen Hauptsponsors, der Ursapharm Arzneimittel GmbH. Gemeinsam wollen die neuen Partner „den Handballsport in der Region stärken, neue Impulse setzen und optimale Voraussetzungen für Spieler und Nachwuchstalente schaffen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Vereins. Jungen Talenten soll so neben einer optimalen Förderung auch eine Perspektive im leistungsorientierten Handball geboten werden.
„Die Partnerschaft mit der HG Saarlouis ist für uns mehr als nur ein Sponsoring – sie ist ein klares Bekenntnis zur Region, zum Teamgeist und zu gemeinsamen Werten. Wir freuen uns auf eine starke Zusammenarbeit auf und neben dem Spielfeld“, sagte Boris Röder, Leiter der Unternehmenskommunikation von Ursapharm, bei der offiziellen Pressekonferenz Ende April. Röder betonte die Langfristigkeit des Projekts und dass sein Arbeitgeber nicht nur finanzielle Unterstützung biete, sondern auch ein starker Partner sei, der sich langfristig für die Weiterentwicklung des Vereins und des Handballsports in der Region engagieren wolle. Die HG Saarlouis sei mit über 1.000 Mitgliedern und mehr als 30 Mannschaften einer der größten und erfolgreichsten Handballclubs der Region und habe als regionaler Handball-Partner im Portfolio von „Hylo.Sport“ noch gefehlt, sagte Röder. Besonders hervorzuheben sei die Nachwuchsarbeit des aktuellen Liga-Vierten, die bereits zahlreiche Erstliga- oder gar Nationalspieler wie Tim Suton (TBV Lemgo) oder Marko Grgic hervorgebracht habe. Grgic, Sohn der HG-Legende Danijel Grgic, ist derzeit bester Torschütze der Handball-Bundesliga, hat mit der deutschen Nationalmannschaft 2024 in Paris die olympische Silbermedaille gewonnen und wird im Sommer 2026 vom ThSV Eisenach zum Top-Team SG Flensburg-Handewitt wechseln. Bis vor drei Jahren trug Grgic noch das Saarlouiser Trikot.
Gespräche über Hallenneubau
Auch der Präsident der HG Saarlouis, Dr. Steffen Freichel, und der künftige Sportdirektor Baur hoben hervor, dass die Partnerschaft mit dem weltweit agierenden Unternehmen langfristig angelegt sei und sich nicht nur auf die Bereitstellung finanzieller Mittel belaufe. „Wir wollen tatsächlich miteinander kooperieren“, sagte Freichel und nannte beispielhaft mögliche gemeinsame Projekte in den Bereichen Infrastruktur, Ausrüstung und Business-Netzwerk. Es wurden sogar schon erste Gespräche über einen möglichen Hallen-Neubau geführt, der allerdings nur unter Beteiligung von Stadt und Land realisiert werden könnte. „Allen Beteiligten muss klar sein: Wenn wir hier in Zukunft Handball-Spitzensport bieten wollen, dann muss nach der Stadtgartenhalle etwas Neues kommen“, betonte Freichel.
„Die Partnerschaft ist für uns ein ,perfect Match‘. Gemeinsam und auf Augenhöhe wollen wir sportlich und strukturell viel bewegen. Wir sind begeistert“, freut sich auch Dr. Daniel Müller, erster Vorsitzender und Geschäftsführer der HG Saarlouis. Gemeinsam mit den bisherigen Sponsoren, die den Verein laut Freichel allesamt auch in der kommenden Saison unterstützen werden, bilde die Zusammenarbeit mit dem neuen Hauptsponsor die Basis dafür, den Aufstieg in die 2. Bundesliga angehen zu können. Nach neun Jahren im Unterhaus der stärksten Liga der Welt war Saarlouis 2018 aus der 2. Liga abgestiegen. Seither gehört sie in der 3. Liga Süd zwar stets zu den besten Fünf – doch zu den Spitzenteams der vergangenen Jahre klaffte doch eine signifikante Lücke. Auch aufgrund der begrenzten finanziellen Möglichkeiten. Das wird sich nun ändern. Zahlen wurden nicht genannt, doch laut HGS-Präsident Steffen Freichel brauche es einen Etat von mindestens einer Million Euro, um die angestrebten sportlichen Ziele zu erreichen. Offenbar ist es mit dem neuen Partner gelungen, diese Schallmauer durch eine Verdopplung des bisherigen Etats zu durchbrechen. „Wenn man dann in der 2. Liga bestehen möchte, muss das Ganze mit Sicherheit noch einmal deutlich gesteigert werden, vielleicht verdoppelt, vielleicht sogar mehr als verdoppelt werden“, prophezeit Freichel.
Die sportliche Zielsetzung für die nächste Saison steht schon fest. Und das, noch bevor die laufende beendet und die Kaderplanung abgeschlossen ist: Das Erreichen der Aufstiegsrunde, also Erster oder Zweiter der 3. Liga Süd zu werden. Um das zu erreichen, brauche es „mehr Stabilität und Breite in der Mannschaft“, merkte Sportdirektor Markus Baur an. Deshalb sondiere man den Markt nach möglichen Neuzugängen. Eine Verpflichtung ist bereits unter Dach und Fach: Der 24-jährige Rückraumspieler Sven Eberlein kommt vom Nord-Ost-Drittligisten TuS Vinnhorst an die Saar. Aufgewachsen ist Eberlein in Schweden, wechselte mit 14 Jahren vom schwedischen Norrköping zur weiteren Ausbildung ins Handball-Internat der SG Flensburg-Handewitt. Im Alter von 18 Jahren kam er in der Saison 2018/2019 auf erste Zweitliga-Einsätze in Dormagen, spielte auf Leihbasis bei den Rhein-Vikings und in der folgenden Saison in Krefeld. 2021 folgte der Wechsel nach Wilhelmshaven, bevor er sich dem damaligen Zweitligisten TuS Vinnhorst anschloss.
Doch selbst, wenn die Aufstiegsrunde erreicht wurde, ist das eigentliche Ziel noch in weiter Ferne: Nur zwei von insgesamt acht Teilnehmern aus vier Drittliga-Staffeln steigen in die 2. Bundesliga auf. „Der Modus ist nun einmal wie er ist. Es ist nicht das, was man sich als Sportler wünscht – wenn man Erster wird, will man auch aufsteigen“, gibt Sportdirektor Baur zu, „Aber wir gehen jetzt den ersten Schritt an und der lautet: Unter die ersten Zwei zu kommen.“ „In naher Zukunft wird sehr viel geschehen, und wir sind recht zuversichtlich“, sagte Boris Röder und ergänzte selbstbewusst: „Wer Projekte von Ursapharm kennt, weiß, dass wir einen sehr, sehr langen Atem haben, und am Ende die Projekte alle erfolgreich sind. Das sehen wir hier genauso.“ Für die HG Saarlouis heißt das womöglich: Neuer Partner, neues Glück.