Alba Berlin hat nach einer anfangs katastrophalen Saison zumindest das drohende frühe Aus nach der Hauptrunde abgewehrt. Der direkte Einzug in die Play-offs blieb dem Team aber verwehrt.
In seinem Job als Sportdirektor muss Himar Ojeda ständig Geduld aufbringen. Ob das Werben um neue Spieler, die Vertragsverlängerungen mit begehrten Leistungsträgern oder die Integration von Neuzugängen – alles braucht seine Zeit. Ojeda weiß das, und er kann damit dem Vernehmen nach gut umgehen. Doch auch die Geduld des Spaniers wurde zum Hauptrunden-Schluss in der Basketball-Bundesliga hart auf die Probe gestellt. Trotz eines famosen Endspurts mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen stand bis zum 32. und letzten Vorrundenspieltag nicht fest, ob Alba Berlins famose Aufholjagd mit dem direkten Play-off-Platz belohnt werden würde. „Wir spielen immer besser, aber es ist so, dass wir warten müssen, bis wir wissen, was passiert“, sagte Ojeda. Das Schlimmste an der Situation: Alba konnte es am vergangenen Sonntag auf dem Parkett nicht mehr selbst beeinflussen, weil das Team schon alle Hauptrundenspiele absolviert hatte. Und so blickten die Berliner gebannt auf die Konkurrenten um Platz sechs. Am Ende stand fest: Alba muss in die „Strafrunde“. Statt sich direkt fürs Viertelfinale zu qualifizieren, stand für sie in der abgelaufenen Woche das Play-in gegen Pokalsieger Syntainics MBC an. Weil Alba mit drei Konkurrenten punktgleich war, im direkten Vergleich aber die schlechteste Bilanz aufwies, landete der Club am Ende nur auf Rang sieben.
„Am Ende haben kleine Details gegen uns entschieden. Aber es ist, wie es ist. Wir hatten am Ende einen guten Lauf und zumindest die Play-ins geschafft“, sagte Sportdirektor Ojeda. Denn lange Zeit sah es in der Bundesliga danach aus, dass für den elfmaligen Meister sogar schon nach der Hauptrunde Schluss sein könnte. Ein starker Endspurt verbesserte die Ausgangslage – und erhöhte sichtlich das Selbstvertrauen. Den Worten von Martin Hermannsson konnte man sogar entnehmen, dass der Kapitän gar nicht vorhatte, so sehr vor dem Fernseher mitzuzittern. „Es ist egal, ob wir in die Play-ins oder Play-offs gehen, niemand wird uns schlagen“, tönte der Isländer. Wo er dieses Gefühl hernehme? Aus dem sehr gelungenen Hauptrunden-Endspurt: „Die letzten Spiele waren alle wichtig, und wir haben wirklich gute Partien gemacht. Wir werden langsam ein gutes Team, und hoffen wir, dass es dafür noch nicht zu spät ist.“
Der 101:69-Sieg zum Hauptrunden-Abschluss gegen die BG Göttingen zeigte den Aufwärtstrend sehr deutlich. Alba agierte defensiv wie offensiv viel spritziger, konzentrierter und vor allem konsequenter. „In der Defensive geht es vor allem um Willen und Einsatz“, sagte Hermannsson: „Das ist etwas, was man nicht trainieren kann. Das ist einfach ein verändertes Mindset, mit dem wir gerade in der Verteidigung agieren.“ Das hat auch der neue Trainer Pedro Calles eingefordert. Unter dem im März vom Assistenten zum Chefcoach aufgestiegenen Spanier lief es zuletzt nach anfänglichen Startschwierigkeiten wieder rund. Auch, weil Calles die Rollen und Aufgaben auf dem Feld klarer verteilte – anders als noch sein Vorgänger Israel González, der ein Verfechter des freien Spiels ist. „Israel war ein Trainer, der uns sehr viele Freiheiten gegeben hat“, erklärte Hermannsson. Für diesen stark an Albas früheren Erfolgscoach Aíto García Reneses orientierten Spielstil braucht es aber herausragende Einzel-Akteure und eine sehr gute Abstimmung. Beides wurde lange Zeit in dieser Saison bei Alba vermisst.
Calles habe aufgrund der Negativ-spirale „festgelegt, welche Spieler in welchen Situationen den Ball bekommen sollen und wer in der Defense welche Aufgaben hat“, verriet Hermannsson, der unumwunden zugab: „Das haben wir gebraucht.“ Genauso wie regelmäßiges Training und auch Erholungsphasen, die vor allem für die mentale Frische notwendig sind. „Jetzt konnten wir mehr trainieren. Und Training hilft sehr viel dabei, dieses Selbstbewusstsein in das System zu finden“, sagte Malte Delow. „Da haben wir in den letzten Wochen einen guten Job gemacht.“ Vor allem, weil die Doppelbelastung mit dem Ende der Euroleague-Saison endlich wegfiel. Diesem Zeitpunkt hatten nicht wenige im Club entgegengefiebert.
„Eintrittsgeld“ für Euroleague
In der kommenden Saison wird Alba erst gar nicht in der Euroleague starten. Stattdessen tritt der Club in der Basketball Champions League (BCL) an. Der Wettbewerb wird vom Weltverband FIBA organisiert. „Mit der Teilnahme an der Basketball Champions League brechen wir in eine spannende neue Zeit auf und tragen damit der sich verändernden europäischen Basketballlandschaft Rechnung“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi. Man wolle „weiter die Zukunft des europäischen Basketball-Ökosystems mitgestalten“ und sei sich sicher, dass dieser Schritt dafür der richtige sei. Champions-League-CEO Patrick Comninos sprach von einem „bedeutenden Meilenstein“ und einem „starken Vertrauenssignal“, dass sich der „erfolgreichste Basketballclub Deutschlands“ der BCL angeschlossen habe. Weitere Top-Teams der Champions League sind unter anderem AEK Betsson Athen, Galatasaray Istanbul, Unicaja Málaga und CB 1939 Canarias. Sportlich hat Alba die Qualifikation für die BCL eigentlich verpasst, bei der Startplatz-Vergabe ist die Platzierung der Hauptrunden-Tabelle ausschlaggebend. Doch auch die BCL kann eine Einladung an einen Club aussprechen – und tat dies nun im Fall der Berliner.
Aber warum der Abschied aus der Euroleague, dem aktuell noch immer wichtigsten Club-Wettbewerb in Europa? „Die Bedingungen für einen Euroleague-Startplatz haben sich zuletzt extrem verändert“, begründete Baldi. Dem Vernehmen nach sollte Alba rund eine Million Euro pro Jahr zahlen, hätte der Club wie in den vergangenen Spielzeiten eine Wildcard haben wollen. „Die, die keine Anteile an der Euroleague haben, müssen auch noch Eintrittsgeld bezahlen und subventionieren die Verluste der anderen. Das ist kein tragfähiges Konzept“, hatte Baldi kürzlich kritisiert. Wirtschaftlich und auch sportlich sei das Konzept für einen Verein wie Alba, der sehr auf nachhaltiges Arbeiten achtet, nicht mehr tragbar. „Wenn man sich letztlich die Clubs anschaut, welche Verschuldung sie eingehen“, erklärte Baldi, „ist es sehr, sehr schwierig, da dauerhaft wettbewerbsfähig zu sein“. Und das war Alba in den vergangenen zwei Spielzeiten in der Euroleague nicht, so ehrlich müssen alle Beteiligten sein. Zweimal abgeschlagen Tabellenletzter, in dieser Spielzeit 29 Pleiten in 34 Spielen – eine Bilanz des Grauens. Hinzu kommt, dass Alba zuletzt durch die kräftezehrende Doppelbelastung viele Verletzungen zu beklagen hatte und kaum Erholungsphasen hatte.
Der Schritt in die Basketball Champions League könnte aber nicht nur für mehr Spaß und Frische sorgen, sondern auch ein Zwischenschritt zu einem neuen internationalen Wettbewerb sein. Der Weltverband bastelt dem Vernehmen nach mit der nordamerikanischen Profiliga NBA an einer sogenannten NBA Europa, die ein großer Konkurrent für die Euroleague sein würde. Und nach Informationen der „Bild“-Zeitung soll Alba als einer von 16 Clubs für diese Liga im Gespräch sein. Der NBA-Ableger könnte demnach schon im Sommer 2026 an den Start gehen.