Das Festival Perspectives präsentiert deutsch-französische Bühnenkunst unterschiedlicher Genres. Die 47. Ausgabe findet von 5. bis 14. Juni statt. Ein selektiver Ausblick auf das Programm.
Gelächter: „Eine der erfolgreichsten Maulwurf-Bands der Welt“, kündigte Festivalleiterin Kira Kirsch bei der Pressevorstellung an. Die Riesenmaulwürfe, die wir in concert und performend erleben werden, kommen aus Frankreich. Die watschelnden Pelzträger bilden den Abschluss der diesjährigen dreiteiligen Festival-Eröffnung. Erdacht hat das Spektakel der Regisseur Philippe Quesne, der zudem mit dem Theaterstück „Farm Fatale“, in englischer Sprache mit deutscher und französischer Übertitelung, in Forbach gastiert.
Das Festival Perspectives startet open air vor dem E-Werk mit „Passages“. Alice Rende erprobt die Gesetze der Schwerkraft in einem Glaskubus. Danach präsentiert die Compagnie „Les filles du renard pâle“ ein Akrobatikstück mit Musikbegleitung als Deutschlandpremiere. Das Kreiselrad, das eigens für diese Produktion entwickelt wurde, wird aufregende Momente für Zuschauende und womöglich schwindelerregende für den Akrobaten bereithalten. Der Festivalauftakt bietet zweimal Zirkus und eine Konzert-Performance zum Preis von 15 Euro, ermäßigt zehn Euro oder fünf Euro. Die Eröffnung wird vor allem Familien ansprechen und obendrein – das E-Werk ist geräumig – vielen Zuschauern Platz bieten.
Dreiteilige Festival-Eröffnung im E-Werk
Die Gruppe „Rimini Protokoll“ war bei Perspectives bereits des Öfteren zu Gast. „Société Anonyme“ heißt ihre zweistündige Performance in deutscher Sprache mit französischer Audiodeskription, die ab 18 Jahren geeignet ist und im Theater am Ring in Saarlouis stattfindet. In absoluter Dunkelheit wird eine blinde Musikerin durch den Abend leiten, dabei geht es um Geschichten, die im Verborgenen blühen.
Für die Sparte Theater steht „[EOL]. End of Life“, eine Ko-Produktion des deutsch-österreichischen Kollektives „Darum“ und „brut Wien“. Die performative Installation in Virtual Reality wurde als eine von zehn der bemerkenswertesten Inszenierungen zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen. Die Uraufführung fand 2024 im Wiener Ko-Produktionshaus „brut“ statt. Kira Kirsch, die in diesem Jahr erstmals das Programm für Festival Perspectives verantwortet, hat diese Produktion sozusagen von ihrer früheren Wirkungsstätte mitgebracht. Ebenso wie die Doku-Performance „Come Back Again“. Die preisgekrönte Choreografin Doris Uhlich entwickelte mit der Tänzerin Susanne Kirnbauer-Bundy eine Performance, in der die Beschäftigung mit der eigenen Biografie im Zentrum steht. Zwei Tänzerinnen unterschiedlicher Generationen – Susanne Kirnbauer-Bundy und Doris Uhlich – begegnen einander, hinterfragen die Vergangenheit und beleuchten die Gegenwart. Susanne Kirnbauer-Bundy erhielt im Alter von acht Jahren an der Ballettschule der Wiener Staatsoper Unterricht, Anfang der Siebzigerjahre avancierte sie im Wiener Staatsopernballett zur Ersten Solotänzerin. Die Vorstellungen mit der heute 83-Jährigen waren in Wien regelmäßig ausverkauft. Der 60-Minuten-Auftritt wird in Saarbrücken als Deutschlandpremiere mit zwei Vorstellungen angeboten.
„Egal, wie chaotisch es auf der Bühne zugeht, the show must go on!“ heißt es bei der argentinischen Choreografin und Tänzerin Ayelen Parolin. Spiegelt die Bühne das Leben, sprengt diese Aufforderung den begrenzten Tanzboden der Alten Feuerwache. Drei Tänzer schrecken vor Unerwartetem und Widersprüchlichem in „Zonder“ nicht zurück, wobei Strauss’ Walzer-Melodien eine besondere Rolle zukommt. Ein humorvolles Tanzstück, das Neugier weckt.
Das Kollektiv „(La) Horde“ – Marine Brutti, Jonathan Debrouwer und Arthur Harel – formierte sich vor zwölf Jahren und übernahm 2019 die Leitung des „Ballet National de Marseille“. Das Trio choreografierte unter anderem die letzten Tourneen von Sam Smith und Madonna. Mit „Roommates“ präsentieren Tänzer des „Ballet National de Marseille“ an einem Abend sechs Stücke, die unterschiedliche choreografische Handschriften vertreten. Man verspricht ein „explosives Programm“!
„Optimismus und Lebensfreude“
Die „Compagnie Ersatz“ aus Belgien und der Region Grand Est hat ein genreübergreifende Stück mit der „Compagnie Création Dans la Chambre“ aus Quebec (Kanada) entwickelt. Das Setting von „Au jardin des Potiniers“ ist ausgefallen und limitiert, und weil das so ist, werden neun Vorstellungen angeboten. Die Zuschauer finden an einem Tisch Platz, auf gleicher Ebene wie die Akteure, was bedeutet, dass nur 30 Besucher pro Vorstellung teilnehmen können. Das Objekttheater ohne Worte verspricht ein besonderes Erlebnis zu werden.
Flankiert wird das Festival Perspectives wie üblich von einem Kinoprogramm im Kino Achteinhalb plus anschließenden Gesprächen sowie drei Musikveranstaltungen im Sektor Heimat.
Die 47. Ausgabe von Festival Perspectives ist mit den Sparten Theater, Tanz, Zirkus, Musik, Performance und Film mit 60 Terminen, 15 Gastspielen an 20 Spielorten bestens besetzt.
Doris Pack, Präsidentin der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit, formulierte ihre Erwartung an das Festival: „Optimismus, Lebensfreude und grenzüberschreitende Freundschaft!“