Nach einer turbulenten Saison ist der 1. FC Saarbrücken doch noch auf den Relegationsplatz gesprungen. Nun wartet mit Eintracht Braunschweig ein Gegner, den niemand so recht auf dem Schirm hatte.
Vor einigen Wochen war Rüdiger Ziehl, damals noch Trainer und heute Manager des 1. FC Saarbrücken, zu Gast bei Preußen Münster, um einen möglichen Relegationsgegner unter die Lupe zu nehmen. Am vergangenen Sonntag fuhr sein Nachfolger Alois Schwartz nach Ulm – ebenfalls, um die Westfalen zu beobachten. Sportdirektor Jürgen Luginger wurde zur gleichen Zeit Zeuge, wie der Hamburger SV die Zweitliga-Meisterschaft bei der Spielvereinigung Greuther Fürth verspielte.
Und Co-Trainer Bernd Heemsoth fuhr nach Braunschweig. Die Eintracht stand vor dem letzten Zweitliga-Spieltag zwar auf dem Relegationsrang, hatte aber mit dem 1. FC Nürnberg einen Gegner, für den es um nichts mehr ging. Nach einer fulminanten Aufholjagd schienen die Niedersachsen bereits gerettet.
Doch dann gab es ein 1:1 bei Absteiger Regensburg, ein eher unglückliches 2:2 gegen Fortuna Düsseldorf und schließlich eine 0:3-Abfuhr bei der SV Elversberg. Am Sonntag erlebte Braunschweig dann ein Waterloo der besonderen Art. Mit 1:4 unterlag man den Franken, bereits zur Halbzeit hatten die Gäste viermal getroffen. Die Eintracht präsentierte sich derart desolat, dass nun ein kurzfristiger Trainerwechsel die Wende bringen soll. Für Scherning übernimmt sein bisheriger Assistent Marc Pfitzner.
Energieleistung nach der Pause
Offenbar soll Alexander Ende, bisheriger Trainer des SC Verl, zur kommenden Saison übernehmen. Der kennt den FCS ziemlich gut – spielte er doch erst vor wenigen Wochen mit seinem Team im Ludwigspark. „Wir müssen es nehmen, wie es kommt“, hieß es im Lager der Blau-Schwarzen eher lapidar.
Nach einem 2:1 über die U23 von Borussia Dortmund sprang der FCS doch noch auf den Relegationsplatz. Am Freitag um 20.30 Uhr gastiert nun die Braunschweiger Eintracht im Ludwigspark. Als „unbequem und kompakt“ wurden die Niedersachsen im Vorfeld eingestuft – diesem Anspruch wurde der Zweitligist in den vergangenen Wochen nicht gerecht.
Doch auch der FCS präsentierte sich nicht unbedingt stabil. Nach dem desolaten 2:4 in Aachen brauchte der FCS gegen den späteren Absteiger, der personell stark dezimiert war, eine Viertelstunde, um in die Partie zu kommen. Doch die nötige Leichtigkeit fehlte; die wenigen klaren Chancen hatte bezeichnenderweise Kapitän Manuel Zeitz – aber der wird im Spätherbst seiner Karriere nun wahrlich kein Torjäger mehr. „Die Effektivität werden wir in den Relegationsspielen brauchen“, sagte Coach Schwartz nach 95 nervenaufreibenden Minuten. Die Gäste gingen noch in der ersten Halbzeit durch Julian Hettwer in Führung. FCS-Torwart Tim Paterok sah dabei nicht gut aus, hielt sein Team aber nach der Pause mehrfach im Spiel: „Es geht immer weiter. Ein Stürmer, der siebenmal drüberschießt, kann auch nicht einfach vom Platz gehen. Das ist der Fußball. Das Ding muss ich haben. Aber auf dem Platz musst du es sofort abhaken“, sagte „Patte“, der seinen Platz am Freitag wieder wird räumen müssen, da sich Stammkeeper Phillip Menzel zurückmeldete.
Schwartz wechselte zur Pause offensiv, brachte Sebastian Vasiliadis für Zeitz – und damit mehr Tempo und Spielkultur: „Ich bin froh, dass die Wade gehalten hat. Jetzt freue ich mich auf zwei weitere Spiele. Alles andere entscheidet der Trainer. Wir haben uns heute viele Chancen erarbeitet und das Glück gezwungen“, sagte der Deutsch-Grieche, der den Fernseher am Sonntag ausließ. „Ich schaue mir das nicht an, das macht einen nur verrückt. Die Trainer werden uns auf das Spiel vorbereiten“, sagte er. Florian Krüger, wie schon in den vergangenen Wochen bester Mann auf dem Platz, wollte sich ebenfalls nicht zu sehr mit dem möglichen Gegner auseinandersetzen.
Nun wird es die Eintracht – bei der er in der vergangenen Saison nicht glücklich wurde. „Wenn es so kommt, nehme ich das an. Es hat nicht so extrem gut funktioniert, aber da bin ich niemandem böse“, sagte der 26-Jährige, der beide Saarbrücker Treffer vorbereitete, nach dem Abpfiff. Kai Brünker traf nach 66 Minuten zum Ausgleich. Als der gerade eingewechselte Patrick Schmidt mit seinem ersten Ballkontakt in der 86. Minute das 2:1 erzielte, brachen alle Dämme. „Es war eine schwierige Saison für mich. Dieser Abschluss ist natürlich grandios. Jetzt haben wir zwei Spiele auf Augenhöhe“, sagte der 31-Jährige, der das erste und das letzte FCS-Tor der regulären Saison erzielte. „Im Fußball ist alles möglich. Das habe ich schon vor dem Spiel gesagt“, erklärte Schwartz nach dem Spiel und nahm das Publikum mit ins Boot: „Die Stimmung in den vergangenen Spielen war ein enormer Faktor. Wir müssen dieses Momentum mitnehmen. Grundsätzlich ist der Zweitligist immer Favorit“, sagte der Trainer, der übrigens 2019 mit dem Karlsruher SC in die Zweite Liga aufstieg.