Ty Ronning spielte eine herausragende Meistersaison. Den Eisbären Berlin ist es gelungen, den Torjäger zu halten. Auch andere Personalentscheidungen sind bereits getroffen.
Auch die Frau von Ty Ronning ist froh, dass die Saison in der Deutschen Eishockey Liga vorbei ist. Nicht nur, weil sie ihren Liebsten nun wieder öfter sieht, sondern auch, weil dieser wieder etwas besser riecht. „Ich habe meine Unterwäsche fürs Spiel nun schon lange nicht mehr gewechselt. Meine Frau ist da nicht so begeistert“, sagte der Torjäger der Eisbären Berlin während der Play-off-Zeit über seinen Aberglauben, nach Siegen immer wieder dieselbe Unterhose anzuziehen. Und die Eisbären sind in der K.-o.-Runde von Sieg zu Sieg gerauscht und haben am Ende in einer einseitigen Finalserie gegen die Kölner Haie verdient den Titel gewonnen. Großen Anteil daran hatte ohne Zweifel Ronning. Der 27 Jahre alte Flügelstürmer präsentierte sich in der Form seines bisherigen Lebens und knackte dabei sogar einen DEL-Rekord. Er kam bis Saisonende in 28 Spielen in Folge auf mindestens eine Torbeteiligung und überflügelte damit den bisherigen Rekordmann Peter Draisaitl (22 Spiele hintereinander mit mindestens einem Scorerpunkt in der Saison 1994/95) deutlich.
Lob vom Sturmpartner
„Er ist echt ein Phänomen, wie er seit über einem Jahr immer Tore schießt“, lobte sein Sturmpartner Leonhard Pföderl, der in der abgelaufenen Meistersaison selbst höchst torgefährlich agierte: „Das dürfen wir gar nicht so viel hinterfragen, sondern müssen ihm einfach die Scheibe geben, und dann passt das.“ Und das hoffentlich auch in der nächsten Spielzeit. Denn den Eisbären ist es gelungen, den Topscorer der Hauptrunde sowie der Play-offs in ihren Reihen zu halten – obwohl es sicher auch lukrative Angebote anderer Clubs aus Europa gegeben haben dürfte. Ronning unterschrieb einen neuen Zweijahresvertrag beim elfmaligen Meister – was auch private Gründe hatte. „In Berlin fühle ich mich mit meiner Familie sehr wohl“, sagte er.
Das Talent bekam Ronning quasi in die Wiege gelegt. Sein Vater Cliff war einst ein erfolgreicher Eishockeyprofi, in der nordamerikanischen NHL stand er über fast zwei Jahrzehnte in mehr als 1.200 Partien auf dem Eis. Wie sein Vater ist Ty Ronning ebenfalls Stürmer und mit einer Größe von 1,75 Metern eher klein gewachsen. Doch Handlungsschnelligkeit und Tempo auf den Kufen sind die Stärken der Ronnings. Sein Vater ist nicht nur sein größter Fan, sondern zugleich auch sein strengster Kritiker. „Bestimmt wird er mir sagen, dass ich noch ein viertes Tor hätte schießen müssen“, sagte Ronning einmal nach einem Dreierpack in der DEL.
Aufgrund seines schon in jungen Jahren klar zu erkennenden Talents strebte der in Kanada geborene Eishockeyspieler natürlich eine NHL-Karriere an. Doch Verletzungssorgen machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Vor allem ein Schlüsselbeinbruch 2014 warf ihn zurück. Trotzdem wurde er beim NHL-Draft von den New York Rangers gezogen. Innerhalb des Franchise durfte er vier Jahre lang nur in den Nachwuchsligen auf Torejagd gehen. Das tat er sehr erfolgreich – ein NHL-Spiel blieb ihm aber verwehrt. Es folgte der Wechsel nach Europa: Der ERC Ingolstadt lockte ihn nach Deutschland. Und auch hier zeigte er auf Anhieb seinen ausgeprägten Torinstinkt – er war mit sechs Treffern der beste Play-off-Torschütze des damaligen Vizemeisters. Und dann schlugen die Eisbären zu.
Draisaitl verlor seinen Rekord
Eigentlich wollte Ronning sein Europa-Abenteuer beim HC Bozen starten, um sich dort für die italienische Nationalmannschaft zu empfehlen. Da seine Mutter Italienerin ist, hätte er womöglich die Staatsbürgerschaft erhalten und bei Olympia 2026 für Italien antreten können. Aktuell ist Ronning im Besitz des amerikanischen und des kanadischen Passes. Die aktuellen politischen Spannungen zwischen beiden Ländern dürften ihn beschäftigen, auch wenn er Tausende Kilometer entfernt in Europa eine neue Wahlheimat gefunden hat. Geäußert hat er sich dazu bislang nicht – und auch sonst spricht Ronning öffentlich eher selten. Er lässt lieber Tore für sich sprechen. Und das macht er so gut, dass selbst Peter Draisaitl, der seinen Rekord für den sogenannten „Punkte-Streak“ an Ronning verlor, verzückt ist.
„Ich bin hiermit der Erste, der dir von Herzen gratuliert“, sagte Draisaitl in einer Videobotschaft an Ronning: „Der Rekord sagt alles über deine Saison und deine Konstanz. Bitte hör jetzt nicht auf damit. Ich wünsche dir nur das Beste!“ Der Eisbären-Profi selbst sprach von einem „coolen“ persönlichen Erfolg: „Ich weiß, dass Herr Draisaitl ein Wahnsinnsspieler war – und sein Sohn ist es heute natürlich auch.“ Leon Draisaitl ist einer der aktuell größten NHL-Stars und gehört weltweit zu den besten Stürmern im Eishockey. Eine solche Karriere wird Ronning nicht mehr hinlegen – aber die Eisbären sind trotzdem unendlich froh, ihn in ihren Reihen zu haben. „Ty ist wirklich ein dynamischer Spieler. Er arbeitet sowohl im Training als auch im Spiel sehr hart“, schwärmte Trainer Serge Aubin: „Er ist ein wichtiger Spieler für uns und zudem ein großartiger Mensch.“
Und bescheiden ist er auch noch. Bei allen persönlichen Ehrungen richtet Ronning immer auch ein Wort des Lobes an das Team. Torhüter Jake Hildebrand sei zum Beispiel ein ähnlich großer Faktor in der Play-off-Serie gewesen, äußerte er: „Es war unglaublich, wie er die Scheiben gesehen hat.“ Da wird es Ronning freuen, dass Hildebrand seinen Vertrag bei den Eisbären ebenfalls verlängert hat. Der US-Amerikaner bleibt – genau wie Jonas Stettmer, der Hildebrand kurzzeitig sogar den Rang als Goalie Nummer eins abgelaufen hatte – ein weiteres Jahr bis 2026. Auch die Stürmer Blaine Byron und Eric Hördler (beide bis 2026) sowie die Verteidiger Markus Niemeläinen, Mitch Reinke und Adam Smith (alle bis 2027) konnten die Berliner weiter an sich binden.
„Alle Spieler haben gezeigt, wie wichtig sie für unsere Mannschaft sind“, sagte Sportdirektor Stéphane Richer. „Sie genießen großes Vertrauen innerhalb unseres Teams und bei den Trainern. Es war immer unser Ziel, den Kern unserer Mannschaft zu halten. Dies ist uns gelungen.“ Richer selbst wurde ebenfalls mit einer Vertragsverlängerung belohnt. Er gilt als der Architekt der jüngsten Eisbären-Erfolge. Er bleibt bis mindestens 2028 – und soll die Eisbären zu weiteren Titeln führen. „Stéphane ist zu 150 Prozent Perfektionist“, sagte Eisbären-Geschäftsführer Thomas Bothstede. Das trifft dem Vernehmen nach vor allem bei Spielertransfers zu. „Er legt viel Wert auf die Charakterzüge der Spieler“, erklärte Bothstede, „und wenn deine Mannschaft in fünf Jahren viermal Meister wird, liegst du auch sportlich offensichtlich oft richtig.“
Auf Richers glückliches Händchen vertrauen sie auch in der kommenden Saison – vielleicht ist ja wieder ein Glücksgriff wie Ty Ronning dabei. Vorerst nicht nach Berlin wechselt jedoch Joshua Samanski. Der Nationalspieler machte von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch und unterschrieb einen zweijährigen Entry-Level-Vertrag bei den Edmonton Oilers aus der NHL. Verlassen werden den Club Goalie Linus Vieillard, Verteidiger Olivier Galipeau sowie die Stürmer Michael Bartuli und Zach Boychuk. Letztgenannter verlässt die Eisbären nach fünf Spielzeiten und vier gewonnenen Meisterschaften.