Dieser meisterhaft inszenierte Unterwasser-Thriller stellt das echte Drama nach, das sich im September 2012 am Meeresgrund vor der schottischen Küste tatsächlich zugetragen hat. „Last Breath“ verschlägt dem Zuschauer den Atem.
Was haben das Weltall und die Tiefsee gemeinsam? Es gibt dort keine Luft zum Atmen. Wenn Menschen sich an diesen extrem exponierten Orten aufhalten, brauchen sie Geräte, die sie mit Sauerstoff versorgen. Wie einst bei der Verfilmung des Raumfahrt-Dramas „Apollo 13“ geht es auch bei „Last Breath“ um Leben und Tod.
Unter Wasser ahnt keiner was vom aufziehenden Sturm
Für die Tiefseetaucher Chris Lemons (Finn Cole), Duncan Allcock (Woody Harrelson) und David Yuasa (Simu Liu) ist ein Abtauchen auf den Meeresgrund, wo in 300 Metern Tiefe ein Unterwasserkabel repariert werden muss, eigentlich Routine. Vor allem Chris, der noch am Anfang seiner Karriere als Berufstaucher steht, freut sich auf die 28 Tage unter Wasser vor der Küste Schottlands. Endlich kann er seiner Verlobten Morag (Bobby Rainsbury) zeigen, dass er ein echter Profi ist. Das Begleitschiff Tharos bringt das Team planmäßig zum Tauchplatz. Auf der Fahrt dorthin ist es vor allem Duncan, der als erfahrenster Taucher versucht, Vertrauen aufzubauen und eine lockere Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Woody Harrelson ist für diese väterliche Rolle die Idealbesetzung. Dann ist es endlich soweit. Die drei begeben sich zu einer kontrollierten Dekompression in eine Taucherglocke, die auf 100 Meter Tiefe abgelassen wurde. Dort müssen sie ein paar Tage bleiben und werden vom Mutterschiff aus mit „Heliox“ versorgt, einer Gasmischung aus Helium und Oxygen, damit ihre Lungen beim Abtauchen auf den Meeresgrund nicht kollabieren.
Was sie nicht wissen: An der Meeresoberfläche zieht langsam ein Sturm auf, der plötzlich mit brachialer Gewalt losbricht. Als das extrem schlechte Wetter anhält, macht sich der Kapitän des Schiffs Andre Jenson (Cliff Curtis), ernsthaft Sorgen, ob er die Sicherheit des Schiffs – und vor allem die der drei Taucher – noch lange gewährleisten kann. Inzwischen haben sich Chris und David akklimatisiert und tauchen zum Meeresgrund ab. Sie beginnen unverzüglich mit der Reparatur des Kabels. Duncan bleibt in der Glocke zurück und kontrolliert von dort aus den gefährlichen Einsatz der beiden.
Dann kommt es zum Super-Gau: Aufgrund des extrem schweren Seegangs kann das Versorgungsschiff den Kurs nicht mehr halten und driftet gefährlich ab. Dann fallen an Bord auch noch alle Überwachungssysteme aus – was einen sofortigen Abbruch der Tauchaktion nötig macht. Der Kapitän setzt einen Notruf ab. Alarmiert versuchen David und Chris, zu Duncan in die schützende Taucherglocke zurückzukehren. David kann sich in die Glocke retten. Doch bei Chris reißt die Versorgungsleine und dadurch auch die Sauerstoffzufuhr. Langsam sinkt er auf den Meeresgrund. Mit nur zehn Minuten Notsauerstoff. Natürlich versuchen Duncan und David alles, um Chris zu retten. Es ist ein verzweifelter Wettlauf gegen die Zeit. Dann ist Chris’ Sauerstoff verbraucht. Auf der Leinwand wird eine Uhr eingeblendet; der Timecode zeigt an, wie lange Chris schon keine Luft mehr zum Atmen hat. Und die Uhr tickt und tickt …
Die letzten Minuten der Rettung laufen in Echtzeit ab
Vor allem diese letzten Minuten – in denen der Rettungsversuch quasi in Echtzeit abläuft – sind an Spannung nicht zu überbieten. Wie gelähmt sieht der Zuschauer auf die Uhr und auf Chris, der in seinem Taucheranzug in der todeskalten Dunkelheit auf dem Meeresgrund liegt. Ein wahrhaft klaustrophobisches Kinoerlebnis. Der australisch-amerikanische Regisseur Alex Parkinson ist ein Experte für dramatische Unterwasser-Aufnahmen, wie sein Dokumentarfilm „Der letzte Atemzug – Gefangen am Meeresgrund“ (2019) über ein tragisches Taucherunglück belegt. Jetzt hat er sich mit dem Spielfilm „Last Breath“ (bereits im Kino angelaufen) noch einmal übertroffen. Er hat das Überlebens-Drama auf das Wesentliche reduziert und es mit Unterwasserbildern aufgeladen, die den Zuschauer wie einen Sog ins Geschehen hineinziehen. So fesselnd kann Kino sein. Und es gelingt Parkinson auch noch in „Last Breath“, den „menschlichen Faktor“ miteinzubeziehen. Denn wie verzweifelt der Kapitän versucht, sein Schiff wieder auf Kurs zu bringen, und wie sich Duncans mühsam unterdrückte Panik auf dem Gesicht von Woody Harrelson spiegelt, gibt dem Drama noch eine zusätzlich hochemotionale Dynamik. Und nicht zuletzt zeigt der Film auch, dass es Menschen durchaus gelingen kann, scheinbar ausweglose Situationen zu meistern, wenn sie aufeinander vertrauen und gewissenhaft zusammenarbeiten.