„Es war ja nicht alles schlecht“ … so beginnen viele Geschichten, die man über die DDR hört. Zu Recht. Man machte aus seiner Lage eben das Beste. In diesem Buch geht es um „DT 64“, ein DDR-Jugendprogramm, das eigentlich nur als Veranstaltungssender zum Deutschlandtreff 1964 zu Pfingsten geplant war, später aber dann sogar die Wende überlebte. Auch wenn es das nicht lange tat.
Wie dem restlichen Ostrundfunk traute man auch den Machern von DT 64 nicht zu, dass sie sich tatsächlich schon lange vom DDR-System emanzipiert hatten und teils frecher und journalistischer, aber zugegeben auch naiver unterwegs waren als so manches West-Programm.
Im Jahr 1991 sollte DT 64 schließlich abgeschaltet werden, wogegen eine extrem engagierte Bewegung kämpfte – die zunächst teils siegte, letztlich aber dann doch scheiterte.
Ein ostdeutsches oder gar gesamtdeutsches Jugendprogramm entstand aus DT 64 also nicht; nur der MDR setzte mit „MDR Sputnik“ das Programm auf Mittelwelle und Satellit fort – beides für die damalige Jugend ungeeignete Übertragungsmedien.
Unter dem Eindruck dieser Dramatik beschrieben diverse Insider und Außenstehende in diesem ursprünglich 1993 erschienenen, von den Ex-DT-64-Journalisten Jörg Wagner und Andreas Ulrich herausgegebenen Buch die DT-64-Geschichte. Das Buch war damals schnell vergriffen und wurde nun anlässlich von 60 Jahren DT 64 mit einer Ergänzung und Fortschreibung bis zum heutigen Tag neu aufgelegt. Das Buch umfasst 384 Seiten, auf denen allerlei interessante Perspektiven zu finden sind. Der Untertitel zu „Power von der Eastside!“ lautet „Massenmedium und Massenbewegung“ und deutet darauf hin, dass das Buch auf jeden Fall für alle lesenswert ist, die an Journalismus, Radio- oder DDR-Geschichte interessiert sind.
Fest steht: Seine Fans sind dem Sender bis heute treu geblieben. Aber nicht nur für sie dürfte das Buch am Ende ein interessantes Stück Zeitgeschichte sein.