Mit „Monsieur Aznavour“ bekommt der Chansonnier und Schauspieler Charles Aznavour ein filmisches Denkmal. Der Dokumentarfilm erzählt sein bewegtes Leben mit viel Gefühl, Archivmaterial und persönlichen Einblicken – ein Porträt der „Stimme Frankreichs“.
Mit seiner rauchigen Stimme hat Charles Aznavour Generationen begeistert. „Monsieur Aznavour“ ist eine Hommage an einen der ganz Großen des französischen Chansons. Der unter der Regie von Mehdi Idir und Grand Corps Malade entstandene Film zeigt, wie der Sohn einer Einwandererfamilie aus Armenien zum international gefeierten Star wurde.
Charles Aznavour wurde im Jahr 1924 in Paris geboren. Er starb 2018. Im Film sehen wir, wie sehr seine Kindheit einerseits von den künstlerischen Ambitionen der Eltern, andererseits aber auch von den harschen wirtschaftlichen Bedingungen geprägt war. So betrieben die Eltern eine Gaststätte, die ein beliebter Treffpunkt von Sängern und Schauspielern war. Allerdings mussten sie diese in der Wirtschaftskrise aufgeben, und so war das Leben des jungen Charles auch immer von der Notwendigkeit geprägt, Geld zu verdienen.
Der Film ist eine Reise durch die Zeit: Er beginnt in den 1930er Jahren. Während der Besetzung durch Nazi-Deutschland ist die Familie in den von einer Gruppe um einen armenischen Auswanderer organisierten Widerstand involviert. So finden etwa Verfolgte Schutz in ihrer Wohnung. Weiter geht es mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, bis zu dem Punkt, an dem Aznavour seinen großen Durchbruch hatte. Dies ist zwar nur ein Ausschnitt aus den über 70 Jahren, in denen Charles Aznavour als Sänger aktiv war; es sind aber genau die Jahre, die für die Entwicklung seiner Karriere entscheidend waren. Einen Bereich lässt er dabei allerdings weitgehend aus: Aznavour war auch als Schauspieler aktiv und spielte in mehr als 70 Filmen mit. So hatte er bereits als Kind in „La Guerre des Gosses“, der 1936 gedrehten ersten Verfilmung des Romans „Der Krieg der Knöpfe“ von Louis Pergaud eine Rolle; ein Film, den man heute de facto nicht mehr zu sehen bekommt. 1960 spielte er die Hauptrolle in François Truffauts Film „Schießen Sie auf den Pianisten“, 1979 war er in Volker Schlöndorfs „Die Blechtrommel“ zu sehen.
Kompromisslos muss sein, wer erfolgreich sein möchte
„Monsieur Aznavour“ stellt die Zeit, in der er spielt, glaubwürdig dar. Seine Bilder erinnern an die Farbtöne alter Fotos. Wir tauchen ein in eine Welt, in der geraucht und getrunken wird. All das untermalt mit den frühen Chansons von Aznavour. Die große Herausforderung bei biografischen Filmen ist, der Persönlichkeit des Porträtierten gerecht zu werden. Hier liefert Aznavour-Darsteller Tahar Rahim eine sehr gute Arbeit ab: Er verkörpert den Chansonnier glaubhaft in den verschiedenen Phasen seines Lebens.
Schon als Kind steht Charles Aznavour zum ersten Mal auf der Bühne und entdeckt seine Liebe zum Singen. Doch der große Erfolg bleibt ihm als jungem Mann zunächst verwehrt, zu ungewöhnlich ist seine Stimme. Allerdings wird bei einem Auftritt Edith Piaf (Marie-Julie Baup) auf ihn aufmerksam, die zu diesem Zeitpunkt schon überaus erfolgreich ist. Sie erkennt in Aznavour den jungen Mann von der Straße, und weil sie das an ihre eigenen Anfänge erinnert, unterstützt sie ihn. Bei verschiedenen ihrer Konzerte tritt er im Vorprogramm auf, gemeinsam mit Pierre Roche (Bastien Bouillon), der ebenfalls singt und den Gesang am Klavier begleitet. Als Piaf ein Engagement in den USA annimmt, folgen ihr die beiden – und reisen auf ihren Rat weiter nach Montreal in Kanada. In der französischsprachigen Region liebt man Sänger aus Frankreich. Mit ihren Auftritten sind die beiden sehr erfolgreich. Doch um als französischer Sänger zum Star zu werden, müsse man Erfolg in Paris haben, rät Piaf. Und man müsse bereit sein, dafür eine Menge hinter sich zu lassen. Kompromisslos lässt sich Charles Aznavour auf die Herausforderung ein.