Geburtstagsfeiern sind eigentlich ein freudiges Ereignis. Auch wenn sie gelegentlich so ihre Tücken haben. Erst recht, wenn es runde Geburtstage und dazu auch noch höchst offizielle Ereignisse sind. Irgendwann ist dann alles gesagt – nur noch nicht von jedem.
Schengen macht da eine Ausnahme.
Ja, vor den großen Feierlichkeiten anlässlich vierzig Jahre Schengen-Abkommen ist viel gesagt worden. Über ein Europa ohne Grenzen, über ein wirklich historisches Datum und einen großen Fortschritt, der in dieser Form einmalig ist.
Und natürlich ist vielfach gewarnt worden, dass die mit einem Faible für Grenzkontrollen gerade dabei sind, alles in Frage zu stellen, was für mehr als eine Generation Europäerinnen und Europäer eine pure Selbstverständlichkeit geworden ist.
Befremdlich ist da schon, dass gerade junge Menschen, zumal noch aus einer Parteijugend, die so viele große Europäer hervorgebracht hat, zur neu bewachten Grenze fahren, um Selfis mit den Grenzwächtern posten zu können.
Was, bitteschön, geht da gerade vor?
Gilt neuerdings als Fortschritt, alle mühsam erkämpften Errungenschaften, die ein Leben in größerer Freiheit ermöglichen, wieder zurückzudrehen?
Umjubelte Grenzkontrollen sind nur ein Beispiel, wie ein zunehmend größerer Teil der jungen Generation inzwischen tickt. Und das ist keine einfache modische Retro-Welle, auch wenn uns etwa ein gerne geteiltes Frauenbild direkt in die Mitte des letzten Jahrhunderts zurückbeamt.
Zurück zum Geburtstagskind. Der Schengen-Raum steht „für Offenheit und Freiheit“, unterstreicht EU-Innenkommissar Magnus Brunner. Recht hat er. Nur dass von diesem „Spirit von Schengen“ (Luxemburgs Innenminister Léon Gloden) immer weniger übrig ist.
Warum? Die Antwort hat Saar-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger indirekt gegeben, wenn sie fordert: „Es muss uns etwas Klügeres einfallen“. Heißt umgekehrt: Was derzeit elf der 29 Schengen-Staaten mit ihren Grenzkontrollen treiben, ist alles, nur nicht von besonderer Klugheit geprägt. Um nicht zu sagen: einigermaßen einfallslose Symbolik.
Das ist, zugegebenermaßen, schon oft gesagt worden. Aber offensichtlich noch nicht oft genug.