Alba Berlin arbeitet die katastrophale Saison auf. Die Konsequenz ist keine Tabula rasa, sondern punktuelle Veränderungen. Ein Neuzugang macht Hoffnung.
Es gab sie doch, die Lichtblicke für Alba Berlin in der durchwachsenen Saison 2024/25. Sowohl das männliche als auch das weibliche U14-Team des Hauptstadtclubs sicherten sich die Meistertitel bei ihren Final-Four-Turnieren. „In der Alba-Jugend läuft’s“, kommentierte der Verein Anfang Juni auf seiner Internetseite den doppelten Triumph. Bei den Profis hingegen war wenig Grund zur Freude. Während die Basketballerinnen beim dramatischen Halbfinal-Aus in der Verlängerung gegen die Royals Saarlouis zumindest nicht völlig enttäuschten, gerieten die Männer schon früh ins Straucheln. Nach einem desaströsen Saisonstart gelang zwar noch der Einzug in die Play-offs – dank eines späten Aufbäumens in der Hauptrunde –, doch bereits im Viertelfinale gegen Ulm war verdient Schluss. Noch deutlicher trat Albas fehlende Qualität im internationalen Vergleich zutage: In der EuroLeague belegte man abgeschlagen den letzten Platz.
Erfolge in der neuen Saison
„Bis zur letzten Sekunde haben wir versucht, das Ruder herumzureißen. Aber das Ergebnis entsprach nicht unserem Potenzial“, sagte Geschäftsführer Marco Baldi. „Deshalb können wir mit der Saison sicher nicht zufrieden sein.“ In seinem Saisonfazit hob Baldi vor allem eines hervor: die Treue der Fans. „Das Beeindruckendste an dieser Saison war die Loyalität unserer Anhänger.“ Was wie eine Floskel klinge, sei bei genauerem Hinsehen ein echtes Kompliment. „Unsere Fans haben uns durch jede Phase getragen – auch durch die bittersten Momente. Dieser Support war überragend.“ Dennoch ist klar: Eine weitere derart enttäuschende Spielzeit darf sich der Club nicht leisten. Sonst droht selbst der Rückhalt der treuesten Fans zu bröckeln.
Die Saison darf also nicht als Ausrutscher abgetan, sondern muss gründlich aufgearbeitet werden. „Wir analysieren jede Spielzeit – unabhängig vom Erfolg. Das ist Grundlage unserer Entscheidungen“, betonte Sportdirektor Himar Ojeda. Der Spanier steht selbst in der Kritik: Fehler bei der Kaderzusammenstellung sowie das lange Festhalten am inzwischen entlassenen Trainer Israel González lasten schwer. „Wir reflektieren ständig, ob unsere Entscheidungen richtig waren“, sagte Ojeda, der aber auch auf Kontinuität setzt. „Eine Tabula rasa wird es mit mir nicht geben. Wir bleiben unserem Weg treu und verändern gezielt, was nicht funktioniert hat.“
Ojeda setzt auf einen konstruktiven Mittelweg zwischen Kurskorrektur und Grundsatztreue. Weder eine komplette Abkehr von Spielphilosophie und Transferstrategie noch hektische Schnellschüsse soll es geben. Auch Pedro Calles, der erst gegen Saisonende vom Co- zum Cheftrainer aufstieg, bleibt im Amt. „Wir glauben an ihn – nicht nur jetzt, sondern auch langfristig“, so Ojeda. Klar ist aber auch: Ohne personelle Veränderungen wird es nicht wieder aufwärts gehen. „Wir wollen ein konkurrenzfähiges Team aufbauen, das sich langfristig entwickelt“, formuliert Ojeda das Ziel: ein Neustart mit Perspektive.
Finanzielle Risiken
Der erste Baustein dieses neuen Zyklus ist gesetzt: Mit der Verpflichtung von Jack Kayil gelang Alba ein bemerkenswerter Transfer. Das 19-jährige Guard-Talent wird für eine Saison vom serbischen Topclub KK Mega Basket ausgeliehen. Der gebürtige Berliner – ausgebildet bei TuS Neukölln und Alba – soll das zuletzt stockende Offensivspiel neu beleben. Kayil debütierte im vergangenen November für die Nationalmannschaft und überzeugte Bundestrainer Álex Mumbrú: Beim EM-Qualifikationsspiel gegen Schweden in Heidelberg erzielte er zehn Punkte, dazu kamen drei Rebounds, vier Assists und zwei Blocks. Nach einer Verletzungspause brennt der 1,91 Meter große Aufbauspieler nun auf den Trainingsstart. „Ich freue mich sehr auf die kommende Saison – nicht nur, weil ich wieder tun kann, was ich liebe: Basketball spielen, sondern auch, weil ich das in meiner Geburtsstadt tun darf, umgeben von Familie und Freunden“, sagte Kayil.
Seine Verpflichtung dürfte auch Auswirkungen auf das bestehende Personal haben. Auf der Point-Guard-Position standen zuletzt Martin Hermannsson (30), Will McDowell-White (27), Matteo Spagnolo (22) und Ziga Samar (24) im Kader – zumindest bis Mitte Juni. Vor allem um Hermannsson, der trotz des sportlichen Absturzes zu den wenigen Lichtblicken zählte, ranken sich Wechselgerüchte. Angeblich gibt es Interesse mehrerer Euro-League-Vereine. Doch Alba kann diese Bühne künftig nicht mehr bieten: Der Verein verzichtete aus finanziellen Gründen auf eine erneute Teilnahme am hochdefizitären Premium-Wettbewerb – und entschied sich für die Champions League.
„Die EuroLeague-Clubs machen aktuell jedes Jahr enorme Verluste. Das ist wirtschaftlich nicht tragbar – für uns weder strukturell noch finanziell“, erklärte Baldi. „Die Champions League bietet uns mehr Perspektive.“ Ob das auch für ambitionierte Spieler gilt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Der Etat wird schrumpfen – und damit auch der Kader. Große Namen wird man in Berlin nicht verpflichten können. Umso mehr kommt es auf die richtige Auswahl an.
Die Ansprüche bleiben indes hoch. „Auch wenn wir in diesem Jahr nicht ganz oben mitspielen konnten, soll jeder wissen: Wenn Alba kommt, kommt ein Team mit Ambitionen“, stellte Baldi klar. Und zwar nicht nur im Jugendbereich.