Mal waldfarben und märchenhaft, mal düster und dramatisch: Die Fantasy-Outfits und Cosplays der Lebacherin Jasmin Gerhard (31) sind immer mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Ein Interview über ihre Gewandungen, Inspirationsquellen und besondere Veranstaltungen.
Liebe Jasmin, wann und wie hast Du Cosplay und Fantasy für Dich entdeckt?
Ich habe mich schon früh in meiner Kindheit für Mythologie, Fantasy und ganz besonders für Anime und Gaming interessiert. Typisch für ein 90er-Jahre-Kind habe ich jeden Tag meine geliebten Serien geschaut und nachmittags mit Freunden Szenen daraus nachgestellt. Irgendwann im jugendlichen Alter haben wir im Freundeskreis angefangen, Kostüme nachzumachen, und man hat gemerkt, wie viel Spaß man dabei haben kann. Das war der ausschlaggebende Moment, mit Cosplay richtig loszulegen.
Was fasziniert Dich daran?
Dass man seine Kreativität voll ausschöpfen kann und man sozusagen für kurze Zeit in eine andere Welt schlüpft, zum Beispiel auf Phantasie-/Mittelaltermärkten. Man hat dort das Gefühl, alle Menschen würden dieselben Dinge lieben, wie man selbst, und man kommt oft mit neuen Menschen in Kontakt, mit denen man dieselbe Leidenschaft teilt. Die Atmosphäre ist einfach immer wieder magisch.
In welches Fantasy-Wesen verwandelst Du Dich am liebsten und warum?
Oh je, da habe ich wirklich sehr viele und kann mich schwer entscheiden. Aber wenn ich müsste, dann auf jeden Fall meine Pilz-Elfe und Meerjungfrauen, da ich meine Flossen auch wirklich zum Schwimmen nutze, zum Mermaiden. Ich liebe es, im Wasser zu sein, und mit Flosse fühlt sich das einfach noch magischer an. Zudem gehörten Meerjungfrauen immer zu meinen Lieblings-Fantasywesen. Zu meiner Pilzelfe: Ich liebe den Herbst und sie spiegelt mich komplett wider. Sie war auch der erste Fantasy-Charakter, den ich auf einer Veranstaltung getragen habe.
Was inspiriert Dich zu Deinen Outfits?
Meine Cosplays stammen meist von Animes oder Gaming ab. Pokémon und „The Legend of Zelda“ sind da immer hoch im Kurs. Bei meinen Fantasy-Charakteren lasse ich mich oft durch Bücher oder durch Fantasy-Fotografen auf Instagram inspirieren, zum Beispiel von Rekii.fotografie oder Millicent Feya.
Was gefällt Dir bei Outfits im Cosplay- und Fantasy-Bereich weniger. Gibt es auch No-Gos für Dich?
Also für mich gibt es kaum No-Gos. Natürlich sollten die Outfits keine Kultur beleidigen oder Ähnliches. Für mich persönlich kommen auch keine zu freizügigen Outfits infrage, da ich es an mir nicht mag. Ich finde aber, dass jeder das anziehen sollte, worin er sich am wohlsten fühlt, und solange es der Person Freude bereitet, sollte sie anziehen, was sie möchte. Cosplay/Fantasy ist für alle da, also zieh an, auf was DU Lust hast, und nicht, was andere dir vorschreiben.
Du hast viele aufwendige Gewandungen, verschiedene authentisch wirkende Flügel und Perücken. Kaufst Du alles neu oder tauschst Du auch Sachen und fertigst auch einiges selbst?
Ich kaufe vieles bei kleineren Händlern neu ein, zum Beispiel Flügel und Perücken, schaue aber auch ab und an mal bei einem Fundus-Verkauf rein. Kostüme, Stäbe, Rüstungsteile, Tierohren und so weiter fertige ich oft selbst an durch Nähen und Craften. Manchmal mache ich auch aus alten Klamotten etwas ganz Neues oder stelle Outfits ganz neu zusammen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Welche sind Deine außergewöhnlichsten Accessoires?
Da zählen auf jeden Fall meine Flügel dazu: Von Feen- über Atlas-Spinner- bis zu Valkyrie-Flügeln ist alles dabei. Bis jetzt besitze ich sechs Flügelpaare und es kommt bestimmt noch etwas dazu, da ich im Kopf noch viele Ideen habe. Natürlich muss man, wenn man von außergewöhnlichen Accessoires spricht, auch meine Meerjungfrauenflossen dazuzählen.
Welche sind Deine absoluten Lieblingsoutfits und -accessoires?
Ein bestimmtes Lieblingsoutfit habe ich eigentlich nicht. Natürlich gibt es zum Beispiel Cosplays, die ich immer tragen könnte, darunter meine Salia aus „The Legend of Zelda“, die ich vor Kurzem fertiggestellt habe. Sie ist einfach zu tragen, passt fast bei jedem Wetter, und sie ist einer meiner Lieblingscharaktere aus meiner Lieblingsspielereihe. Das liebste Accessoire sind meine Atlas-Spinner-Flügel, da diese Nachtfalter-Art zu meinen liebsten gehört und ich mit denen ein wundervolles Shooting dieses Jahr hatte.
Du hast über die Jahre mit Sicherheit einen riesigen Fundus an Outfits und Accessoires angesammelt. Wo bewahrst Du diese alle auf?
Ich habe einen riesigen Schrank nur für meine Outfits und Accessoires. Meine Perücken hängen alle in Perückenaufbewahrungsbeuteln, meine Schmuckstücke wie Kronen oder Hüte sind auf Perückenköpfen befestigt, und besondere Outfits benutze ich auch oft einfach als Deko auf einer Schneiderpuppe angezogen. Leider wird aber auch der größte Schrank für all meine Ideen im Kopf zu klein und ich muss mal schauen, wie sich das regeln lässt. Ein eigenes Cosplay-Zimmer wäre da nicht schlecht.
Auf welchen Arten von Veranstaltungen bist Du überall zu finden und welche gefallen Dir besonders gut?
Ich bin meist auf ganz vielen Mittelalter- und Fantasymärkten in der Umgebung. Vor Kurzem war ja erst die ganz tolle Fark in Landsweiler-Reden. Aber auch auf Conventions wie der Dokomi in Düsseldorf bin ich zu finden. Leider kann ich Conventions immer nur sehr spontan planen, da ich am Wochenende oft arbeite. Umso schöner ist es, bekannte und auch neue Gesichter dort zu treffen. Besonders gut gefallen mir aber oft eher die kleineren Conventions und Veranstaltungen, da sie nicht allzu überlaufen sind und man sich so mehr Zeit für einzelne Personen und Stände nehmen kann. Aber selbst bei den großen Cons macht es Spaß, und man hat immer etwas zu entdecken.
Was machen die Cosplay- und Anime-Szene und die Veranstaltungen für Dich zu etwas ganz Besonderem?
Die Menschen und die Atmosphäre. Einfach sein Hobby mit anderen teilen, ins Gespräch kommen und neue Kontakte knüpfen. Sich gegenseitig Komplimente machen, Tipps bekommen und neue Erfahrungen sammeln. Das macht mir am meisten Spaß an einer Convention. Dieser Zusammenhalt und die Gemeinsamkeiten, die man entdeckt – genauso wie man das früher aus Animes kennt.
Was sind die schönsten Komplimente, die Du je bekommen hast?
Ich liebe es schon, wenn Menschen auf mich zukommen und mir einfach nur sagen: „Oh, du siehst so toll aus, ich habe dich direkt als XY erkannt, können wir ein Bild zusammen machen?“ Dass man mein Cosplay direkt erkennt, macht mich meist schon stolz, und ich merke: Das Craften und Nähen hat sich gelohnt. Das schönste Kompliment war aber, dass jemand zu mir gesagt hat, dass sie mir schon lange folgt und wegen mir mit dem Cosplay begonnen hat. Das war wirklich schön.
Wenn Du anderen von Deinem Hobby erzählst: Welche besonderen, verrückten oder lustigen Erlebnisse und Geschichten sind dann immer mit dabei?
Ich glaube, jeder Cosplayer kennt das – irgendetwas geht direkt in der ersten Sekunde kaputt oder fällt ab oder man hat aus Versehen ein wichtiges Detail im Gesicht vergessen, zum Beispiel, ein Muttermal aufzumalen. Eine andere Geschichte hätte ich auch noch – vor mehreren Jahren hatte ich es auf der Fark am Kreislauf, weil ich bei 36 Grad eine Rüstung trug und zu wenig getrunken hatte. Ich dachte aber, dass meine Kontaktlinse nur verrutscht sei und ich deshalb verschwommen sehen würde. Zum Glück hatte damals eine Freundin direkt gemerkt, dass etwas nicht stimmt, und nebenan befand sich das Rettungszelt. Fazit: Immer genug trinken und essen auf einer Con und auch mal den Helm ablegen, damit man Luft bekommt.
Du berichtest bei Instagram offen über Deine frühere Essstörung. Welche Essstörung hattest Du, und wie sah Dein Leben zu dieser Zeit aus?
Ich hatte im Kindesalter schon eine Binge-Eating-Störung. Das ist eine Krankheit, bei der Betroffene unter Essanfällen leiden und das Gefühl haben, es nicht kontrollieren zu können. In meiner Kindheit hatte ich ständig das Verlangen, alles zu essen, was mir in die Quere kam – so schlimm, dass meine Mutter als Schutz ein Schloss an den Kühlschrank montieren musste. Mir war das egal, und ich versuchte, das Essen anderswo herzubekommen, zum Beispiel bei Freunden, oder an ganz schlimmen Tagen wurde auch nicht Essbares essbar gemacht, etwa Papier.
Du hast insgesamt ganze 60 Kilo abgenommen. Wie hast Du das geschafft?
Damals hatte ich beim Schulfest einen Schlüsselmoment, als ich beim Laufen einen Kreislaufkollaps bekommen habe. Da war ich elf oder zwölf. Mein Kinderarzt sagte mir, dass ich, wenn ich so weitermache, ein sehr kurzes Leben haben würde. Zu dieser Zeit wog ich 130 Kilo. Ab da hat es bei mir „Klick“ gemacht und ich habe mit viel Hilfe aus dieser Essstörung herausgefunden. Leider bin ich auch sehr schnell in eine andere Essstörung hineingerutscht, indem ich durch zahlreiche Crash-Diäten Angst vor Zunahme und eine Angst vorm Essen entwickelte. Jetzt habe ich aber gelernt, dass eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit Bewegung der Schlüssel für mich ist. Kein Verzicht und kein Zwang und nur Sport, der mir Spaß macht. So habe ich zu mir gefunden.
Hast Du Lieblingsfotos und -bildserien von Dir?
Zu meiner Lieblingsbildreihe gehört auf jeden Fall mein allererstes Shooting bei der lieben Robella als Mondprinzessin. Dies war das allererste Shooting, das ich mich getraut habe, zu buchen. Zudem gefallen mir aber auch alle anderen Bilder von verschiedenen Fotografen, da sie sich immer so viel Mühe geben, meine Outfits in Szene zu setzen, wofür ich so dankbar bin. Man fühlt sich nach jedem Shooting wie jemand ganz Besonderes.
Was steht in der nächsten Zeit bei Dir an?
Ich bin momentan noch mit mehreren Kostümen beschäftigt, zum Beispiel der Krog oder Navi, die Fee aus „The Legend of Zelda“, die für die bevorstehenden Conventions eigentlich noch fertig werden sollen (Dokomi, CosDay, Connichi). Dazu plane ich auch noch eine neue Pilz-Kreation, die in die Cupido-Richtung (Amor) gehen soll, die eigentlich für die Elfia in Belgien dieses Jahr geplant war, die ich aber leider nicht besuchen werde, da ich meinen großen Traum einer Reise nach Japan verwirkliche. Ein Shooting steht aber auch noch an, und zwar im August als Meerjungfrau. Dazu habe ich leider noch nie die Möglichkeit gehabt, und jetzt ist es soweit, und darauf freue ich mich schon sehr. Natürlich werden die Bilder dann auch bei Instagram zu finden sein.